Posts mit dem Label gescheiterte Adoption werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label gescheiterte Adoption werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 8. Juli 2015

Die Debatte ist vorbei

Vor dem Hintergrund der Austrahlung des Films "Die Adoption" in der ARD gestern abend möchten wir auf unseren blogpost "mercy, mercy" hinweisen, der nichts an Aktualität eingebüßt hat. "Mercy, mercy" ist mit Abstand der am meisten gelesene und kommentierte Beitrag auf unserem Blog. Der Film berührt und verstört.

Unabhängig von der Ausstrahlung des Films hat David Smolin einen neuen Beitrag über die Situation in den USA veröffentlicht, der auch unserer Wahrnehmung entspricht: "Die Debatte ist vorbei". Sie wurde nicht mit Argumenten entschieden sondern mit Zahlen. Weltweit sinken die Zahlen internationaler Adoptionen. Ideologische Grabenkämpfe verkümmern angesichts der veränderten Praxis. In Deutschland wurde keine Debatte über die Praxis der Auslandsadoption geführt, sondern die Vermittlungsstellen finden sich mit den geänderten Realitäten ab. Manchmal muss niemand überzeugt werden, um Missstände zu verändern. Vielmehr wehren sich die Herkunftsländer gegen die Ausbeutung der Kinder und lassen den Adoptionsstrom versiegen. Das ist gut so.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Unerwünscht in Amerika

Der amerikanische Fernsehjournalist Dan Rather hat einen Dokumentarfilm über gescheiterte Adoptionen in Amerika gedreht und ins Netz gestellt. Er beschreibt die traurige Realität, dass in den USA eine beglaubigte Vollmacht genügt, um das Sorgerecht für ein Kind auf eine andere Familie zu übertragen. Über diesen Weg ist ein privater Markt für Zweitadoptionen entstanden, an dem weder Vermittlungsstellen noch staatliche Institutionen beteiligt sind. Auch finden sich immer wieder Adoptivkinder in staatlichen Fürsorgestellen oder Obdachlosenheimen wieder. Joyce Maynard spricht sehr offen über ihr Scheitern als Adoptivmutter zweier Schwestern aus Äthiopien. Auch sie hat die Kinder über private Wege in eine andere Familie abgeben, die sie vorher nicht kannte. Die Mädchen verweigern heute jeden Kontakt mit ihr.

In "Ungewünscht in Amerika" sind Beispiele von äthiopischen Adoptivkindern zahlreich vertreten. Ob als Opfer von Misshandlungen, mehrfach adoptierte Kinder oder obdachlos; das Schicksal äthiopischer Kinder in Adoptivfamilien hat etwas von einer Lotterie.

Der Film ist hier zu sehen. Das Passwort ist danrather.

Sonntag, 21. April 2013

Äthiopische Adoptierte lässt Adoption widerrufen

Bereits im Februar berichtete Voice of America über eine in die Niederlande adoptierte Äthiopierin, die ihre Adoption widerrufen ließ. Betty Lub wurde im Alter von 7 Jahren von einer holländischen Familie über die Vermittlungsstelle Wereldkinderen adoptiert. Ihre Vermittlungsakte enthielt eine ganze Reihe falscher Angaben u.a. dass ihre Eltern verstorben seien. Die Adoption in den Niederlanden scheiterte und Betty versucht seitdem ihre Adoption zu widerrufen. Nach dem Gerichtsprozess in Äthiopien will sie nun versuchen, auch in den Niederlanden die Adoption zu annullieren.  Es ist der erste Fall in Äthiopien, in dem eine Adoption widerrufen wurde.



In this photo made available by Loes Zuidervaart, Betty Lub's current foster parent, the 14-year-old Ethiopian girl shares her court victory against her adoptive Dutch parents with her current foster mother in Addis Ababa, February 9, 2012.
In this photo made available by Loes Zuidervaart, Betty Lub's current foster parent, the 14-year-old Ethiopian girl shares her court victory against her adoptive Dutch parents with her current foster mother in Addis Ababa, February 9, 2012.
 

Donnerstag, 29. November 2012

Mercy, Mercy

Im dänischen Fernsehen wurde dieser Tage ein ungewöhnlicher Dokumentarfilm über eine gescheiterte Adoption aus Äthiopien ausgestrahlt, der im Land eine hitzige Diskussion entfachte. Mittlerweile haben die Adoptiveltern Polizeischutz beantragt.

"Mercy Mercy" erzählt eine wahre Geschichte einer Adoption von beiden Seiten, der äthiopischen und der dänischen Familie. Die Filmemacherin folgt den Familien über mehr als drei Jahre und stellt fest, dass für beiden Seiten die Adoption scheitert. Die leiblichen Eltern in Äthiopien sind mit dem HIV Virus infiziert und beschließen ihre Kinder abzugeben. Sie leiden in den folgenden Jahren unter ihrer Entscheidung, teils weil es ihnen gesundheitlich ganz gut geht, teils weil sie keine Nachrichten von ihren Kindern erhalten. Die dänischen Adoptiveltern sind mit dem älteren Mädchen überfordert und geben es in ein Heim. Die Ironie der Geschichte ist, dass das adoptierte Kind viel unnötiges Leid erleben musste und letztlich ein Schicksal erfuhr, vor dem es seine leiblichen Eltern bewahren wollten. Der Filmemacherin geht es darum zu zeigen, dass ein Teil der Adoptionsindustrie kommerzielle Interessen über menschliche Bedürfnisse stellt und unschuldige Kinder Opfer eines absurden Marktmechanismus werden.

