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Montag, 25. Juni 2012

Waisenhaustourismus

In den letzten Jahren häufen sich Berichte über Waisenhaustourismus. Junge Menschen reisen in arme Länder um Gutes zu tun und verbringen häufig einige Wochen in Kinderheimen. Kritiker bemängeln, dass es dabei mehr um die Selbstverwirklichung der Teenager aus wohlhabenden Elternhäusern geht als um die Kinder, die dabei von ungeschulten und unbedarften jungen Menschen betreut werden. Vermittlerorganisationen berechnen hohe Gebühren für die Organisation solcher Reisen und haben ein großes Interesse an der Zugänglichkeit von Kinderheimen.

Auf Huffington Post erschien nun ein Bericht, der noch einen Schritt weiter geht. Am Beispiel Kambodscha argumentiert die Autorin, dass es Kinderheime gebe, die nur zum Zwecke der Anlockung reicher Touristen betrieben werden und hinter denen ein Geschäftsmodell von Spenden stecke. Süße, arme Waisen seien der Lockvogel für skrupelose Geschäfte. Zwar seien Adoptionen in Kambodscha verboten, aber Sextourismus ein großes Geschäft. Was den Kindern alles zustößt und zustoßen kein, sei völlig unkontrolliert, einschließlich illegale Adoptionen. Touristen können in die Kinderheime reinspazieren und gegen die entsprechende Spende mit Kindern Ausflüge unternehmen. In einem Land, in dem Sextourismus ein einträglicher Wirtschaftszweig ist, ein unerträglicher Gedanke.

Mittwoch, 14. März 2012

Kinderhandel in China

China galt lange Zeit als das Land mit dem saubersten Verfahren für internationale Adoptionen. Chinesische Kinder, die verlassen oder ausgesetzt aufgefunden wurden, wurden in staatliche Kinderheimen aufgenommen und dann zur Adoption freigegeben. Aufgrund der strengen staatlichen Aufsicht und der Ein-Kind-Politik war der Bedarf für internationale Adoptionen nahezu zwangsläufig vorgegeben. Nach den landläufigen Erklärungen setzten Eltern ihre Kinder aus, um sich einer Bestrafung für die Überschreitung der Kinderzahl zu entziehen. Dadurch wurden tausende gesunde Säuglinge in Adoptionsverfahren überführt, die schnell sehr begehrt waren. Insbesondere chinesische Mädchen wurden ins Ausland vermittelt.

Seit mehreren Jahren häufen sich jedoch die Berichte, dass Adoptionen aus China längst nicht so sauber abliefen wie bislang geglaubt. Die Behörden befassen sich nun ernsthaft mit Menschenhandel in China und stoßen auf schockierende Praktiken.

Das Ministerium für Öffentliche Sicherheit hat nun einen Bericht veröffentlicht, nachdem im letzten Jahr 8,660 Kinder und 15,458 Frauen aus Menschenhandel 'befreit' werden konnten. Über 3200 Menschenhändlergruppen wurden verhaftet einschließlich einer Bande, die Frauen nach Angola in die Prostitution verkaufte.

Im Jahr 2011 wurden mehr als 2000 Kinder für Adoptionen entführt und verkauft. Letzten November wurde in Shandong eine Bande enttarnt, die Säuglinge für US$8,000 anbot. Seit 2008 wurden 11.300 Personen wegen Menschenhandels verurteilt. Das Ministerium hat zudem eine landesweite DNA-Datenbank aufgebaut, um entführte Kinder ihren Eltern zurückzubringen.

Aber auch die Behörden selbst waren an Zwangsadoptionen beteiligt. Familien wurden Kinder von Behörden weggenommen und ohne Einverständnis der Eltern zur Adoption freigegeben. Die Berichte über entführte adoptierte Kinder trifft insbesondere amerikanische Familien. Ungefähr 100.000 Kinder wurden seit 1992 hauptsächlich in die USA, Kanada und Spanien vermittelt. (Nach Deutschland wurden keine Kinder vermittelt, da es hier keine automatische Einbürgerung gibt, die China als Voraussetzung verlangt.) Selbsthilfegruppen versuchen nun die Herkunft ihrer Kinder zu ermitteln und den Kontakt zu den Eltern aufzunehmen. Die Zahl der Adoptionen geht deutlich zurück.

