Ein neuer Suchdienst zum Auffinden von Herkunftsfamilien in Äthiopien ist jetzt online.
Ethiopian Adoption Connection möchte Herkunftsfamilien und ihre adoptierten Kinder im Ausland in Verbindung bringen. Der Suchdienst richtet sich an alle Adoptiv- und Herkunftsfamilien, die entweder nicht selbst suchen können oder deren Suche erfolglos war.
Viele Adoptivfamilien hatten das Glück genügend Informationen über die Herkunftsfamilie ihrer Kinder zu bekommen und sie ihrem Kind mitteilen zu können. Andere können über Suchaufträge mehr über ihre Kinder erfahren. Aber es gibt noch immer Adoptierte und Adoptivfamilien die keine Informationen über die familiären Hintergründe der adoptierten Kinder haben.
Äthiopische Mütter und Väter haben oftmals keine Informationen darüber, wo ihr Kind lebt. Ohne diese Information haben sie keine Chance ihr Kind jemals zu finden. Selbst für Familien, die einige Informationen haben, ist es oft unmöglich einen Kontakt herzustellen. Vermittlungsstellen sind nicht immer hilfsbereit und Suchaufträge sind teuer.
Ethiopian Adoption Connection ist eine Datenbank mit Informationen über adoptierte Kinder. Diese Informationen sind für jedermann im Netz einsehbar. Das erleichtert die Suche; ist zugleich natürlich auch ein Eingriff in die Privatsphäre der Kinder. Für Familien, die mit ihrer Suche nicht weiterkommen, kann der Dienst sehr hilfreich sein.
Wir sind eine Gruppe Eltern, die Kinder aus Äthiopien adoptiert haben. Im Prozess der Adoption wurden wir zunehmend mit ethischen Fragen der Internationalen Adoption konfrontiert, die wir durch Dialog, Aufklärung und Diskussion mit Betroffenen und Interessierten klären wollen. Dieser Blog ist offen für alle, die mit uns über ethische Fragen in Auslandsadoptionen diskutieren wollen. Wir freuen uns über Fragen und Kommentare.
Ethical International Adoptions
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Mittwoch, 26. Februar 2014
Samstag, 18. Januar 2014
Wie geht es leiblichen Müttern nach der Abgabe ihrer Kinder?
Eine Diplomarbeit an der Universität Addis Ababa im Fach Sozialarbeit hat untersucht, wie es äthiopischen Müttern nach der Abgabe ihrer Kinder für eine Auslandsadoption geht. Die Arbeit basiert auf Interviews mit fünf Müttern aus sehr unterschiedlichen sozialen Kontexten. Eine Mutter war Studentin, die ungewollt schwanger wurde und ihren Freund aus religiösen Gründen nicht heiraten konnte. Zwei Mütter waren Witwen und konnten nach dem Tod ihrer Männer nicht mehr für ihre Kinder sorgen. Eine Mutter wurde Opfer einer Vergewaltigung. Persönliche Zwangslagen in Kombination mit Armut waren die Gründe für die Abgabe ihrer Kinder.
Alle Mütter trauern um den Verlust ihrer Kinder. Manche bedauern ihren Schritt sehr, insbesondere weil es ihnen zum Zeitpunkt der Studie wieder gut geht und sie heute für ihre Kinder sorgen könnten. Zwei Mütter stehen weiter zu ihrer Entscheidung, da die Kinder sich positiv entwickeln. Die Frauen berichten von sozialer Ausgrenzung und Selbstzweifel als Mütter.
Wichtige Faktoren für die positive Bearbeitung der Trauer ist nach den Ergebnis der Diplomarbeit
Insbesondere die Frauen, die keine Informationen über den Verbleib ihrer Kinder hatten, machten sich grosse Vorwürfe und litten mehr unter der Abgabe ihrer Kinder. Dies sollte Grund für Adoptivfamilien Grund genug sein, sich aktiv um einen Kontakt zur ersten Familie zu bemühen.
Birth mothers' experience after relinquishment
by Kalkidan Alelign, Addis Ababa University
abstract
Birth mothers in Ethiopia are too often invisible and their experience is left unexplored which prompted the need to carry out this research. Hence, this study aimed at understanding feelings and experiences of birth mothers who relinquished, in Addis Ababa. It used qualitative research method with case study being the strategy of inquiry to achieve this objective. It employed in-depth interview with five purposely selected participants. The findings of the study indicated that the birth mothers are experiencing regret, anger, fear, grief and intrusive thoughts. The finding also revealed that the pain of relinquishment is evoked in cases of events such as holidays and birthdays, and when birth mothers encounter discrimination from the society. The adjustment to the pain is however determined by birth mothers perceived degree of participation in the decision to relinquish, by the available contact with their children or adoptive parents and the social support they get. Participants used different coping strategies which include acceptance, “talking”, helping others, concealing feelings, withdrawing and spirituality. The finding of this research calls the attention of social workers both in providing birth mothers counseling services and advocating for them. The finding also calls for the attention of policy advocacy and further research in the area. Further research could be conducted on the experience of birth mothers who get married and have subsequent children after they have relinquished and also on the fathers.
