Kann man die Kosten einer Adoption eigentlich von der Steuer absetzen? In Deutschland nicht, in anderen Ländern, auch in europäischen, durchaus. In den USA als klassischem Einwanderungsland gibt es einen National Adoption Day, an dem dann auch die Einbürgerung von ausländischen Adoptivkindern zeremoniell begangen werden kann.
Staatlicherseits sind bei uns ausgebildete ausländische IT-Spezialisten willkommen, Kinder nicht, Flüchtlinge schon gar nicht. Adoption fühlt sich da leicht an wie eine Extremsportart, die eben jeder auf eigenes Risiko betreibt.
Aber muss das für alle Zeiten so bleiben? Manche Statistiken sagen heute schon für die nicht allzu ferne Zukunft Vollbeschäftigung und dann auch Arbeitskräftemangel voraus. Die Überalterung der Gesellschaft ist thematisch längst in der Mitte der öffentlichen Debatten angekommen. Wird vielleicht demnächst Auslandsadoption als ein Gegenmittel entdeckt und entsprechend gefördert? Kommt es nach dem ‚land grabbing’ in Afrika zu einem ‚child grabbing’? Oder ist das schon längst im Gange, nur Deutschland hinkt noch hinterher? Sind die Risikosportler von heute vielleicht ohne es zu wollen die Avantgarde einer neuen Entwicklung?
Das alles mag noch sehr nach Zukunftsmusik klingen, vor allem wenn man die aktuell rückgängigen Adoptionszahlen berücksichtigt. Aber wenn plötzlich die Bundesfamilienministerin ankündigt, die Adoptionsregeln lockern zu wollen, dann lässt das aufhorchen. Das Mitleid mit ungewollt kinderlosen Paaren steht zwar im Vordergrund, doch den Hintergrund bilden deutlich demographische Überlegungen. Was im Grunde auch legitim ist: Von einer an der Zukunft des Gemeinwesens orientierten Politik kann man verlangen, dass sie über den Tellerrand der jeweiligen Legislaturperioden blickt.
Wir werden aber sehr genau verfolgen müssen, wie ernst künftig die Nachrangigkeit der Auslandsadoption genommen wird – gegenüber Versorgungsmöglichkeiten der Kinder in ihrem Heimatland. Und ob es eine Tendenz gibt, das Kindeswohl kategorisch in den Ländern der Nordhalbkugel anzusiedeln.