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Donnerstag, 6. Oktober 2011

Als Dolly Parton meine Mutter war

Liebe Kinofans, Internet-Nutzerinnen und Nutzer,

in der kommenden Ausgabe der PFAD Fachzeitschrift wird ein neuer amerikanischer Spielfilm (nicht Hollywood!) besprochen, der in Deutschland bisher nur auf dem LUCAS Kinderfilmfestival in Frankfurt/Main und auf dem Hamburger Filmfestival gezeigt wurde und dort viel Anklang fand.
Er heißt: "Als Dolly Parton meine Mutter war" - im Originial: "The Year Dolly Parton was my Mom", die Autorin heißt Tara Johns. Der Film ist für Erwachsene schon wegen der Gesprächsimpulse, die er enthält, bereichernd, und ist für Kinder ab 8 Jahren geeignet, weil er sich auf witzige, aber nicht oberflächliche Weise mit der Problematik der nicht offenen Adoption, der Wurzelsuche und der Kinderfantasie, eigentlich von viel besseren Eltern abzustammen, beschäftigt.

Hier kann man etwas Information bekommen:
http://www.lucas-filmfestival.de/2011/07/als-dolly-parton-meine-mutter-war/
http://www.lucas-filmfestival.de/2011/09/exklusiv-tara-johns-im-gespraech/

Die Autorin versucht nun, den Film international in die Kinos zu bekommen, hat aber wohl ein sehr schmales Budget für Werbung. Sie bittet alle Interessierten, über ihren Blog den Film für die eigene Heimatstadt oder nächste Großstadt anzufordern. Wenn sie genügend Interessenten nachweisen kann, wird es eher möglich sein, auch deutsche Kinoveranstalter davon zu überzeugen.


"The one very proactive thing you could do - is "demand it". There is a link on my blog site (http://www.theyeardollypartonwasmymom.blogspot.com/) where you - and as many of your friends and adoptee association members as possible - can click on the Demand It button and if enough people request it in your city and region, we may get a distributor!"

Also auf den Link klicken und ein Stückchen runterscrollen - auf der rechten Seite in dem rosa Streifen ist ein gelber Link mit Aufschrift: Demand it! Dort geht es los. Ich habe nur das Nötigste ausgefüllt und anderes mit "Skip" übersprungen.

Liebe Kinofans, wenn Sie Zeit finden und "den Nerv" für so etwas haben, bitte mitmachen und diese Mail weiterleiten!

Donnerstag, 9. Juni 2011

Offene Internationale Adoption


Während in Deutschland die offene Adoption mittlerweile informell zum Standard geworden ist, ist dies in der Auslandsadoption noch längst nicht angekommen. Warum eigentlich? Stellt man das Kindeswohl in den Mittelpunkt, dann ist auch für international adoptierte Kinder der Umgang mit der ersten Familie ein wertvoller, wenn nicht notwendiger Bestandteil ihrer Identität als Deutsche mit nichtdeutschen Wurzeln. 

Die derzeitige Praxis verhindert bislang weitgehend einen Kontakt zur leiblichen Familie. Lediglich eine Verabschiedung der Familie vom Kind wird bisweilen ermöglicht. Aber selbst das ist nicht Teil des Pflichtprogramms, wenn Kinder abgeholt werden, deren Familie bekannt ist. Adoptiveltern werden vielmehr verunsichert mit dem Hinweis, die Familie könne Geld erwarten oder sogar verlangen, oder den Kindern würde der Auftrag mitgegeben, im reichen Deutschland für sie zu sorgen. Dem gehe man besser aus dem Weg, wenn man der Familie erst gar nicht gegenübertrete. Der Schnitt mit der Herkunftsfamilie wird dann später zu kompensieren versucht, indem man mit den älteren Kindern nochmals ins Land reist und z.B. das Waisenhaus besucht. Dann ist es jedoch meist zu spät, mit der Herkunftsfamilie Kontakt aufzunehmen: Viele Kontakte sind verschüttet, in der Familie hat sich viel ereignet, Großeltern versterben, ohne dass die Kinder sie kennengelernt haben, und Kinder werden geboren. Dörfer werden verlassen und Familien auseinandergerissen. 