Alle Mütter trauern um den Verlust ihrer Kinder. Manche bedauern ihren Schritt sehr, insbesondere weil es ihnen zum Zeitpunkt der Studie wieder gut geht und sie heute für ihre Kinder sorgen könnten. Zwei Mütter stehen weiter zu ihrer Entscheidung, da die Kinder sich positiv entwickeln. Die Frauen berichten von sozialer Ausgrenzung und Selbstzweifel als Mütter.
Wichtige Faktoren für die positive Bearbeitung der Trauer ist nach den Ergebnis der Diplomarbeit
- die Kontrolle über die Entscheidung
- der Kontakt zu den Kindern oder Adoptivfamilien
- die soziale Unterstützung, die die Frauen erfahren.
Insbesondere die Frauen, die keine Informationen über den Verbleib ihrer Kinder hatten, machten sich grosse Vorwürfe und litten mehr unter der Abgabe ihrer Kinder. Dies sollte Grund für Adoptivfamilien Grund genug sein, sich aktiv um einen Kontakt zur ersten Familie zu bemühen.
Sonntag, 28. April 2013
Postkolonialismus
Internationalen Adoptionen wird häufig vorgeworfen in den Spuren des Kolonialismus zu wandeln. Früher wurden Afrikaner versklavt, heute werden ihre Kinder auf dem Markt der internationalen Adoption verkauft. Wenn das Kindeswohl nicht im Mittelpunkt steht, verliert die Institution der Internationalen Adoption schnell seine Legitimation.
Allerdings kann das Pendel auch in die andere Richtung ausschlagen. Gegner Internationaler Adoptionen nutzen Skandale, um ihre Positionen weiter zu bringen und führen auf dem Rücken Betroffener ihre Kampagnen durch. So kann man die neue Kampagne von ACT (Against Child Trafficking) auch sehen. Sie nahmen den Film Mercy, Mercy zum Anlass nach Äthiopien zu reisen, um Mashos Eltern zu besuchen und ihnen eine Reise nach Dänemark zu versprechen. Darüber hinaus wollen sie weitere 10 bis 20 äthiopische Mütter nach Dänemark bringen, um im dänischen Parlament über ihre Erfahrungen zu berichten.
Auf der website heißt es:
Man sollte in der Tat Besuche von äthiopischen Verwandten in den Ländern, in denen die Kinder heute leben, begrüßen und aktiv unterstützen. Kontakt zur leiblichen Familie ist der beste Weg Korruption und Lügen im Adoptionsprozess zu verhindern.
Das alles ist eine großartige Idee. Und es wäre wünscheswert, wenn das dänische Sozialministerium und die dänische Vermittlungsstelle sich der Sache annehmen. Und ACT sollte es dem Ministerium vorschlagen. Aber sie sollten es nicht selbst organisieren. ACT ist eine Antiadoptionskampagne. Ihr muss es primär um den Medieneffekt und den politischen Druck gehen, den dies mit sich bringt. Adoptiveltern können sich nicht positiv mit den leiblichen Eltern ihrer Kinder treffen, wenn sie dabei und dadurch auf die mediale Anklagebank gesetzt werden. Es geht daher nicht um die Familienzusammenführung, nicht um die Mütter oder die Kinder. Sondern um Fotos und Berichterstattung. Bei jeder Aktion von ACT ist die Kamera mit dabei. Das kann im Sinne der Kampagne sein; im Sinne der Betroffenen ist es meistens nicht.
Allerdings kann das Pendel auch in die andere Richtung ausschlagen. Gegner Internationaler Adoptionen nutzen Skandale, um ihre Positionen weiter zu bringen und führen auf dem Rücken Betroffener ihre Kampagnen durch. So kann man die neue Kampagne von ACT (Against Child Trafficking) auch sehen. Sie nahmen den Film Mercy, Mercy zum Anlass nach Äthiopien zu reisen, um Mashos Eltern zu besuchen und ihnen eine Reise nach Dänemark zu versprechen. Darüber hinaus wollen sie weitere 10 bis 20 äthiopische Mütter nach Dänemark bringen, um im dänischen Parlament über ihre Erfahrungen zu berichten.
Auf der website heißt es:
ACT has met so many mothers in Ethiopia who lost their children. Their heartbreaking stories are stuck in our minds. Yet, authorities deny wrong doing.
By bringing the Ethiopian mothers to the country that took their children, a strong impact can be made. It may prevent further injustice.
