Masho ist das Mädchen, dessen Adoption mit ihrem jüngeren Bruder nach Dänemark in dem Film 'Mercy, Mercy' gezeigt wird. Die Adoption ist von Beginn an fragwürdig, da beide Eltern leben und auch völlig gesund sind. Die leiblichen Eltern verstehen nicht, was Adoption bedeutet und glauben, sie bleiben mit den Kindern in Kontakt. In Dänemark angekommen zeigt der Film eine dramatische Entwicklung bis zum Zusammenbruch der neuen Adoptivfamilie. Die Adoptiveltern traktieren das Mädchen mit lieblosen Erziehungsmaßnahmen, gegen die es sich mit seinen Mitteln wehrt. Schon im Film wird gezeigt, wie die Eltern sich von dem Kind trennen. Es lebt seitdem in einem Kinderheim in Dänemark.
Jetzt hat ein äthiopisches Gericht die Adoption von Masho auf Antrag der leiblichen Eltern annulliert. Welche Auswirkungen die Entscheidung für Masho in Dänemark hat, ist nicht ersichtlich. Die dänischen Behörden haben auch aufgrund des Films Auslandsadoptionen aus Äthiopien eingestellt.
Ein Bericht der Organisation Against Child Trafficking, die die Eltern bei dem Prozess unterstützten, findet man hier.
Wir sind eine Gruppe Eltern, die Kinder aus Äthiopien adoptiert haben. Im Prozess der Adoption wurden wir zunehmend mit ethischen Fragen der Internationalen Adoption konfrontiert, die wir durch Dialog, Aufklärung und Diskussion mit Betroffenen und Interessierten klären wollen. Dieser Blog ist offen für alle, die mit uns über ethische Fragen in Auslandsadoptionen diskutieren wollen. Wir freuen uns über Fragen und Kommentare.
Ethical International Adoptions
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Samstag, 9. April 2016
Donnerstag, 30. Mai 2013
Aus erster Hand: Barmherzigkeit - eine Herzensangelegenheit
Nachdem ich den Film Mercy Mercy gesehen habe und mich auf die Suche nach meiner inneren Haltung
begeben habe, stelle ich fest, dass ich nicht das Adoptionsthema schwierig finde
(das kann in der Tat hier wie dort klappen oder schief gehen), sondern irritiert
über die Haltung der Filmemacherin bin, die der Verwertung des Materials Vorrang
gibt, das Reality TV interessierte Publikum bedient, und für mich am
wesentlichsten: die realen Personen leiden lässt und dabei beobachtet. Die im
Film gezeigten, betroffenen Menschen - insbesondere die beiden Kinder - leben ja
tatsächlich in ihrem Leben weiter.
Wenn unterstellt wird, dass der Film andere schützen soll, vor was und wie?
Davor, dass Menschen nicht auf ihr Herz hören? Dann ist der Film gut. Denn das
wird dokumentiert.
Was wird im Film gezeigt? Eine äthiopische Mutter, die vermutet, dass sie
auf Grund einer lebensbedrohlichen Erkrankung nicht mehr lange lebt, gibt zwei
ihrer Kinder zur Adoption frei. Sie lebt dank guter medikamentöser Behandlung
länger als befürchtet und erwartet und bereut ihren Schritt. Zusätzlich war für
sie nicht transparent, was Adoption bedeutet, da es in Äthiopien kein Wort dafür
gibt. Eine Adoptionsagentur vermittelt die Geschwisterkinder nach Dänemark. Die
Adoptiveltern fühlen sich überfordert von der (über die Entwurzelung)
unglücklichen und abweisenden fünfjährigen Tochter. Sie werden von Therapeuten
schlecht beraten, hören auf die schlechten Ratschläge, obwohl die Adoptivmutter
fühlt, dass sie gegen ihre Natur handelt. Das Mädchen bleibt unverstanden und
extrem unglücklich- über den Bruder erfahren wir nicht viel- was droht ihm, wenn
auch er sein Unglück zeigt, oder ist er gar nicht traurig? Die leiblichen Eltern
in Äthiopien fühlen sich belogen und sind zutiefst verletzt. Der Prozess geht
über fünf Jahre in denen zwei Familien zu Opfern werden, obwohl die ganze Zeit
interveniert werden kann, die Kamera aber "nur" dokumentiert. Wir sehen Bilder
des weinenden Mädchens und der versteinerten Mutter, die ich zumindest kaum
ertragen kann. Der Reflex von unbeteiligten und uninformierten Zuschauern MUSS
sein: Adoption ist des Teufels. Hartherzige Adoptiveltern, unfähige Therapeuten,
skrupellose Adoptionsvermittler und belogene, trauernde leibliche Eltern,
weinende Kinder, die am Ende immer noch unglücklich sind und im Kinderheim
landen.
