Dienstag, 17. Juni 2014

Angriffe auf Against Child Trafficking (ACT)

Dieser Blog wurde vor vier Jahren begonnen, als in der taz ein Bericht erschien, der auf gefälschte Dokumente in einer Adoption aus Äthiopien hinwies. Wir als Adoptiveltern von Kindern aus Äthiopien recherchierten nach und begannen, uns mit ethischen Fragen von Auslandsadoptionen zu beschäftigen.

Against Child Trafficking (ACT) und sein Repräsentant in Deutschland, Arun Dohle, war von Beginn an eine feste Größe in dieser Arbeit. ACT hat den in der taz geschilderten Fall in Äthiopien recherchiert und auch Internetforen auf Hinweise auf Unregelmäßigkeiten durchsucht. ACT wurde im Fall Mercy, Mercy aktiv und agierte als Repräsentant von äthiopischen Müttern in Europa.

Unsere eigene Erfahrung mit ACT ist zwiespältig. Während wir viele Positionen teilen und auch glauben, dass eine öffentliche Debatte über die rechtlichen und ethischen Grundlagen von internationalen Adoptionen notwendig ist, gehen uns die Arbeitsmethoden von ACT oft zu weit. Im Eifer des Gefechts wird die Öffentlichkeit auch für Menschen gesucht, die sich kaum dagegen wehren können. Wir sind nicht damit einverstanden, wenn Menschen, die sich in sehr verletzlichen Situationen befinden, instrumentalisiert werden. Wir würden uns auch nicht auf die Seite der russischen Regierung schlagen, die die Frage von internationalen Adoptionen für ihre nationalistische Politik instrumentalisiert. Leider ist ein offener Dialog über diese Fragen sehr schwierig.

Wir glauben, dass die fehlenden rechtlichen und ethischen Standards der Institution der Internationalen Adoption von ganz alleine das Wasser abgraben. Die Arbeit von ACT beschleunigt den Prozess; ist aber nicht ursächlich für diese Entwicklung.

Wir selbst mussten schnell die Erfahrung machen, dass wir die Kommentarfunktion dieses blogs moderieren müssen. Wir erhielten Zuschriften, in denen uns indirekt gedroht wurde. Es wurde uns mitgeteilt, dass man wisse, wer wir sind, und dass wir mit der Adoptionsindustrie unter einer Decke stecken würden.

Vor diesem Hintergrund sind wir von der Nachricht beunruhigt, dass ACT zum Ziel von Angriffen wurde. Wir befürworten jede Arbeit, die hilft, Korruption und Lügen im Bereich der internationalen Adoption zu bekämpfen. Wir hoffen, dass es sich aufklären lässt, wer hinter den Angriffen steckt. Wir unterstützen alle rechtliche Schritte, um die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Drohungen und Einschüchterungen dürfen nicht Mittel in einer wichtigen Auseinandersetzung werden. 

Donnerstag, 15. Mai 2014

Initiative für die Verteidigung der Menschlichkeit e.V.

Eine Internetseite  www.kindertransporthilfe-des-bundes.de hat für große Resonanz in der Öffentlichkeit gesorgt. Mit Briefkopf des BMFSFJ, schwarz-rot-goldenem Band im Titel und einem Aufruf von Bundesfamilienminísterin Manuela Schwesig (mit Unterschriftsfaksimile) wird da erklärt, die Bundesrepublik sei bereit, 55.000 Kinder aus Syrien befristet aufzuehmen. Historischer Bezug sind die Kindertransporte 1938/1939 nach England, die etwa 10.000 jüdischen Kindern das Leben gerettet haben.
Ausdrücklich geht es in dieser Aktion nicht um Adoption, sondern um 'befristete Vollzeitpflege' - längstens bis zum Ende des Bürgerkriegs. Die Seite klärt über die rechtlichen Voraussetzungen einer solchen Pflegschaft auf und hält sogar Antragsformulare bereit.
Über die Legitimität einer solchen Aktion - denn die Seite stammt mitnichten vom Ministerium - wird seit dem Schritt in die Öffentlichkeit gestritten.Den Autoren (das Impressum verzeichnet eine 'Initiative für die Verteidigung der Menschlichkeit e.V' als verantwortlich) wird z.B. Zynismus vorgeworfen - ein Fake auf dem Rücken der Opfer. Dass die abgebildeten Kinder für politische Ziele instrumentalisiert werden, die sie gar nicht ermessen können, vielleicht mit falschen Hoffnungen zu diesen Fotos verleitet. Allerdings lässt sich auch fragen, wo der größere Zynismus liegt - vielleicht ja doch beim Wegschauen, beim Schließen der Grenzen, bei der Versagung möglicher Hilfe. Und wer sagt denn, dass die Initiative ganz ohne Erfolg bleibt?
Dabei wäre es wirklich spannend, wie viele Menschen zur Aufnahme eines solchen Kindes bereit wären. Erinnerungen tauchen auf - etwa an die Initative 'Den Winter überleben' , wo sich Privatpersonen ab 1992 bereiterklärt haben, Flüchtlinge aus Bosnien aufzunehmen. Später wurde sie umbenannt in 'Den Krieg überleben' - denn nach diesem ersten Winter waren Krieg und Not längst nicht vorbei. Immerhin etwa 8500 Menschen sind damals in Deutschland bei Privatleuten untergekommen. Ein Beitrag in der TAZ  zieht die naheliegende Parallele zur Situation der syrischen Flüchtlinge.
Warum sollte ein solches zivilgesellschaftliches Engagement nicht wieder möglich sein? Eigentlich ist es enttäuschend, dass der Aufruf der Ministerin nicht echt ist. Aber nun ist der Appell in der Welt, und wer weiß - manchmal sind vielleicht auch List und Lüge nötig, um Wahrheiten überhaupt erst wahrnehmbar zu machen.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Neuer Suchdienst: Ethiopian Adoption Connection

Ein neuer Suchdienst zum Auffinden von Herkunftsfamilien in Äthiopien ist jetzt online.