It also might be a beginning of reconnecting these mothers with their lost children.Eine solche Reise wäre in vielen Fällen - nicht nur im Fall Masho - sinnvoll. Es wäre gut und positiv, wenn äthiopische Eltern (warum nur Mütter?) erleben würden, wie ihre Kinder im Ausland leben. Es ist auch positiv, wenn sie im Parlament oder bei der Vermittlungsstelle darüber berichten können, dass sie nicht wussten, dass sie ihre Kinder wahrscheinlich nie mehr wieder sehen würden. Dass viele Unterschriften unter Dokumente gesetzt wurden, die sie nicht verstanden. Das würde die Einstellung von Politik und Vermittlungsstellen zu den Verfahren der Internationalen Adoption nachhaltig verändern.
Man sollte in der Tat Besuche von äthiopischen Verwandten in den Ländern, in denen die Kinder heute leben, begrüßen und aktiv unterstützen. Kontakt zur leiblichen Familie ist der beste Weg Korruption und Lügen im Adoptionsprozess zu verhindern.
Das alles ist eine großartige Idee. Und es wäre wünscheswert, wenn das dänische Sozialministerium und die dänische Vermittlungsstelle sich der Sache annehmen. Und ACT sollte es dem Ministerium vorschlagen. Aber sie sollten es nicht selbst organisieren. ACT ist eine Antiadoptionskampagne. Ihr muss es primär um den Medieneffekt und den politischen Druck gehen, den dies mit sich bringt. Adoptiveltern können sich nicht positiv mit den leiblichen Eltern ihrer Kinder treffen, wenn sie dabei und dadurch auf die mediale Anklagebank gesetzt werden. Es geht daher nicht um die Familienzusammenführung, nicht um die Mütter oder die Kinder. Sondern um Fotos und Berichterstattung. Bei jeder Aktion von ACT ist die Kamera mit dabei. Das kann im Sinne der Kampagne sein; im Sinne der Betroffenen ist es meistens nicht.
Sonntag, 15. April 2012
Die Suche nach der ersten Familie
Immer mehr amerikanische Adoptiveltern äthiopischer Kinder machen sich auf die Suche nach der Herkunftsfamilie ihrer Kinder, weil sie Zweifel an den Angaben der Vermittlungsstellen über Eltern und Verwandte haben. Entweder sind es die Kinder selbst, die darauf bestehen, dass ihre Eltern - anders als in den Unterlagen angegeben - noch leben. Oder die Informationen sind so dürftig, dass die Eltern selbst nach recherchieren wollen. Ein Möglichkeit sich über die Suche zu informieren ist das Yahoo Forum ethiopiabirthfamilysearch@yahoogroups.com. Dort werden Erfahrungen über die Suche nach den Eltern ausgetauscht und vertrauenswürdige Kontaktpersonen weiterempfohlen. Es gibt zudem mittlerweile eine website, auf der die Dienste einer Recherche in Äthiopien angeboten wird. Sie heißt EthioStork. Wir haben persönlich keine Erfahrungen mit dem Suchdienst und können ihn daher nicht empfehlen.
Dass es solche Foren und Anbieter gibt, sollte uns zu denken geben. Die Kommentare auf dem Yahoo Forum zeigen zudem zweierlei: Zum einen sitzt das Misstrauen der Eltern gegebenüber den Vermittlungsstellen tief. Weder werden Hilfestellung geleistet noch sind Vermittlungsstellen an der Wahrheit der Herkunftsgeschichte der Kinder interessiert. Vielmehr gehen Vermittlungsstellen zurecht davon aus, dass eine Suche auf eigene Faust ihre Arbeit infrage stellt und kritisiert. Zweitens berichten Adoptiveltern, die sich auf die Suche begeben haben, von der Verzweiflung vieler Herkunftsfamilien, die sich Sorgen um ihre Kinder machen. Besonders in den Regionen, in denen Heime geschlossen wurden, werden nun keine Entwicklungsberichte mehr an die Verwandten weitergeleitet. Familien sind daher von Informationen über ihre Kinder komplett abgeschnitten. Es gibt keine Infrastruktur und scheinbar keine verantwortlichen Stellen, die sicherstellen, dass Entwicklungsberichte für Herkunftseltern bereit gestellt werden.
Eltern, die sich auf die Reise zur Herkunftsfamilie begeben, machen oftmals wichtige aber auch bedrückende Erfahrungen. Einen Reisebericht einer alleinstehenden Mutter eines äthiopischen Mädchens gibt es hier.
Sie schreibt über die Frage, worauf man sich vorbereiten kann:
"What did I feel most unprepared for? Feeling like a kidnapper as we left Ethiopia because my daughter never really needed to be adopted.
I was oh so very naive when I set out on my journey to become a parent. I knew what pregnancy and childbirth entailed. I knew that it wasn't important to me to experience pregnancy or childbirth. I wanted to be a mom. There were, I thought, millions of children that already existed who needed mothers. Why go to the trouble of creating more children...and it would have been trouble involving doctor visits, ordering sperm online, etc, as I was single...when all I cared about was being a mom and not giving birth.
I thought there were all these children who needed mothers.