Wenn man den bislang spärlichen Berichten über den Film folgt, dann sind die Kinder unmittelbar aus der leiblichen Familie in die Adoption überführt worden. Warum sie zu dem Zeitpunkt adoptionsbedürftig waren, dürfte heftig umstritten sein. Tatsache ist, dass viele äthiopische Adoptivkinder Halbwaisen sind und zumindest ein Elternteil haben, bei dem sie aufwachsen könnten. Den Eltern fehlt es in der Regel an Unterstützung. Eine Aidsinfizierung ist schon lange kein Todesurteil mehr und das Auseinanderreißen einer intakten Familie aufgrund einer Diagnose ist der eigentliche Skandal.

Der Skandal in Dänemark basiert jedoch auf dem Scheitern der Adoptivfamilie. Die Adoptiveltern kommen mit dem älteren Mädchen nicht zurecht. In einem Filmausschnitt sieht man, wie das weinende Mädchen sich an die Adoptivmutter schmiegt, die ihm mit versteinerten Gesicht die Tränen trocknet. Nach einem Zeitungsbericht bereuen die Eltern die Film nicht, weil sie so anderen Familien helfen würden. Sie fühlten sich mit ihren Problemen alleine gelassen.

Die Wut der dänischen Bevölkerung auf die Eltern ist nachvollziehbar. Erst adoptieren sie zwei Kinder aus einem fernen Land, die nicht wirklich eine neue Familie brauchten. Dann stellen sie sich auf die Traumatisierung ihres Kindes nicht ein sondern geben nach ein paar Jahren auf. Mit der zweiten Traumatisierung des älteren Kindes geht ein weiterer Schock für das jüngere Kind einher, das seine Schwester verliert. Und dann breiten sie das Ganze noch vor einer Kamera aus. Auch wenn die Abgabe des Kindes in bestimmten Konstellationen die einzige und damit beste Alternative sein kann, ist es mehr als naiv für die Veröffentlichung ihrer Geschichte Verständnis zu erwarten. Wie kann eine Familie im Überlebenskampf noch Zeit oder Energie für ein Kamerateam aufbringen?

Der Film kann potenziell eine wichtige Rolle in der Diskussion über die Probleme Internationaler Adoption spielen. Er legt den Finger gleich in mehrere Wunden: in die fehlende und mangelhafte Prüfung der Adoptionsbedürftigkeit vieler Kinder, in die Verharmlosung von Traumatisierung verlassener und abgegebener Kinder und die falschen Vorstellungen zukünftiger Adoptiveltern über ihre neue Familie. Ein mutiges Thema und ein potenziell wichtiger Film.*

* Ich habe den Film selbst nicht gesehen und kann daher nicht beurteilen, ob es auch ein guter Film ist. Alle Angaben beruhen auf Zeitungsberichten zum Film. 

Mittwoch, 22. August 2012

Gescheiterte Adoptionen

Informationen über gescheiterte Adoptionen sind rar. Nur selten sind Betroffene bereit über das Erlebte zu sprechen und Studien zum Thema werden kaum nachgefragt. In den USA machte die Autorin Joyce Maynard im April diesen Jahres ihren Entschluss öffentlich, ihre zwei aus Äthiopien adoptierten Töchter in eine andere Familie abzugeben. Über die Gründe wurde nichts bekannt. Maynard hatte im Alter von 55 Jahren als geschiedene Mutter erwachsener Kinder zwei Mädchen, 6 und 11 Jahre alt, adoptiert. Nach etwas über einem Jahr gab sie sie in eine neue Familie ab. Es sei die schwerste Entscheidung ihres Lebens gewesen, aber manchmal gebe es einfach keine andere Lösung als die Trennung, schrieb sie auf ihrer website. Maynard wurde dafür heftig kritisiert und als Egoistin dargestellt, der es nie um die Kinder sondern immer nur um sich ging.

Ein Artikel in Today Moms  greift die Geschichte von Maynard auf, um über Erfahrungen mit gescheiterten Adoptionen zu berichten. Eine Studie in den USA geht von Abbruchquoten von 6 bis 11 Prozent aus. Je älter das Kind bei der Adoption desto höher ist die Gefahr des Scheitern. Für Kinder älter als 3 Jahre beträgt die Quote zwischen 10 und 10% und für Teenager bis zu 24%.

Ein bestimmter Typ Eltern ist eher bereit eine Adoption abzubrechen. Jüngere und unerfahrenere Eltern sowie Eltern, bei denen beide Partner berufstätig sind, geben schneller auf. Wohlhabende Eltern und besonders gut gebildete Mütter führen auch zu einer größeren Wahrscheinlichkeit, dass die Adoption scheitert. Man vermutet, dass beruflich erfolgreiche Eltern eine geringere Toleranzschwelle für ihre Kinder haben.

Was passiert bei einer gescheiterten Adoption? Wenn das Kind bereits rechtskräftig adoptiert ist, ist es mit einer Abgabe eines leiblichen Kindes gleichzusetzen. Eine Rückkehr in das Heimatland des Kindes ist bei internationalen Adoptionen nicht vorgesehen, obwohl es mehrere Fälle davon gibt - sowohl in Äthiopien als auch in anderen Ländern.

Eine gescheiterte Adoption ist für Eltern und Kind sehr schmerzhaft. Ihr gehen oft Therapien und andere Lösungsversuche voraus. Manche Kinder sind zu traumatisiert, um sich in eine Familie einzugliedern. Manche Eltern sind zu unerfahren, um mit schwierigen Kindern umzugehen. Dennoch trägt das Kind die größere Last. Für das Kind es die zweite große Ablehnung, die es in seinem Leben erfährt. Wir wünschen den Töchtern von Joyce Maynard alles Gute in ihrer neuen Familie.