Ethiopian Adoption Connection möchte Herkunftsfamilien und ihre adoptierten Kinder im Ausland in Verbindung bringen. Der Suchdienst richtet sich an alle Adoptiv- und Herkunftsfamilien, die entweder nicht selbst suchen können oder deren Suche erfolglos war.

Viele Adoptivfamilien hatten das Glück genügend Informationen über die Herkunftsfamilie ihrer Kinder zu bekommen und sie ihrem Kind mitteilen zu können. Andere können über Suchaufträge mehr über ihre Kinder erfahren. Aber es gibt noch immer Adoptierte und Adoptivfamilien die keine Informationen über die familiären Hintergründe der adoptierten Kinder haben.

Äthiopische Mütter und Väter haben oftmals keine Informationen darüber, wo ihr Kind lebt. Ohne diese Information haben sie keine Chance ihr Kind jemals zu finden. Selbst für Familien, die einige Informationen haben, ist es oft unmöglich einen Kontakt herzustellen. Vermittlungsstellen sind nicht immer hilfsbereit und Suchaufträge sind teuer.

Ethiopian Adoption Connection ist eine Datenbank mit Informationen über adoptierte Kinder. Diese Informationen sind für jedermann im Netz einsehbar. Das erleichtert die Suche; ist zugleich natürlich auch ein Eingriff in die Privatsphäre der Kinder. Für Familien, die mit ihrer Suche nicht weiterkommen, kann der Dienst sehr hilfreich sein.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Muttersprachen

Im Internet  findet sich eine kleine Sammlung traditioneller äthiopischer Geschichten, also von Märchen und Volkserzählungen. Es sind dies Geschichten ohne Autor, die von Generation zu Generation mündlich weitergegeben werden und auch in diesem Fall mit dem Mikrophon aufgezeichnet worden sind. In einfaches Englisch übersetzt lassen sie sich hier abrufen – vor allem aber: Die Seite erlaubt auch einen Zugriff auf die Mitschnitte in den verschiedenen äthiopischen Sprachen. Kinder, die noch in ihrer Muttersprache zuhause sind, können hier an ihre Wurzeln anknüpfen und sich mit der erzählerischen Tradition ihrer Heimat verbinden. Gleichzeitig lässt sich erfahren, dass die Stoffe der mündlichen Überlieferung dort gar nicht so fern von unseren Geschichten sind, und eine Menschheitsverwandtschaft erahnen lassen. Wirklich ein Schatz!

Donnerstag, 30. Januar 2014

Neues zum Thema internationale Adoptionen aus Äthiopien

Nachdem am 26.12.2013 die äthiopische Familienministerin Zenebu Tadesse öffentlich erklärte, dass sie ein völliges Ende der Auslandsadoptionen anstrebe, wurden immer mehr Stimmen laut, dass sich dieses Ende bald abzeichnen könnte.

An einem Treffen Ende Dezember 2013 mit Vertretern der Vermittlungstellen soll sich die Ministerin Zenebu Tadesse dahingehend geäussert haben, dass Äthiopien die Verbreitung von Aids in den Griff bekommen habe, es gewagt habe einen Staudamm am Nil zu bauen und es darum sicherlich auch möglich sei, Auslandsadoptionen zu stoppen. Diese Aussage habe beim anwesenden Parlamentssprecher Zustimmung gefunden. Eine Kommission sollte innerhalb von zehn Tagen einen Plan zur Umsetzung dieses Vorhabens erarbeiten. Dieser Plan hätte in der Folge vom äthiopischen Parlament genehmigt werden müssen, um danach dem Premierminister zur schlussendlichen Unterschrift vorgelegt zu werden.

Am 28.01.2014 soll nun ein erneutes Treffen von Vertretern der Vermittlungsstellen und Vertretern der Ministry Of Women Children and Youth Affairs (MOWCYA) stattgefunden haben. Ministerin Zenebu Tadesse soll an diesem Treffen versichert haben, dass weder sie noch die äthiopische Regierung beabsichtigen würden internationale Adoptionen zu stoppen. Vielmehr sei der Fokus darauf gerichtet, Unregelmässigkeiten im Adoptionsprozess auszumerzen und in gute Adoptionsprozesse zu investieren.

Dienstag, 21. Januar 2014

Linsen und Berbere

Für ältere adoptierte Kinder ist äthiopisches Essen ein wichtiger Teil ihrer Identität. Es bedeutet Heimat und ist meistens mit frühesten Kindheitserinnerungen verbunden. Für all diejenigen, die kein äthiopisches Restaurant um die Ecke haben, ist hier ein super einfaches Rezept für ein fantastisches Linsengericht, das in jeder Küche in wenigen Minuten äthiopische Düfte und Erinnerungen verbreitet.  Berbere bekommt man in Afrikaläden oder im online Shop von "Menschen für Menschen".