I still think there are children who need mothers. Unfortunately, they are rarely the ones who are available for adoption, at least in Ethiopia.
I thought I was adopting an orphan. I was unprepared to be told by my child, "my mom's not dead." I shouldn't have been. When I asked questions about her mother during the process, I was told, "she doesn't seem to be aware of her mother's death." Why didn't I ask more questions? Because I was stupid and naive.
Now I'm just angry and bitter. I'm glad Violet is a forgiving child. She knows her mother didn't have a say in her relinquishment but she accepts the path her life has taken...at least so far. I am less forgiving. I'm angry at the biases that led to Violet's relinquishment and I'm even angrier at the adoption system that allowed it to happen. I'm angry at myself that I took part in it."
Dass es solche Foren und Anbieter gibt, sollte uns zu denken geben. Die Kommentare auf dem Yahoo Forum zeigen zudem zweierlei: Zum einen sitzt das Misstrauen der Eltern gegebenüber den Vermittlungsstellen tief. Weder werden Hilfestellung geleistet noch sind Vermittlungsstellen an der Wahrheit der Herkunftsgeschichte der Kinder interessiert. Vielmehr gehen Vermittlungsstellen zurecht davon aus, dass eine Suche auf eigene Faust ihre Arbeit infrage stellt und kritisiert. Zweitens berichten Adoptiveltern, die sich auf die Suche begeben haben, von der Verzweiflung vieler Herkunftsfamilien, die sich Sorgen um ihre Kinder machen. Besonders in den Regionen, in denen Heime geschlossen wurden, werden nun keine Entwicklungsberichte mehr an die Verwandten weitergeleitet. Familien sind daher von Informationen über ihre Kinder komplett abgeschnitten. Es gibt keine Infrastruktur und scheinbar keine verantwortlichen Stellen, die sicherstellen, dass Entwicklungsberichte für Herkunftseltern bereit gestellt werden.
Eltern, die sich auf die Reise zur Herkunftsfamilie begeben, machen oftmals wichtige aber auch bedrückende Erfahrungen. Einen Reisebericht einer alleinstehenden Mutter eines äthiopischen Mädchens gibt es hier.
Sie schreibt über die Frage, worauf man sich vorbereiten kann:
"What did I feel most unprepared for? Feeling like a kidnapper as we left Ethiopia because my daughter never really needed to be adopted.
I was oh so very naive when I set out on my journey to become a parent. I knew what pregnancy and childbirth entailed. I knew that it wasn't important to me to experience pregnancy or childbirth. I wanted to be a mom. There were, I thought, millions of children that already existed who needed mothers. Why go to the trouble of creating more children...and it would have been trouble involving doctor visits, ordering sperm online, etc, as I was single...when all I cared about was being a mom and not giving birth.
I thought there were all these children who needed mothers.
I still think there are children who need mothers. Unfortunately, they are rarely the ones who are available for adoption, at least in Ethiopia.
I thought I was adopting an orphan. I was unprepared to be told by my child, "my mom's not dead." I shouldn't have been. When I asked questions about her mother during the process, I was told, "she doesn't seem to be aware of her mother's death." Why didn't I ask more questions? Because I was stupid and naive.
Now I'm just angry and bitter. I'm glad Violet is a forgiving child. She knows her mother didn't have a say in her relinquishment but she accepts the path her life has taken...at least so far. I am less forgiving. I'm angry at the biases that led to Violet's relinquishment and I'm even angrier at the adoption system that allowed it to happen. I'm angry at myself that I took part in it."
Freitag, 30. Dezember 2011
Zwei Bücher zum Jahresende
In diesem Jahr sind zwei Bücher von herausragenden Autorinnen erschienen, die beide ihre eigenen Erfahrung mit Adoption auf sehr persönliche Art und Weise verarbeiten. Beide gehören in ihren Heimatländern und darüber hinaus zu Bestsellerautorinnen mit intellektuellem Gewicht; ihre Bücher sind von einer außergewöhnlichen Direktheit und unerschrockenen Ehrlichkeit.

Blue Nights ist das verstörende Buch von Joan Didion, in dessen Zentrum der Tod ihrer Adoptivtochter steht. Er ist eng verwoben mit dem Tod ihres Mannes, der kurz nach der Erkrankung der Tochter an einem Herzinfarkt stirbt. Quintana liegt zu dem Zeitpunkt bereits im Koma. Der Tod ihres Mannes und das Jahr danach ist Thema des Bestsellers und Bühnenerfolgs The Year of Magical Thinking. Blue Nights könnte man als Folgebuch lesen, aber es ist doch eine noch radikalere Abrechnung mit dem Alter, ihrem eigenen Leben und dem Tod. Dass Quintana ihre Adoptivtochter war, spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle. Ihre Ängste und Selbstzweifel, die Art, wie sie ihren Eltern gerecht werden will, sind Themen von adoptierten Kindern. Aber auch ihre eigene Rolle als Adoptivmutter reflektiert Joan Didion auf schmerzhafte Weise. Panisch reagiert sie, als sie sich mit ihrer Familie in der Heimatstadt der leiblichen Mutter aufhält. Zu groß ist die Angst, die erste Mutter könnte ihr Quintana streitig machen. Zu groß ist selbst heute noch der Wunsch, dass die Beziehung zur ersten Familie auch irgendwann beendet sein müsste. Sie müsste es besser wissen, kann aber die andere Elternschaft kaum greifen und schon gar nicht verstehen.