Die Moral von der Geschichte? Es gibt derzeit - vielleicht mit der Ausnahme Russlands - kaum ein Land, in dem es keine ethischen Probleme, sprich kriminelle Praktiken, in internationalen Adoptionen gibt. Zukünftige Adoptiveltern müssen sich mit diesen Themen kritisch auseinandersetzen.

Sonntag, 29. Januar 2012

Irische Familien in illegale Adoptionen in Mexiko verwickelt

In den letzten Wochen gab es eine Reihe von Meldungen über einen aufgeflogenen Babyhandelskandal in Mexiko, in den 11 irische Familien verwickelt sind. Die Familien waren mit einem mexikanischen Anwalt in Kontakt, der ihnen über eine US amerikanische Vermittlungsstelle empfohlen worden war. Der Anwalt vermittelt bereits seit mehreren Jahren Kinder ins Ausland. Da auch immer wieder deutsche Paare private Adoptionen anstreben, soll an dieser Stelle nochmals vor Privatvermittlungen über spezialisierte Adoptionsanwälte gewarnt werden.

Die Adoptiveltern hatten einen Sozialbericht der irischen Behörden und diese auch über ihr Vorhaben informiert. Sie suchten über das Internet einen Rechtsbeistand. Diese Suche führte sie zu einer US amerikanischen Firma (vermutet wird die Vermittlungsagentur Adoption Alliance in Colorado), die sie an den Anwalt Lopez in Guadalajara in Westmexiko verwies. Der Anwalt gab später an, dass er in den letzten sieben Jahre Kinder an ca. 60 irische Familien vermittelt hat.

Die Adoptionen durchliefen die mexikanischen Gerichte und schienen rechtmäßig zu sein. Die Paare zahlten mindestens €23,000 pro Kind.

Die Kinder wurden vor ihrer Geburt vermittelt. Die Eltern zahlten in manchen Fällen die medizinische Betreuung der Mutter und flogen innerhalb von zwei Wochen nach der Geburt nach Mexiko. Sie glaubten, die Mütter hätten die Kinder abgegeben. Tatsächlich waren die Kinder, die sie in Empfang nahmen, nicht von den Müttern zur Adoption freigegeben worden. Stattdessen wurden junge Mütter angesprochen und ihnen ein Fotoshoot ihres Kindes für eine Anti-Abtreibungskampagne angeboten. Sie bekamen Geld dafür, ihre Kinder für zwei Wochen einer Werbekampagne zu überlassen. In dieser Zeit wurden die Kinder den irischen Familien übergeben.

Der Betrug flog auf, als eine Frau ihre Schwägerin bei der Polizei anzeigte, da sie versuchte, ihre Babies zu verkaufen. Daraufhin wurden sieben Frauen und zwei Männer verhaftet. 10 Babies wurden in Kinderheimen untergebracht.

Sowohl die irischen Familien als auch der vermitteltende Rechtsanwalt stellen sich nun als Opfer von Kriminellen dar. Allerdings weist auch der Vorsitzende der irischen Adoptionsbehörde darauf hin, dass es in den letzten 15 Monaten in Irland ganze sieben Warnungen an Adoptiveltern vor Privatadoptionen in Mexiko gegeben hatte. Selbst wenn die Adoptiveltern wirklich von legalen Adoptionen ausgegangen waren, konnten sie dies nur mit fest geschlossenen Augen und Ohren getan haben. Sie trifft zumindest die Mitschuld, bestehende Konventionen und Erfahrungen ignoriert zu haben.

Sowohl Irland als auch Mexiko haben die Haager Konvention unterzeichnet, nach der internationale Adoptionen nur über staatlich lizenzierte Stellen vermittelt werden dürfen.