2 klein geschnittene Zwiebeln glasig dünsten, 2 Zehen Knoblauch, 250 Gramm rote Linsen und zwei Teelöffel Berbere hinzufügen. Dann eine Dose Tomaten und die gleiche Menge Wasser dazu geben. Auf kleiner Hitze ca. 20 Minuten köcheln lassen. Salzen und pfeffern. Mit Brot und Joghurt, oder aber auch Reis essen. 

Man findet es auch auf der webseite des Guardian:

Basically an Ethiopian recipe, but most East African countries have something similar.
Serves 4
2 medium onions, chopped
Sesame oil (untoasted) or peanut oil, for frying
2–3 garlic cloves, chopped
250g red lentils, rinsed
2 tbsp berbere spice mix (recipe below)
400g tin chopped tomatoes
400ml water
Salt and black pepper
For the berbere
2 cloves
1 tbsp fenugreek seeds
½ tsp cumin seeds
1 tsp coriander seeds
2 tbsp cayenne pepper
2 tbsp paprika
1 tbsp salt
1 tsp ground turmeric
½ tsp each of ground allspice, black pepper, ground cardamom, and ground nutmeg
To make the berbere, toast the cloves with the fenugreek, cumin and coriander. Grind in a pestle and mortar or coffee grinder and add the cayenne, paprika, salt, black pepper, cardamom, nutmeg, turmeric and allspice.
Fry the onions. When softened, add the garlic, lentils and berbere to the pan. Mix well, then add the tomatoes and water. Bring to the boil, turn down the heat and simmer for 30 minutes, adding more water if necessary. The lentils should be soft, but not quite dissolved.
Season; eat with bread and thick yoghurt.

Samstag, 18. Januar 2014

Wie geht es leiblichen Müttern nach der Abgabe ihrer Kinder?

Eine Diplomarbeit an der Universität Addis Ababa im Fach Sozialarbeit hat untersucht, wie es äthiopischen Müttern nach der Abgabe ihrer Kinder für eine Auslandsadoption geht. Die Arbeit basiert auf Interviews mit fünf Müttern aus sehr unterschiedlichen sozialen Kontexten. Eine Mutter war Studentin, die ungewollt schwanger wurde und ihren Freund aus religiösen Gründen nicht heiraten konnte. Zwei Mütter waren Witwen und konnten nach dem Tod ihrer Männer nicht mehr für ihre Kinder sorgen. Eine Mutter wurde Opfer einer Vergewaltigung. Persönliche Zwangslagen in Kombination mit Armut waren die Gründe für die Abgabe ihrer Kinder.

Alle Mütter trauern um den Verlust ihrer Kinder. Manche bedauern ihren Schritt sehr, insbesondere weil es ihnen zum Zeitpunkt der Studie wieder gut geht und sie heute für ihre Kinder sorgen könnten. Zwei Mütter stehen weiter zu ihrer Entscheidung, da die Kinder sich positiv entwickeln. Die Frauen berichten von sozialer Ausgrenzung und Selbstzweifel als Mütter.

Wichtige Faktoren für die positive Bearbeitung der Trauer ist nach den Ergebnis der Diplomarbeit

  • die Kontrolle über die Entscheidung
  • der Kontakt zu den Kindern oder Adoptivfamilien
  • die soziale Unterstützung, die die Frauen erfahren. 

Insbesondere die Frauen, die keine Informationen über den Verbleib ihrer Kinder hatten, machten sich grosse Vorwürfe und litten mehr unter der Abgabe ihrer Kinder. Dies sollte Grund für Adoptivfamilien Grund genug sein, sich aktiv um einen Kontakt zur ersten Familie zu bemühen.


Birth mothers'  experience after relinquishment 
by Kalkidan Alelign, Addis Ababa University

abstract
Birth mothers in Ethiopia are too often invisible and their experience is left unexplored which prompted the need to carry out this research. Hence, this study aimed at understanding feelings and experiences of birth mothers who relinquished, in Addis Ababa. It used qualitative research method with case study being the strategy of inquiry to achieve this objective. It employed in-depth interview with five purposely selected participants. The findings of the study indicated that the birth mothers are experiencing regret, anger, fear, grief and intrusive thoughts. The finding also revealed that the pain of relinquishment is evoked in cases of events such as holidays and birthdays, and when birth mothers encounter discrimination from the society. The adjustment to the pain is however determined by birth mothers perceived degree of participation in the decision to relinquish, by the available contact with their children or adoptive parents and the social support they get. Participants used different coping strategies which include acceptance, “talking”, helping others, concealing feelings, withdrawing and spirituality. The finding of this research calls the attention of social workers both in providing birth mothers counseling services and advocating for them. The finding also calls for the attention of policy advocacy and further research in the area. Further research could be conducted on the experience of birth mothers who get married and have subsequent children after they have relinquished and also on the fathers. 

Donnerstag, 16. Januar 2014

Reiseimpressionen aus Äthiopien

Spiegel online hat derzeit ganz aktuell faszinierende Bilder aus Äthiopien auf seiner Webseite. Die Autoren schreiben dazu:
Felsenkirchen, Danakil-Wüste und gelobtes Land der Rastafari: Äthiopien fasziniert immer mehr Globetrotter. Das afrikanische Land ist voller Kultur- und Naturschätze, die Uhren ticken hier aber ganz anders. Buchstäblich.
Reisen in Äthiopien ist nichts für Anfänger. Komfortable Hotels nach westlichen Standard gibt es kaum, schon Busfahrten sind ein Wagnis. Und doch steigt die Zahl derjenigen ständig, die einen Trip in die Republik im Nordosten Afrikas und zugleich in eins der ärmsten Länder der Welt wagen.
Während eine Reise in den Norden Äthiopiens in der Tat ein bewegendes Erlebnis ist, sind die Voraussetzungen doch deutlich bescheidener, als es die Spiegelautoren beschreiben. Man muss kein Abenteurer sein, um Äthiopien zu erkunden. Es gibt zwischen Rucksacktourismus mit öffentlichen Bussen und teuren Studienreisen mit Studiosus noch andere Möglichkeiten das Land zu entdecken.