Im Interview mit der Regisseurin erfahren wir, dass die leibliche Mutter
ihre Tochter nicht zurück haben möchte, die Adoptiveltern das Mädchen nicht in
ihre Ursprungsheimat ziehen lassen wollen. Und mit diesem Film muß die Tochter
nun leben.
Die Regisseurin ist in mehrere Loyalitätskonflikte geraten. Mache ich
meinen Film weiter und zeige welch dramatische Entwicklung die Adoption nimmt
oder interveniere ich? Schütze ich die Adoptiveltern und ihre Rechte oder die
leiblichen Eltern? Engagiere ich mich und spreche mit der Adoptionsagentur oder
misstraue ich denen sowieso? Hat sie genügend Kenntnis oder ist das ein
Reflex?
Die Belohnung für ihre Arbeit am Film ist die Nominierung für einen
Dokumentarfilmpreis und die Aufmerksamkeit der Medien.
Was mich so traurig und ärgerlich macht, ist, dass wir Zuschauer Zeuge
eines großen Unglücks werden, dass sich vor unseren Augen entrollt und aktuell
ja immer noch fortwährt, während dessen wir schon wieder anderen Themen
nachgehen. Das Leben des Mädchens und ihres Bruders geht aber weiter- ihnen
bleibt ein Leben als mehrfach verlassene und unverstandene Kinder. Die Bilder
bleiben und der Basso continuo dröhnt: Adoption ist Kinderhandel von der armen
Welt in die reiche Welt, gelenkt von den Interessen hartherziger, kinderloser
Langnasen, die arme, kranke Menschen in Drittweltländern ausbeuten.
Meine Lebenserfahrung und mein Wissen stehen dem entgegen.
Mittwoch, 27. Februar 2013
Interesse an einer Adoption aus Äthiopien?
Für alle, die eine Adoption aus Äthiopien erwägen, gehört der Film Mercy, Mercy zum Pflichtprogramm. Kein Adoptionsbewerber sollte sich auf die Reise nach Äthiopien machen, ohne ihn bewusst gesehen und die Implikationen verstanden zu haben. Niemand sollte glauben, dass die dort gezeigten Denk- und Handlungsweisen Ausnahmen sind. Sie sind es nicht; weder auf der äthiopischen noch auf der westlichen Seite.
Es gibt in jetzt auf You Tube mit englischen Untertiteln zu sehen.
Es gibt in jetzt auf You Tube mit englischen Untertiteln zu sehen.
Samstag, 8. Dezember 2012
Interview mit Katrine Rijs Kjaer über Mercy, Mercy
Auf youtube findet sich nun auch ein Interview mit der Filmemacherin Katrine Rijs Kjaer über Mercy, Mercy. Herzzerreissend und erschütternd.
Donnerstag, 29. November 2012
Mercy, Mercy
Im dänischen Fernsehen wurde dieser Tage ein ungewöhnlicher Dokumentarfilm über eine gescheiterte Adoption aus Äthiopien ausgestrahlt, der im Land eine hitzige Diskussion entfachte. Mittlerweile haben die Adoptiveltern Polizeischutz beantragt.