Das Verhältnis von zweiter zu erster Mutter spielt auch eine wesentliche Rolle in dem autobiographischen Roman Why Be Happy If You Could Be Normal von Jeannette Winterson. Jeannette Winterson wurde Anfang der sechziger Jahre im Norden Englands von streng religiösen Eltern der Pfingstgemeinde adoptiert und wuchs in einem lieblosen wie neurotischen Elternhaus auf. Mit sechzehn setzte ihre Adoptivmutter sie vor die Tür, als sie sich als Lesbe zu erkennen gab. In der Situation entstand auch das Zitat, das dem Buch den Titel gab. Bereits in ihrem Erstlingswerk und Bestseller Oranges Are Not The Only Fruit aus dem Jahr 1985 setzte sie sich mit ihrer Adoptivmutter und ihrem Elternhaus harsch auseinander. Ein Vierteljahrhundert später analysiert sie diese Beziehung erneut in einem milderen Licht und konfrontiert sie mit ihrer persönlichen Entwicklung in den nachfolgenden Jahrzehnten. Ihre Adoptivmutter hat sie zwar nach dem Rauswurf nur noch ein einziges Mal gesehen. Allerdings führt eine Lebenskrise mehr als zwanzig Jahre später sie zur Suche ihrer leiblichen Mutter, die sie ambivalent erlebt. Während ihre erste Familie mit Tanten, Stiefgeschwistern und Mutter sie freudig in die Familie aufnimmt, wird ihr selbst wiederum deutlich, wie stark sie von den Kämpfen mit ihrer Adoptivmutter auch in ihrer kreativen Entwicklung geprägt wurde.
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unseres blogs und der webseite ein gutes und erfolgreiches Jahr 2012!

Blue Nights ist das verstörende Buch von Joan Didion, in dessen Zentrum der Tod ihrer Adoptivtochter steht. Er ist eng verwoben mit dem Tod ihres Mannes, der kurz nach der Erkrankung der Tochter an einem Herzinfarkt stirbt. Quintana liegt zu dem Zeitpunkt bereits im Koma. Der Tod ihres Mannes und das Jahr danach ist Thema des Bestsellers und Bühnenerfolgs The Year of Magical Thinking. Blue Nights könnte man als Folgebuch lesen, aber es ist doch eine noch radikalere Abrechnung mit dem Alter, ihrem eigenen Leben und dem Tod. Dass Quintana ihre Adoptivtochter war, spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle. Ihre Ängste und Selbstzweifel, die Art, wie sie ihren Eltern gerecht werden will, sind Themen von adoptierten Kindern. Aber auch ihre eigene Rolle als Adoptivmutter reflektiert Joan Didion auf schmerzhafte Weise. Panisch reagiert sie, als sie sich mit ihrer Familie in der Heimatstadt der leiblichen Mutter aufhält. Zu groß ist die Angst, die erste Mutter könnte ihr Quintana streitig machen. Zu groß ist selbst heute noch der Wunsch, dass die Beziehung zur ersten Familie auch irgendwann beendet sein müsste. Sie müsste es besser wissen, kann aber die andere Elternschaft kaum greifen und schon gar nicht verstehen.

Das Verhältnis von zweiter zu erster Mutter spielt auch eine wesentliche Rolle in dem autobiographischen Roman Why Be Happy If You Could Be Normal von Jeannette Winterson. Jeannette Winterson wurde Anfang der sechziger Jahre im Norden Englands von streng religiösen Eltern der Pfingstgemeinde adoptiert und wuchs in einem lieblosen wie neurotischen Elternhaus auf. Mit sechzehn setzte ihre Adoptivmutter sie vor die Tür, als sie sich als Lesbe zu erkennen gab. In der Situation entstand auch das Zitat, das dem Buch den Titel gab. Bereits in ihrem Erstlingswerk und Bestseller Oranges Are Not The Only Fruit aus dem Jahr 1985 setzte sie sich mit ihrer Adoptivmutter und ihrem Elternhaus harsch auseinander. Ein Vierteljahrhundert später analysiert sie diese Beziehung erneut in einem milderen Licht und konfrontiert sie mit ihrer persönlichen Entwicklung in den nachfolgenden Jahrzehnten. Ihre Adoptivmutter hat sie zwar nach dem Rauswurf nur noch ein einziges Mal gesehen. Allerdings führt eine Lebenskrise mehr als zwanzig Jahre später sie zur Suche ihrer leiblichen Mutter, die sie ambivalent erlebt. Während ihre erste Familie mit Tanten, Stiefgeschwistern und Mutter sie freudig in die Familie aufnimmt, wird ihr selbst wiederum deutlich, wie stark sie von den Kämpfen mit ihrer Adoptivmutter auch in ihrer kreativen Entwicklung geprägt wurde.