Kleine äthiopische Reiseveranstalter bieten maßgeschneiderte Rundfahrten mit komfortablen Minibussen an. Die Fahrt von Addis Abeba bis Lalibela dauert so zwei Tage über weitgehend asphaltierte Landstraßen im Hochgebirge. Das allein vermittelt bereits einen faszinierenden Eindruck vom Leben in äthiopischen Dörfern. Lalibela liegt ca. 3 Stunden von der Hauptstraße entfernt und hat eine Reihe von Hotels mit sauberen und komfortablen Zimmern. Das im Stil von Blüten erbaute Restaurant Ben Ababa mit einem atemberaubenden Blick über die Gebirgslandschaft ist ein äthiopisch-schottisches Joint Venture und bietet neben äthiopischem Essen auch Shepherds Pie und einen gemütlichen Abend am Lagerfeuer an. Lalibela selbst überwältigt durch seine 11 in Felsen gehauene und teils unterirdische Kirchen inmitten der Stadt. Ein absolutes Muss.

Die Fahrt kann dann weiter ins mittelalterliche Gondar fortgesetzt werden, wo im 15. und 16. Jahrhundert gleich mehrere Burgen und Schlösser gebaut wurden, deren Ruinen zu besichtigen sind. Gondar war auch Provinzhauptstadt unter der kurzen Kolonialherrschaft der Italiener. Deren Architektur ist wie in Addis Ababa und Asmara noch in der Innenstadt zu finden. Auch dort gibt es gute Hotels wie auch gute Restaurants. Das bei Touristen beliebte Restaurant der Vier Schwestern wird tatsächlich von Schwestern betrieben, die neben bedienen auch noch singen und tanzen. Noch weiter nördlich im Semiongebirge gibt es Lodges, die für Touristen ausgestattet sind. Weitere Stationen der historischen Route sind Axum und Mekele.

Zwischen Gondar und Bahir Dar kann man noch das Dorf Awre Amba besuchen, das nach solidarischen Prinzipien wirtschaftet und mittlerweile nach langen Auseinandersetzungen zu einem Vorzeigeprojekt der äthiopischen Regierung geworden ist. Dort gibt es nicht nur eine Dorfbibliothek sondern auch ein Altenheim, eine große Schule und kleine Kooperativen mit Webereien, Mühle und Schneiderei. Man sieht Männer beim Wassertragen (ansonsten eine Seltenheit in Äthiopien) und beim Kochen. Im Dorf kann man in einfachen äthiopischen Hütten übernachten.

In jedem Fall zu empfehlen ist Bahir Dar am Tanasee für seine Vögel und Nilpferde, die man bei einer Bootsfahrt beobachten kann.  Das mittelalterlichen Kloster Kidane Meheret auf einer Halbinsel gelegen beeeindruckt mit fantastischen Wandmalereien. Von Bahir Dar fährt man zurück nach Addis Ababa durch einen großen Canyon über den Nil und macht einen kurzen Abstecher zur portugiesischen Brücke, in deren Nähe eine Deutsche eine kleine Lodge betreibt.

Zwischendurch kann man immer wieder anhalten, durch die Berge wandern, Affen, Kamele, Esel, Rinder, Schafen und Ziegen sehen und natürlich viele Äthiopier treffen. Man sieht und erlebt den Einfluss chinesischer Investoren in Äthiopien hautnah und ist immer wieder erstaunt und beeindruckt, wieviele junge Menschen zwar keine Schuhe aber dafür Mobiltelefone besitzen.

Die Reise kostet im Schnitt ca. €100 pro Person und Tag alles inklusive. Reiseveranstalter können bei Bedarf empfohlen werden. Für Familien mit etwas älteren äthiopischen Adoptivkinder ist diese Reise sehr zu empfehlen.

 




Thunderclap for Ethiopian journalist Reeyot Alemu Gobebo

The Committee to Protect Journalists is seeking support for a Thunderclap for Ethiopian journalist Reeyot Alemu Gobebo, who has been imprisoned since 2011. Her birthday is next Tuesday. Reeyot was a journalist for Feteh and was convicted on three counts under the terrorism law for her writings. Her sentence was reduced from 14 years to 5 years on appeal. Reeyot received a Hellman-Hammett award in 2012 (http://www.hrw.org/news/2012/12/20/ethiopia-4-journalists-win-free-speech-prize) and the 2013 UNESCO/Guillermo Cano World Press Freedom Prize.

https://www.thunderclap.it/projects/8039-a-birthday-wish-for-reeyot

The birthday of Reeyot Alemu, an award-winning female Ethiopian journalist, who has become a global icon of courage and the struggle for a free press since her imprisonment in 2011 is next Tuesday.
Would you give us a hand with a couple of clicks in support of our Thunderclap "A Birthday Wish for Reeyot"? Thunderclap is a crowd-speaking platform that helps people be heard by saying something together. If enough people support it, Thunderclap will blast out a timed Facebook Post or Tweet from all your supporters, creating a wave of attention. We have already gotten 100 people to support the Thunderclap. We would like to reach 250 and possibly 500 supporters by next Tuesday.

