Sind nur Vollwaisen vollwertige Waisen? Ist darum die Adoption von Halbwaisen und ‚Sozialwaisen’ gleich per se verdächtig? Manche Kommentare hier gehen in diese Richtung – und damit an einer schmerzlichen Realität vorbei.
Neugeborene Kinder, die – oft unter lebensgefährlichen Umständen – auf der Straße ausgesetzt gefunden werden, haben wahrscheinlich noch Mutter und vielleicht auch Vater, sind also begrifflich keine Vollwaisen, sondern verlassene Kinder. Diese Aussetzungen kommen häufiger vor, als manche wohl wahrhaben wollen. Und weil die Aussetzungen das Kind anonymisieren, kann ihnen auch das Umfeld von Verwandten und Nachbarn nicht mehr helfen – es ist ausgelöscht.
Äthiopien hat erst vor relativ kurzer Zeit die Adoptionsfreigabe zugelassen – auch um die Zahl der Säuglinsaussetzungen zu verringern. Man kann getrost davon ausgehen, dass die Verbreitung dieser Fälle dort wohlbekannt ist.
Ähnliches gilt für die ‚Sozialwaisen’ – oder wie auch immer man sie bezeichnen möchte. Bei Sozialwaisen – das sagt schon der Begriff – ist das soziale Umfeld zerstört und nicht mehr in der Lage, dem Kind Halt zu geben. Diese Kinder sind häufig schwerer traumatisiert als jene, die den (erwiesenen) Tod ihrer Eltern zu verkraften haben; sie empfinden das Verlassenwerden oft lebenslang als persönliche Demütigung und sind in besonderem Maß auf stabile und verlässliche Lebensverhältnisse und Bezugspersonen angewiesen.
Gibt es im Heimatland keine geeigneten Personen und Strukturen, dann kann die Adoption in ein anderes Land diesen Kindern Halt und Familie geben – so das Haager Übereinkommen. Dass es in den Adoptionsverfahren Missbrauchsmöglichkeiten und Missbrauchsfälle gibt, war Grund dafür, diese Seite ins Netz zu stellen - und ist fast schon ein Gemeinplatz.
Es wäre fatal, wenn die Not der Kinder darüber in Vergessenheit gerät.
Es wäre fatal, wenn die Not der Kinder darüber in Vergessenheit gerät.