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unseres blogs und der webseite ein gutes und erfolgreiches Jahr 2012!
Dienstag, 13. Dezember 2011
Das Paradox von Adoptionen
Adoption ist ein ungewöhnliches Zusammentreffen eines Kinderwunsches eines Paares mit dem Verlassenwerden eines Kindes. Für zwei sehr unterschiedliche Arten von sehr persönlichen Verletzungen wird durch die Adoption im Handumdrehen eine gemeinsame Lösung gefunden. In der Adoption dient das verlassene Kind als Erfüllung des Kinderwunsches. Ob dabei das Kind auf seine Kosten kommt und nicht vielleicht immer nur Ersatz bleibt, ist der Kern vieler kritischer Diskussionen Adoptierter über Adoptionen. Und ob nicht die Erfüllung eines Kinderwunsches an sich bereits selbstsüchtig und unangemessen ist - noch dazu vor dem Hintergrund eines verlassenen Kindes.
Durch das Dickicht der hitzigen Adoptionsdiskussionen und auf den unzähligen blogs zum Thema zieht sich immer wieder die paradoxe und schmerzhafte Feststellung, dass das Leid des Kindes gleichzeitig die Freude der Eltern ist. Adoptiveltern feiern den Adoptionstag - in Amerika als 'gotcha day' - an dem das Kind in die neue Familie kam. Für das Kind ist es jedoch der Tag des endgültigen Verlusts seiner ersten Familie, seiner Herkunft und seiner 'natürlichen' Identität vor der Adoption.
Wie darauf reagieren? Auf einem lesenswerten blogbeitrag einer Therapeutin und Adoptivmutter liest man: "I have come to believe that every simple, clear statement made about the adoption experience, from any perspective, is at worst wrong and at best incomplete." Das ist einfühlsam und unterstreicht die Komplexität von Adoptionen. Adoptiveltern können zu der Zeit des Kindes vor der Adoption sowie zu seiner Beziehung zu seiner leiblichen Familie wenig sagen. Sie kennen sie nicht aus eigener Erfahrung. Sie wissen nicht, ob und wie bereits ein Säugling über den Verlust seiner Mutter trauern kann. Aber sie können die subjektive Erfahrung des Kindes als solche respektieren. Wie die Beziehung sich auch immer im Laufe der Zeit entwickeln wird und welchen Stellenwert die Herkunftsfamilie für das Kind haben wird; Adoptiveltern können und müssen sie als Teil ihres Kind anerkennen und die Trauer des Kindes verstehen und begleiten. Das ist ihre Aufgabe.
Durch das Dickicht der hitzigen Adoptionsdiskussionen und auf den unzähligen blogs zum Thema zieht sich immer wieder die paradoxe und schmerzhafte Feststellung, dass das Leid des Kindes gleichzeitig die Freude der Eltern ist. Adoptiveltern feiern den Adoptionstag - in Amerika als 'gotcha day' - an dem das Kind in die neue Familie kam. Für das Kind ist es jedoch der Tag des endgültigen Verlusts seiner ersten Familie, seiner Herkunft und seiner 'natürlichen' Identität vor der Adoption.
Wie darauf reagieren? Auf einem lesenswerten blogbeitrag einer Therapeutin und Adoptivmutter liest man: "I have come to believe that every simple, clear statement made about the adoption experience, from any perspective, is at worst wrong and at best incomplete." Das ist einfühlsam und unterstreicht die Komplexität von Adoptionen. Adoptiveltern können zu der Zeit des Kindes vor der Adoption sowie zu seiner Beziehung zu seiner leiblichen Familie wenig sagen. Sie kennen sie nicht aus eigener Erfahrung. Sie wissen nicht, ob und wie bereits ein Säugling über den Verlust seiner Mutter trauern kann. Aber sie können die subjektive Erfahrung des Kindes als solche respektieren. Wie die Beziehung sich auch immer im Laufe der Zeit entwickeln wird und welchen Stellenwert die Herkunftsfamilie für das Kind haben wird; Adoptiveltern können und müssen sie als Teil ihres Kind anerkennen und die Trauer des Kindes verstehen und begleiten. Das ist ihre Aufgabe.
Dienstag, 11. Oktober 2011
Ich bin kein verlorenes Kind - Dokumentation des WDR vom 6.10.2011
Der WDR hat am 6.10. eine sehenswerte Dokumentation ausgestrahlt, die auch als podcast auf der Webseite zu finden ist.