Go to https://www.thunderclap.it/projects/8039-a-birthday-wish-for-reeyot
Click on the Facebook/Twitter buttons below the birthday message - when you do that, your total number of your twitter followers/facebook connections amplilfy the "social reach" of the message.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Adoptionskommission in Kenia aufgelöst

Das US amerikanische Außenministerium teilt mit, dass die Kenianische Adoptionsbehörde, die Adoptionskommission, aufgelöst wurde und damit die Vermittlung von Kindern aus Kenia erschwert wurde. Die Vermittlungen verzögern sich, bis neue Mitglieder für die Kommission benannt werden.

Kenya

January 7, 2014

Notice: Kenya Adoption Committee disbanded

The U.S. Embassy in Nairobi learned that the Kenyan Central Authority, the Adoption Committee, was disbanded, thereby impacting Kenya's ability to process intercountry adoptions. Processing of adoptions is, and will continue to be, delayed until the publication of the nomination of the new committee members.


The Department of State understands that this event has triggered a number of inquiries from U.S. adoption service providers who want to learn how the disbandment will affect pending cases. The U.S. Embassy in Nairobi continues to press for clarification and will engage with the new committee once it resumes work.

The Department will post any updates regarding this situation on adoption.state.gov as we receive information from the Kenyan authorities.

Freitag, 27. Dezember 2013

Äthiopische Familienministerin strebt Ende von Auslandsadoptionen an

Wie AllAfrica auf seiner Webseite berichtet, haben Vertreter der äthiopischen Regierung auf einer Pressekonferenz angekündigt, dass sie das Ende aller Auslandsadoptionen anstreben. Der Präsident des Parlaments Abadula Gemeda und die Ministerin für Frauen, Kinder und Jugendliche Zenebu Tadessa forderten die Öffentlichkeit und alle beteiligten Akteure auf, sich für eine inländische Lösung mit einheimischen NGOs einzusetzen. Die Ministerin sagte, dass die Regierung alle Auslandsadoptionen aus Äthiopien abschaffen will. In den letzten Jahren konnte die Zahl der in Ausland adoptierten Kinder von 9000 auf 1000 Kinder im Jahr reduziert werden. Sie führte dies auf die Umsetzung von Gesetzen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zurück.

Ethiopia: Stakeholders, Public Has to End Foreign Adoption



The House of Peoples' Representatives and the Ministry of Women, Children and Youth urged stakeholders and the public to undertake integrated work to totally stop adoption of Ethiopian children by foreign families.

In a press conference, House Speaker Abadula Gemeda and the Minister Zenebu Tadesse told journalists that stakeholders should work closely to end foreign adoption.

Abadula urged the importance to give priority to use local means to raise orphaned children rather than giving them away to foreign families.

He suggested the importance to establish and support local NGOs which raise orphaned children with the close collaboration of the public.

He urged stakeholders and the public to support these initiatives and protect children from any kind of abuse.

The Minister Zenebu on her part said the government is working hard to end foreign adoption and facilitate situations to raise the children within their community.

Over 9,000 children were adopted by foreign families during the previous years, in a yearly basis, she said.

Through various activities carried out over the past years, number of children adopted by foreign families reduced to less than 1,000 in 2005EC.

She attributed the success to implementation of various laws and increasing knowledge of the public

Samstag, 21. Dezember 2013

Efa berichtet über Schwierigkeiten bei Adoptionen aus Äthiopien

Betyie schreibt aktuell über Adoptionen aus Äthiopien:

Die Vermittlungsstelle “Eltern für Afrika” ihrerseits berichtet von acht Adoptionen im vergangenen Jahr und davon, dass die verwaltungstechnische Seite der Adoptionsfreigaben in Äthiopien immer noch nicht hinreichend geklärt sei, woraus sich ableite, dass die künftigen Entwicklungen bei internationalen Adoptionen nicht prognostizierbar seien. Die Lage in den Kinderheimen sei angespannt, die Versorgung der Kinder nicht jederzeit gut gewährleistet und künftig müsse man bei aus Äthiopien adoptierten Kindern mit einem Alter von wenigstens zwei Jahren rechnen.

Gleichzeitig meldet die Washington Post unter Berufung auf den Innenminister im Kongo, dass Internationale Adoptionen aufgrund von kriminellen Machenschaften temporär suspendiert seien.

Freitag, 20. Dezember 2013

Am Ende der Sackgasse

Was sich seit langem abgezeichnet hat, ist jetzt Gewissheit geworden: Eine der beiden Vermittlungsstellen in Deutschland, die Kinder aus Äthiopien vermitteln, hat die Vermittlungen gestoppt. Betyie schreibt dazu, dass die Vermittlungsstelle “Eltern für Afrika” im letzten Jahr nur acht Adoptionen aus Äthiopin durchgeführt. Zudem sei die verwaltungstechnische Seite der Adoptionsfreigaben in Äthiopien immer noch nicht hinreichend geklärt und die künftigen Entwicklungen bei internationalen Adoptionen nicht prognostizierbar. Die Lage in den Kinderheimen sei angespannt, die Versorgung der Kinder nicht jederzeit gut gewährleistet und künftig müsse man bei aus Äthiopien adoptierten Kindern mit einem Alter von wenigstens zwei Jahren rechnen.

Während einerseits diese Entscheidung in das Gesamtbild von schließenden Vermittlungsstellen in den USA und einem allgemeinen Rückgang an adoptierten Kinder passt, wirft sie andererseits doch die Frage auf, wie eine zukünftige Entwicklung aussehen kann. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die andere Vermittlungsstelle ihre Arbeit in Äthiopien einstellt? Die Stimmung in Äthiopien ist jedenfalls kritisch.