"Mercy Mercy" erzählt eine wahre Geschichte einer Adoption von beiden Seiten, der äthiopischen und der dänischen Familie. Die Filmemacherin folgt den Familien über mehr als drei Jahre und stellt fest, dass für beiden Seiten die Adoption scheitert. Die leiblichen Eltern in Äthiopien sind mit dem HIV Virus infiziert und beschließen ihre Kinder abzugeben. Sie leiden in den folgenden Jahren unter ihrer Entscheidung, teils weil es ihnen gesundheitlich ganz gut geht, teils weil sie keine Nachrichten von ihren Kindern erhalten. Die dänischen Adoptiveltern sind mit dem älteren Mädchen überfordert und geben es in ein Heim. Die Ironie der Geschichte ist, dass das adoptierte Kind viel unnötiges Leid erleben musste und letztlich ein Schicksal erfuhr, vor dem es seine leiblichen Eltern bewahren wollten. Der Filmemacherin geht es darum zu zeigen, dass ein Teil der Adoptionsindustrie kommerzielle Interessen über menschliche Bedürfnisse stellt und unschuldige Kinder Opfer eines absurden Marktmechanismus werden.
Wenn man den bislang spärlichen Berichten über den Film folgt, dann sind die Kinder unmittelbar aus der leiblichen Familie in die Adoption überführt worden. Warum sie zu dem Zeitpunkt adoptionsbedürftig waren, dürfte heftig umstritten sein. Tatsache ist, dass viele äthiopische Adoptivkinder Halbwaisen sind und zumindest ein Elternteil haben, bei dem sie aufwachsen könnten. Den Eltern fehlt es in der Regel an Unterstützung. Eine Aidsinfizierung ist schon lange kein Todesurteil mehr und das Auseinanderreißen einer intakten Familie aufgrund einer Diagnose ist der eigentliche Skandal.
Der Skandal in Dänemark basiert jedoch auf dem Scheitern der Adoptivfamilie. Die Adoptiveltern kommen mit dem älteren Mädchen nicht zurecht. In einem Filmausschnitt sieht man, wie das weinende Mädchen sich an die Adoptivmutter schmiegt, die ihm mit versteinerten Gesicht die Tränen trocknet. Nach einem Zeitungsbericht bereuen die Eltern die Film nicht, weil sie so anderen Familien helfen würden. Sie fühlten sich mit ihren Problemen alleine gelassen.
Die Wut der dänischen Bevölkerung auf die Eltern ist nachvollziehbar. Erst adoptieren sie zwei Kinder aus einem fernen Land, die nicht wirklich eine neue Familie brauchten. Dann stellen sie sich auf die Traumatisierung ihres Kindes nicht ein sondern geben nach ein paar Jahren auf. Mit der zweiten Traumatisierung des älteren Kindes geht ein weiterer Schock für das jüngere Kind einher, das seine Schwester verliert. Und dann breiten sie das Ganze noch vor einer Kamera aus. Auch wenn die Abgabe des Kindes in bestimmten Konstellationen die einzige und damit beste Alternative sein kann, ist es mehr als naiv für die Veröffentlichung ihrer Geschichte Verständnis zu erwarten. Wie kann eine Familie im Überlebenskampf noch Zeit oder Energie für ein Kamerateam aufbringen?
Der Film kann potenziell eine wichtige Rolle in der Diskussion über die Probleme Internationaler Adoption spielen. Er legt den Finger gleich in mehrere Wunden: in die fehlende und mangelhafte Prüfung der Adoptionsbedürftigkeit vieler Kinder, in die Verharmlosung von Traumatisierung verlassener und abgegebener Kinder und die falschen Vorstellungen zukünftiger Adoptiveltern über ihre neue Familie. Ein mutiges Thema und ein potenziell wichtiger Film.*
* Ich habe den Film selbst nicht gesehen und kann daher nicht beurteilen, ob es auch ein guter Film ist. Alle Angaben beruhen auf Zeitungsberichten zum Film.