Louisa ist als Kleinkind aus Kiew adoptiert worden und wächst mit drei Brüdern in einer Berliner Familie auf. Louisas leibliche Eltern kommen aus Madagaskar. Die Eltern haben in der Ukraine und Usbekistan in den frühen 1990er Jahren studiert und sich dort kennengelernt. Die Beziehung ging aufgrund der räumlichen Trennung schnell in die Brüche. Die Mutter hat dem Vater nichts von dem Kind gesagt und Louisa unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Bei der Freigabe hat sie angegeben, dass der Vater verstorben sei.
Auf Louisas Initiative konnten beide Eltern in Madagaskar gefunden werden. Der Vater ist Professor und ihre Mutter arbeitet an einem Gymnasium als Lehrerin. Das Fernsehen begleitet Louisa mit ihrer Berliner Adoptivfamilie in das Land ihrer afrikanischen Eltern und Großeltern. Es gibt ein ergreifendes Willkommen durch die Großmutter väterlicherseits, während die Eltern nur schwer den Kontakt zu ihrem Kind finden.
Louisa ist als Kleinkind aus Kiew adoptiert worden und wächst mit drei Brüdern in einer Berliner Familie auf. Louisas leibliche Eltern kommen aus Madagaskar. Die Eltern haben in der Ukraine und Usbekistan in den frühen 1990er Jahren studiert und sich dort kennengelernt. Die Beziehung ging aufgrund der räumlichen Trennung schnell in die Brüche. Die Mutter hat dem Vater nichts von dem Kind gesagt und Louisa unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Bei der Freigabe hat sie angegeben, dass der Vater verstorben sei.
Auf Louisas Initiative konnten beide Eltern in Madagaskar gefunden werden. Der Vater ist Professor und ihre Mutter arbeitet an einem Gymnasium als Lehrerin. Das Fernsehen begleitet Louisa mit ihrer Berliner Adoptivfamilie in das Land ihrer afrikanischen Eltern und Großeltern. Es gibt ein ergreifendes Willkommen durch die Großmutter väterlicherseits, während die Eltern nur schwer den Kontakt zu ihrem Kind finden.
Mittwoch, 5. Oktober 2011
Ethik und Ethik
Es gibt zwei sehr unterschiedliche Ethikdiskurse über Adoptionen. Der erste thematisiert die Bedingungen unter denen Adoptionen stattfinden sollen. Er definiert die Voraussetzungen für Adoptionen:
Die zweite Diskussion, die auch unter dem Titel der Ethik in Adoptionen geführt wird, dreht sich um das Verhältnis von erster und zweiter Familie und der Beziehung zum Kind. Sie wird in erster Linie von erwachsenen Adoptierten und ersten Müttern geführt, die die Sprache und Haltung von solchen Adoptiveltern heftig kritisieren, die Adoption als "Rettung von Kindern", als "Recht kinderloser Paare" oder als "Gottes Auftrag" darstellen. Dahinter verbirgt sich Respektlosigkeit und mangelndes Einfühlungsvermögen für die Situation der Kinder und Eltern, die voneinander getrennt wurden.
Diese Diskussion ist fast unmöglich zu führen, da sie von tiefen Kränkungen genährt und angetrieben wird. Sie ist polarisiert und fast ausschliesslich mit Schuldzuweisungen besetzt. Aus der Perspektive von Adoptiveltern kann man kaum darauf reagieren, da die für diese Fragen sensibilisierten Adoptiveltern nicht der Gegenstand der Kritik sind. Es gibt auch keine Lösung - außer Adoptiveltern entschuldigen sich stellvertretend für diejenigen, an deren Adresse die Kritik gerichtet ist. Damit ist jedoch auch niemandem wirklich geholfen, da sich die Einstellung der Anderen nicht ändert.
Die Vermischung beider Diskurse macht eine vernünftige Diskussion sehr schwierig. Oftmals befeuern gekränkte/traumatisierte Adoptierte einen Antiadoptionsdiskurs, der alles verteufelt, was eine Adoption rechtfertigen könnte. Das ist ihr gutes Recht, bringt aber die Debatte nicht weiter. Es geht daher in der Diskussion darum, Emotionen von Argumenten zu trennen; so schwer das den Einzelnen fallen mag. Nur dann kommen wir Lösungen näher.
- Notwendigkeit (kein Kind soll ohne Not von seinen Eltern getrennt werden),
- Wahrhaftigkeit (jedes Kind hat Anspruch auf die Wahrheit seiner Abstammung) und
- Legalität (das Verfahren der Adoption muss legal und ohne Zwang und Korruption vollzogen werden).
Die zweite Diskussion, die auch unter dem Titel der Ethik in Adoptionen geführt wird, dreht sich um das Verhältnis von erster und zweiter Familie und der Beziehung zum Kind. Sie wird in erster Linie von erwachsenen Adoptierten und ersten Müttern geführt, die die Sprache und Haltung von solchen Adoptiveltern heftig kritisieren, die Adoption als "Rettung von Kindern", als "Recht kinderloser Paare" oder als "Gottes Auftrag" darstellen. Dahinter verbirgt sich Respektlosigkeit und mangelndes Einfühlungsvermögen für die Situation der Kinder und Eltern, die voneinander getrennt wurden.