Es spricht viel dafür die Praxis zu ändern. Die Arbeit mit der abgebenden Familie sollte, soweit sie bekannt ist, einen erheblich größeren Stellenwert in der Adoptionsvermittlung bekommen. Die sorgfältige Dokumentation der Herkunft trägt nämlich dazu bei, Korruption und Kinderhandel zu unterbinden, wie hier schon mehrfach ausgeführt wurde. Darüber hinaus vereinfacht ein dauerhafter Kontakt den Umgang mit Identitätsfragen des Kindes. Dieser Kontakt kann im regelmäßigen Austausch von Berichten und Fotos bestehen – und sei es nur eine Karte zu Weihnachten und an Geburtstagen. Eine Wurzel“suche“ wird weitgehend überflüssig, wenn die Wurzeln schon immer bekannt sind. Bohrende Fragen über die Gründe der Adoption können einfacher gestellt und auch beantwortet werden, wenn die Adressaten greifbar sind.

Bis jetzt gibt es kaum Strukturen dafür. Darum müssen Adoptiveltern selbst tätig werden. Der erste Schritt in Richtung offene Adoption wird bei der Abholung des Kindes getan. Wenn die Vermittlungsstelle unwillig ist, ein Treffen zu organisieren, sollte man ein wenig hartnäckig werden und nur gute Gründe (z.B. Gewalt und Missbrauch in der Familie) akzeptieren.

Das Treffen mit der Herkunftsfamilie sollte gut vorbereitet sein. Wenn es möglich ist, sollte es in zwei separaten Teilen stattfinden. Zum einen geht es um das Kennenlernen und die  Verabschiedung des Kindes. Es ist dabei durchaus angemessen, kleine (keine teuren, aber dafür aufmerksame) Geschenke zu überreichen. Die Familie kann dem Kind seinen Segen mit auf dem Weg geben und damit den Start in die neue Familie erleichtern. Die Adoptiveltern bekommen einen Eindruck über den Umgang in der Familie und lernen dabei viel über ihr Kind. Das Kind erfährt, dass ihre leibliche Familie ihren neuen Eltern Vertrauen schenkt.

In einem separaten Teil sollte man in einer ruhigen Atmosphäre und in Abwesenheit des Kindes  dessen Familiengeschichte mit Namen, Alter und Wohnort, sowie die Verwandtschaftsbeziehungen und Krankheiten in der Familie ausführlich dokumentieren. So können z.B. Ungereimtheiten im Sozialbericht ausgeräumt werden. Umgekehrt sollte man auch die eigene Familiengeschichte einschließlich Adresse und Telefonnummer an die abgebende Familie weitergeben.

Was tun, wenn das Kind verlassen aufgefunden oder ausgesetzt wurde? Hier steht die Suche nach der Herkunftsfamilie im Vordergrund. Sie ist erheblich schwieriger jedoch nicht unmöglich. Ein Besuch des Fundorts ist wichtig - zur Dokumentation für das Kind, aber auch, um dort selbst Fragen zu stellen. Man kann Visitenkarten hinterlassen und zur Not noch jemanden beauftragen, nach Hinweisen zur Herkunft des Kindes zu suchen. Dies ist in Ländern wie Äthiopien nicht immer ganz einfach. Tipps für eine solche Suche am Beispiel Chinas gibt es hier. 

Langfristig ist auch in der internationalen Adoption die offene Adoption der einzig ethisch korrekte Weg. Wenn Kinder die Familie wechseln, haben sie einfach zwei Familien. Das gilt es zu akzeptieren und den Umgang damit zu lernen.