Donnerstag, 22. Dezember 2011

Der perfekte Sturm

Eine Leserin hat uns auf einen neuen Artikel von Kathryn Joyce hingewiesen, der in der Zeitschrift  The Atlantic erschien und in der Tat lesenswert ist. Er ist überschrieben mit "How Ethiopia's Adoption Industry Dupes Families and Bullies Activists" und beschreibt im Wesentlichen, wie die amerikanische Adoptionsindustrie versucht, durch Einschüchterung von Kritikern und Adoptiveltern die Vermittlungswege weiter offen zu halten.

Für Leserinnen und Leser dieses blogs ist die Geschichte, wie die amerikanischen Vermittlungsstellen Äthiopien eroberten, bereits bekannt. Einige neue Aspekte gibt es jedoch. Der erste ist die eindeutige Aussage, dass für äthiopische Familien die Vorstellung von Adoption eine völlig andere ist als in westlichen Gesellschaften.

"Äthiopier haben nicht die Vorstellung, dass Adoption ein klarer Bruch mit der ersten Familie ist. Manche denken, dass das Kind zwar im Ausland aufwächst, aber sie es danach wieder sehen werden. Eine hoch entwickelte und verrechtlichte Gesellschaft trifft auf eine sehr arme und traditionelle."

Wenn sich in den Dörfern herumspricht, dass die Familien von der Abgabe eines Kindes profitieren, dann wirkt das ansteckend. "Es ist sehr gefährlich; man spielt mit der Armut der Menschen, ihren Gefühlen und Bedürfnissen in einer wirklich profunden Art und Weise."

Der zweite Aspekt betrifft die Umsetzung des Adoptionsstopps. Bis heute wurden 23 Kinderheime geschlossen. Gleichzeitig zeigt eine Analyse von Gerichtsurteilen, die von UNICEF in Äthiopien durchgeführt wurde, dass der Stopp nicht lange angehalten hat, und heute die Adoptionszahlen wieder auf dem vorherigen Niveau sind.

Drittens gibt es nun direkte Hinweise darauf, dass es durchaus gefährlich ist, wenn Adoptivfamilien die Herkunft ihrer Kinder überprüfen wollen. Während es einerseits eine positive Entwicklung ist, dass Adoptiveltern dies tun, stoßen sie gleichzeitig auf Hindernisse, da die Searcher, die sie damit beauftragen, von offiziellen Stellen eingeschüchtert werden, die dazu noch von den Vermittlungsstellen dazu angehalten werden.
 
Ob sich durch den angekündigten Adoptionsstopp in diesem Jahr an den Praktiken tatsächlich etwas geändert hat, ist nicht klar. Einerseits gibt es ein größeres Bewusstsein von ethischen Aspekten in Adoptionsverfahren und die Regierung hat das Thema aufgegriffen. Andererseits ist die Nachfrage weiterhin hoch; und der Druck der Vermittlungsstellen auf die Gerichte und Regierung scheint erfolgreich gewesen zu sein.

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