Diese Diskussion ist fast unmöglich zu führen, da sie von tiefen Kränkungen genährt und angetrieben wird. Sie ist polarisiert und fast ausschliesslich mit Schuldzuweisungen besetzt. Aus der Perspektive von Adoptiveltern kann man kaum darauf reagieren, da die für diese Fragen sensibilisierten Adoptiveltern nicht der Gegenstand der Kritik sind. Es gibt auch keine Lösung - außer Adoptiveltern entschuldigen sich stellvertretend für diejenigen, an deren Adresse die Kritik gerichtet ist. Damit ist jedoch auch niemandem wirklich geholfen, da sich die Einstellung der Anderen nicht ändert.
Die Vermischung beider Diskurse macht eine vernünftige Diskussion sehr schwierig. Oftmals befeuern gekränkte/traumatisierte Adoptierte einen Antiadoptionsdiskurs, der alles verteufelt, was eine Adoption rechtfertigen könnte. Das ist ihr gutes Recht, bringt aber die Debatte nicht weiter. Es geht daher in der Diskussion darum, Emotionen von Argumenten zu trennen; so schwer das den Einzelnen fallen mag. Nur dann kommen wir Lösungen näher.
Samstag, 25. Juni 2011
Die Betreuung der Herkunftsfamilie
Darf die Vermittlungsstelle mit der abgebenden Familie Kontakt aufnehmen? Zurzeit halten sich die Vermittlungsstellen in dieser Frage sehr zurück. Zu groß ist die Befürchtung, dass ihnen unterstellt werden könnte, Familien in Richtung einer Abgabe ihrer Kinder zu beraten. Die Erfahrungen mit den Skandalen über sogenannte Child Finder, die von Vermittlungsstellen in äthiopische Dörfer geschickt wurden, um adoptierbare Kinder zu akquirieren, sitzen zu tief.
Die Zurückhaltung der Vermittlungsstellen führt dazu, dass sie die Adoptiveltern noch nicht einmal in Richtung einer Zusammenkunft mit den abgebenden Eltern beraten, weil sie hierdurch einen Interessenkonflikt befürchten. Das hat zur Folge, dass die Adoptiveltern selber entscheiden müssen, ob sie eine Begegnung mit den abgebenden Eltern wollen, bzw. ob sie vorbereitet in dieses Gespräch gehen wollen. Eine Beratung findet nur auf Initiative der Adoptiveltern hin statt. Die abgebenden Mütter dürfen aus den gleichen Gründen nicht von der Vermittlungsstelle betreut werden. Das hat zur Konsequenz hat, dass sie an diesem für sie sicher sehr emotionalen Tag vollkommen alleine dastehen, da der äthiopische Staat ihnen keine Sozialarbeiter oder ähnliches zur Seite stellt.
Die Zurückhaltung der Vermittlungsstellen führt dazu, dass sie die Adoptiveltern noch nicht einmal in Richtung einer Zusammenkunft mit den abgebenden Eltern beraten, weil sie hierdurch einen Interessenkonflikt befürchten. Das hat zur Folge, dass die Adoptiveltern selber entscheiden müssen, ob sie eine Begegnung mit den abgebenden Eltern wollen, bzw. ob sie vorbereitet in dieses Gespräch gehen wollen. Eine Beratung findet nur auf Initiative der Adoptiveltern hin statt. Die abgebenden Mütter dürfen aus den gleichen Gründen nicht von der Vermittlungsstelle betreut werden. Das hat zur Konsequenz hat, dass sie an diesem für sie sicher sehr emotionalen Tag vollkommen alleine dastehen, da der äthiopische Staat ihnen keine Sozialarbeiter oder ähnliches zur Seite stellt.
Wenn - wie an dieser Stelle mehrfach betont - ein Kontakt zwischen der abgebenden und aufnehmenden Familie zentraler Bestandteil für die Identität des Kindes ist, dann muss die Kontaktaufnahme auf beiden Seiten betreut und moderiert werden. Idealerweise sollten die äthiopischen Behörden die abgebenden Familien durch Sozialarbeiter betreuen. Wenn auf Seiten der äthiopischen Behörden keine Hilfestellung erfolgt, dann sollte die Vermittlungsstelle diese Aufgabe übernehmen. Die Reduzierung der Vermittlungszahlen gibt den Vermittlungsstellen die Chance, die Qualität der Vermittlungsverfahren für alle Beteiligten zu verbesseren und mögliche Traumata zu verhindern. Die Vermittlungsstellen sollten diesen Schritt in ihre Vermittlungsverfahren integrieren und offen gegen Kritik verteidigen.
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