Donnerstag, 14. Juli 2011

Ethische Werte in Adoptionen - Vortrag von Ron Nydam

Ist Adoption überhaupt ethisch? In den USA gibt es mittlerweile eine breite Bewegung von Adoptierten und leiblichen Müttern, die Adoptionen aus ethischen Gründen grundsätzlich ablehnen. Zu viele Lügen, Druck und Scham im Adoptionsprozess überschatten das Leben vieler von Adoption Betroffener.

Auf der Jahresversammlung des American Adoption Congress im April 2011 in Orlando hielt Ron Nydam einen bemerkenswerten Vortrag über Ethik in Adoptionen. Das Problem sei nicht die Institution der Adoption. Das Problem sei, dass Adoptionen in den USA heute unethisch durchgeführt werden.

Er betonte vier ethische Grundsätze:
  1. Bedürftige Kinder brauchen Schutz und Fürsorge. Adoption an sich ist ein ethisch positiver Wert.
  2. Leibliche Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich. Eltern können ihre Kinder zur Adoption freigeben, aber sie dürfen dies nicht anonym tun. Das gilt auch für Eizell- und Samenspenden. Anonyme Abgaben von Kindern sind vielleicht legal, sie sind aber nicht ethisch vertretbar.
  3. Menschen, insbesondere junge Menschen, müssen vor Unrecht geschützt werden. Unrecht ist, wenn Adoptierte keinen Zugang zu ihrer Herkunft haben, wenn sie nicht trauern dürfen, wenn sie bewusst in Unwissenheit gehalten werden. Die Aufgabe von Adoptiveltern ist es, ihren Kindern dabei zu helfen, Trauer zu zeigen.
  4. Alle Beteiligte an Adoptionen müssen ihren Standpunkt zeigen könen. Es geht um Lernen, Verstehen und Dialog. Gegenseitiger Respekt ist das Gegenteil von Scham.
Viele seiner Ausführungen gelten auch für Auslandsadoptionen. In den USA ist die Debatte aufgrund der Praxis der geschlossenen Adoption und der hohen Zahlen von Adoptionen polarisierter und emotionaler als bei uns. Aber die von Ron Nydam ausgeführten Werte und Grundsätze ethischer Adoptionen sind auch für uns eine gute Grundlage für weitere Diskussionen und Dialoge.   

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