"Mercy Mercy" erzählt eine wahre Geschichte einer Adoption von beiden Seiten, der äthiopischen und der dänischen Familie. Die Filmemacherin folgt den Familien über mehr als drei Jahre und stellt fest, dass für beiden Seiten die Adoption scheitert. Die leiblichen Eltern in Äthiopien sind mit dem HIV Virus infiziert und beschließen ihre Kinder abzugeben. Sie leiden in den folgenden Jahren unter ihrer Entscheidung, teils weil es ihnen gesundheitlich ganz gut geht, teils weil sie keine Nachrichten von ihren Kindern erhalten. Die dänischen Adoptiveltern sind mit dem älteren Mädchen überfordert und geben es in ein Heim. Die Ironie der Geschichte ist, dass das adoptierte Kind viel unnötiges Leid erleben musste und letztlich ein Schicksal erfuhr, vor dem es seine leiblichen Eltern bewahren wollten. Der Filmemacherin geht es darum zu zeigen, dass ein Teil der Adoptionsindustrie kommerzielle Interessen über menschliche Bedürfnisse stellt und unschuldige Kinder Opfer eines absurden Marktmechanismus werden.
Wenn man den bislang spärlichen Berichten über den Film folgt, dann sind die Kinder unmittelbar aus der leiblichen Familie in die Adoption überführt worden. Warum sie zu dem Zeitpunkt adoptionsbedürftig waren, dürfte heftig umstritten sein. Tatsache ist, dass viele äthiopische Adoptivkinder Halbwaisen sind und zumindest ein Elternteil haben, bei dem sie aufwachsen könnten. Den Eltern fehlt es in der Regel an Unterstützung. Eine Aidsinfizierung ist schon lange kein Todesurteil mehr und das Auseinanderreißen einer intakten Familie aufgrund einer Diagnose ist der eigentliche Skandal.
Der Skandal in Dänemark basiert jedoch auf dem Scheitern der Adoptivfamilie. Die Adoptiveltern kommen mit dem älteren Mädchen nicht zurecht. In einem Filmausschnitt sieht man, wie das weinende Mädchen sich an die Adoptivmutter schmiegt, die ihm mit versteinerten Gesicht die Tränen trocknet. Nach einem Zeitungsbericht bereuen die Eltern die Film nicht, weil sie so anderen Familien helfen würden. Sie fühlten sich mit ihren Problemen alleine gelassen.
Die Wut der dänischen Bevölkerung auf die Eltern ist nachvollziehbar. Erst adoptieren sie zwei Kinder aus einem fernen Land, die nicht wirklich eine neue Familie brauchten. Dann stellen sie sich auf die Traumatisierung ihres Kindes nicht ein sondern geben nach ein paar Jahren auf. Mit der zweiten Traumatisierung des älteren Kindes geht ein weiterer Schock für das jüngere Kind einher, das seine Schwester verliert. Und dann breiten sie das Ganze noch vor einer Kamera aus. Auch wenn die Abgabe des Kindes in bestimmten Konstellationen die einzige und damit beste Alternative sein kann, ist es mehr als naiv für die Veröffentlichung ihrer Geschichte Verständnis zu erwarten. Wie kann eine Familie im Überlebenskampf noch Zeit oder Energie für ein Kamerateam aufbringen?
Der Film kann potenziell eine wichtige Rolle in der Diskussion über die Probleme Internationaler Adoption spielen. Er legt den Finger gleich in mehrere Wunden: in die fehlende und mangelhafte Prüfung der Adoptionsbedürftigkeit vieler Kinder, in die Verharmlosung von Traumatisierung verlassener und abgegebener Kinder und die falschen Vorstellungen zukünftiger Adoptiveltern über ihre neue Familie. Ein mutiges Thema und ein potenziell wichtiger Film.*
* Ich habe den Film selbst nicht gesehen und kann daher nicht beurteilen, ob es auch ein guter Film ist. Alle Angaben beruhen auf Zeitungsberichten zum Film.
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