Wir wissen nicht, wie es weiter gehen wird. Es gibt Anzeichen in den USA aber auch in Deutschland, dass sich Internationale Adoptionen auf andere Länder Afrikas verschieben werden wie z.B. nach Uganda, Kenia und Madagaskar. Die Probleme werden damit natürlich nicht gelöst, sondern im Zweifel werden dort unter den Vorzeichen eines schwachen Staates erst neue Möglichkeiten der Korruption eröffnet. Es ist schade, dass dies in der Welt der Adoptionsvermittlung so wenig reflektiert wird sondern immer wieder dem unmittelbaren Reflex der Hilfe für notleidende Kinder und kinderlose Eltern nachgegeben wird.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Erwachsene Adoptierte im Gespräch

Auf youtube gibt es ein bemerkenswertes Video zweier junger Adoptierter, die über ihre Erfahrungen, Ansichten und Wünsche berichten. Aselefech Evans, adoptiert im Alter von 6 Jahren aus Äthiopien, und Jenni Fang Lee, adoptiert im Alter von 6 Jahren aus China, tauschen sich frei über Adoptionen aus.

Beiden ist es anzumerken, dass sie mit sich und ihrer Identität als Adoptierte, Nichtweiße und junge Frauen eigentlich im Reinen sind, aber im deutlichen Abstand zu Vermittlungsstellen und der Adoptionsindustrie stehen. Die Fragen, die sie umtreiben sind:
  • Warum zahlen amerikanische Familien 30.000$ für eine Adoption, wenn mit diesem Geld die Gründe für die Adoption aus der Welt geschafft werden können? 
  • Warum wird in der Adoptionswelt und von den Betreibern von Vermittlungsstellen so viel Geld verdient?
Fang Lee drückt ihr Unbehagen besonders deutlich aus, wenn sie sagt, dass Adoptiveltern mit dem Geld abstimmen und sich nicht bewusst sind, was die indirekte Effekte einer Auslandsadoption für die Betroffenen aber auch für das gesamte System der Auslandsadoption sind. Sie wünscht sich, dass erwachsene Adoptierte eine Plattform finden, auf der sie ihre gemeinsamen Erfahrungen publik machen können, um von dem individuellen Schicksal zu abstrahieren und zum Kern des Problems vorzudringen.

Mittwoch, 27. November 2013

Rassismus in Schulbüchern - Offener Brief an den Beltz Verlag und Antolin

Sehr geehrte Damen und Herren,
meine zehnjährige Tochter liest zurzeit in ihrem Deutschunterricht das Buch Katzensprünge von Heike Brandt. In dem Buch geht es um Kinder mit rassistischem Gedankengut  - wahrscheinlich in aufklärerischer Intention. Die Autorin läßt von Beginn an die Kinder so reden, wie es ihnen in den Sinn kommt. Da sind Türken "Kanaken" und schwarze Kinder "schwarze Ratten". Auf Seite 212 gibt es dann einen Dialog, in dem zwei Kinder sich einen Witz erzählen: "Was ist schwärzer als ein N...? " Antwort: "Ein verkohlter N....."

Mir blieb bei der Lektüre dieser Stelle die Luft weg. Meine Tochter ist schwarz und hat bislang in ihrem Leben glücklicherweise sehr wenig an offenem Rassismus erfahren. Hier begegnet sie ihm in geballter, ungefilterter und zudem brutaler Form. Sie wusste vorher nicht, dass man Kinder türkischer Abstammung "Kanaken" nennen kann, dass man den Begriff "Arschloch", den sie nicht in den Mund nehmen darf, aber im Kinderbuch verwenden kann und schon gar nicht, dass es scheinbar heute in Berlin-Kreuzberg Kinder gibt, die Menschen mit anderer - ihrer - Hautfarbe verbrennen wollen.
Ich bin entsetzt, dass dieses Buch - egal was seine Absicht ist - im Schulunterricht verwendet wird. Mir ist nicht klar, was man mit dieser Sprache bezweckt, außer man will den Kindern bei der Formulierung rassistischer Gedanken und Sprache behilflich sein.
Ich fordere den Beltz Verlag und Antolin auf, das Buch aus ihrem Bestand zu nehmen. Es darf heute rassistisches Gedankengut auch unter der Überschrift der Thematisierung von Rassismus nicht in dieser Form und dieser Brutalität über Grundschulkinder ausgeschüttet werden.

Mit freundlichem Gruß

Mittwoch, 13. November 2013

Kritische und unkritische Reflektionen in den USA

Auf zwei neue Publikationen in den USA sei hier hingewiesen:

Kathryn Joyce hat in einem Artikel für Slate Magazine die Geschichte von Hana zusammengefasst und die Rolle von fundamental christlichen Großfamilien mit mehr als 10 Kindern, die ihre Kinder zuhause unterrichten und von Disziplin und Gehorsam besessen sind, analysiert.  Die Analyse ist - wie immer - gründlich und überzeugend. Für informierte Leser beinhaltet sie jedoch wenig Neues. Wer jedoch nochmals nachlesen möchte, woran das Adoptionssystem in den USA krankt, kann dies dort tun.

Einen interessanten Kommentar zum Artikel gibt es von Jean Mercer auf ihrem Blog Child Myths. Sie stellt die Frage, ob diese Adoptiveltern, die Kinder sammeln, nicht eine pathologische emotionale Störung haben. Der Blog von Jean Mercer sei an dieser Stelle empfohlen. Sie ist in der Adoptionscommunity von beiden Seiten umstritten, da sie einerseits immer wieder auf die Gefahren der Diagnose "Bindungsstörung" hinweist und sogenannte "Haltetherapien" kritisiert, andererseits die Annahme einer primären Bindung von Mutter und Kind, die unter Adoptionskritikern weit verbreitet ist, bestreitet.

Die zweite Publikation kommt aus dem Donaldson Adoption Institute und ist eine empirische weltweite Befragung von Adoptiveltern und Adoptionsprofis.

Der Bericht ist eine wilde Zusammenstellung von Befunden, die gezielt an der derzeitigen Diskussion über die Probleme bei Adoptionen in den USA (re-homing, child collectors, abuse and death etc.) vorbei argumentieren und im Wesentlichen zum Ergebnis kommen, dass alles im Lot ist, wenn man die Adoptiveltern ein wenig besser vorbereitet. Adoptionen sind weiterhin der optimale Weg, wenn Eltern oder Familie nicht vorhanden sind. Punkt. Wirkliche Reformen werden weder befürwortet noch ernsthaft in dem Bericht angesprochen.

Der interessanteste Punkt in dem Sammelsurium ist der Hinweis, dass viele Adoptiveltern auch bei internationalen Adoptionen den Kontakt zur leiblichen Familie suchen und wertschätzen. 

A CHANGING WORLD:
SHAPING BEST PRACTICES THROUGH UNDERSTANDING
OF THE NEW REALITIES OF INTERCOUNTRY ADOPTION

Authors: Dr. Ellen Pinderhughes, Jessica Matthews, Georgia Deoudes and Adam Pertman
Funded by: American Ireland Fund and the Donaldson Adoption
Published: 2013 October, New York NY: Donaldson Adoption Institute
Document Type: Policy & Practice Perspective (176 pages)

Sonntag, 10. November 2013

Abgegeben - Angenommen. Adoptiert ist man ein Leben lang

Adoptiert ist man ein Leben lang, davon erzählen auch ältere Erwachsene, deren Adoptionsgeschichten sehr unterschiedlich verlaufen sind. Das Leben von allen ist – positiv wie negativ – durch die Adoption geprägt...

Eine hörenswerte Sendung auf HR 2

Dienstag, 8. Oktober 2013

Ethische Risiken einer Adoption aus Äthiopien


Wir werden oft nach Vermittlungsstellen gefragt. Viele Leserinnen und Leser landen auf unserer Seite, weil sie "Eltern für Afrika" oder "evap" googlen. 

Wir wissen daher, dass viele Leser dieses Blogs Adoptionsbewerber sind. Wenn sie auf unsere Seite kommen, sollte sie eines interessieren: Was sind die ethischen Risiken einer Adoption aus Äthiopien? Darauf gibt es im Jahr 2013 nach besten Wissen die folgende Antwort:
  • Das größte Risiko ist eine falsche Angabe im Sozialbericht über die Familie des Kindes. Kinder mit zwei lebenden Eltern können in Äthiopien nicht ins Heim gegeben werden. Wenn Mütter oder Familien sich dennoch dazu entscheiden, erklären sie sich zur Tante oder Nachbarin und behaupten die Eltern seien tot. Oder Grosseltern bringen Enkel ins Heim. Manchmal ohne das Wissen der Eltern. Oder Mütter von Säuglingen behaupten, sie hätten das Kind gerade an einer Kreuzung gefunden. Oder Kinder werden im Merkato aufgegriffen und die Polizei behauptet, die Eltern hätten nicht gefunden werden können. Auch das ist oftmals nicht wahr.   
  • Eltern werden/wurden zuweilen dazu überredet, ihre Kinder aufzugeben. Auch durch Vermittler, die von Heimen und Vermittlungsstellen dafür bezahlt werden. 
  • Heime bezahlen Vermittler für Kinder und verlangen hohe Gebühren von Vermittlungsstellen. Sie haben kein Interesse an der wahren Herkunft des Kindes. 
  • Uns ist kein Fall von Kindesentführung bekannt. Das bedeutet nicht, dass Mütter nicht unter Druck gesetzt wurden oder ihnen die Kinder ohne ihr Wissen oder Einverständnis abgegeben wurden. 
  • Uns sind mehrere Adoptionen bekannt, deren Hintergrund fragwürdig ist. 

Was kann man tun? Nach unserer Erfahrung und Einschätzung prüfen die deutschen Vermittlungsstellen nicht den Wahrheitsgehalt der Angaben durch das Heim. 'This is Africa' ist eine Haltung zum Problem. Und: 'Hauptsache die Kinder bekommen eine neue Familie'.  Im Fall Gelgela, einem Heim, das unter heftiger Kritik stand, hat evap seine Kooperation nach einer langen Übergangszeit eingestellt. 

Die Vermittlungsstellen sind auch keine aktiven Kritiker der gegenwärtigen Lage. Sie können nicht offen kritisch sein, ohne ihren Status zu gefährden. Vermittlungsstellen brauchen eine Lizenz der äthiopischen Regierung. Wenn sie zu kritisch auftreten, wird ihnen die Lizenz entzogen. Ihre Lage im Land ist prekär. Was Vermittlungsstellen hinter den Kulissen machen, wissen wir nicht. 

Niemand kann ein Kind adoptieren wollen, dessen Papiere es als Waise ausweisen und dessen Eltern in Wahrheit noch leben. Die Lüge im Leben des Kindes wird man nie wieder los. Sie wird auch nicht dadurch besser, das sie vielleicht nie bekannt wird. Oder dass trotz alledem die Adoption die beste Lösung für das Kind ist. Man möchte auch nicht mit der Unsicherheit leben, dass es Eltern gibt, die getäuscht und betrogen wurden.   

Vermittlungsstellen sind nach unserer Erfahrung nicht proaktiv, wenn es zur nachträglichen Aufklärung von Familienverhältnissen kommt. Sie selbst werden nie aktiv, auch wenn sie als professionelle Beteiligte von Beginn an ihre Zweifel hätten anmelden müssen. Sie beteiligen sich daran, wenn die Eltern darauf drängen. Auch weil sie Herr der Lage sein wollen und in Äthiopien keine unbeaufsichtigten Eltern haben wollen, die Detektiv spielen. Sie stellen zugleich den Eltern die Kosten in Rechnung. Das alleine kann Adoptiveltern von der Wahrheitssuche abhalten.

Unsere Arbeit wird von Vermittlungsstellen nicht gerne gesehen. Kein Adoptionsprofi hat uns bislang auf die Schulter geklopft und eine Diskussion zum Thema begruesst. Man habe den Eindruck, wir seien gegen Adoptionen. Wir ermutigen Adoptionsbewerber unangenehme Fragen zu stellen. Ja, das stimmt.  Wir ermutigen auch andere Adoptivfamilien, das Bundesamt für Justiz und die Vermittlungsstellen selbst kritische Fragen zu stellen. Wir glauben, dass es keine ethischen Adoptionen ohne eine vollständige Offenlegung der Fakten geben kann.

Freitag, 4. Oktober 2013

Sie werden nie eine normale Familie sein

Ein Nachtrag zur Diskussion, ob Adoptivfamilien 'normal' sind: Irmela Wiemann hat das Interview in Nido auf ihre Webseite gestellt und einen lesenswerten Kommentar verfasst. Wir hatten darüber bereits früher berichtet.

Frau Wiemann kritisiert in ihrer Stellungnahme den Titel, der nicht von ihr gewählt wurde. In der Tat gibt es eine Neigung zur Dramatisierung: entweder sind Adoptivkinder und ihre Familien besonders schwierig (oft in den Medien) oder komplett wie alle anderen (oft bei den Familien selbst und bei ihrer Umwelt).

Letzteres fällt besonders im Schulalltag immer wieder auf. Ob ein bestimmtes Verhalten oder eine Schulschwäche mit der Adoption zusammenhängen könnte, ist ein ganz empfindliches Thema. Besonders gut meinende Eltern oder Lehrer ersticken oft jede Diskussion darüber in dem sie darauf hinweisen, dass andere Kinder dieses Problem/Verhalten auch haben. Das ist ebensowenig hilfreich wie diejenigen Lehrer, die Adoptivkinder gleich in die Schublade der verhaltensauffälligen Kinder stecken.

http://www.irmelawiemann.de/dl/dl.pdfa?download=Nido-normale-Familie-Wiemann-Satz.pdf

Montag, 30. September 2013

Adoptionsland Absurdistan

Wer derzeit die Nachrichten aus dem Adoptionsland USA verfolgt, wird ein zunehmend mulmiges Gefühl nicht los. Das eigentlich positive Grundgefühl, das mit der großen Bereitschaft der Amerikaner zur Aufnahme eltern- und familienloser Kinder einher geht, wird zunehmend von einer Haltung überlagert, in der es kaum noch um Kinder aber sehr stark um die Rechte und die Macht von Adoptiveltern über die Kinder anderer Menschen geht. In den letzten Wochen gibt es gleich mehrere Beispiele dafür:

  • Der Fall von Baby Veronica hat eine weitere tragische Wende genommen. Veronica ist das Kind einer außerehelichen Beziehung. Ihre Mutter hat sie bereits vor der Geburt zur Adoption freigegeben, ohne jedoch den Vater zu informieren. Der hat seit ihrer Geburt für sein Sorgerecht gekämpft und zeitweise auch Recht bekommen. Nach der letzten Gerichtsentscheidung musste er jedoch seine Tochter den Adoptiveltern wieder übergeben. Deren Anwälte verklagen ihn nun auf Schadensersatz auf eine halbe Million Dollar. Diesen Betrag wird er zwar nicht bezahlen können, aber das eigentliche Ziel ist die Abschreckung: Versuche als Elternteil erst gar nicht ein bereits adoptiertes Kind zurückzuverlangen. In den USA ist trotz aller Familienrhetorik das Recht am eigenen Kind schwach ausgeprägt. Eltern verlieren ihr Sorgerecht vergleichsweise leicht. So werden bei illegalen Einwanderungen zwar die Eltern deportiert; nicht aber deren in den USA geborenen Kindern. Diese werden kurzerhand ohne das Einverständnis der Eltern zur Adoption freigegeben.
  • CHIFF (Abkürzung für Children in Families First) ist ein Gesetzentwurf, der zurzeit im amerikanischen Kongress debattiert wird. Das Gesetz hat gute Seiten (eine zentrale Dokumentationsstelle aller internationaler Adoptionen zum Beispiel), verfolgt letztlich aber das Ziel die Zahlen Internationaler Adoptionen kräftig zu steigern. Statt die vielen Fehlentwicklungen im amerikanischen Adoptionssystem zu korrigieren, möchten die beteiligten Akteure der Adoptionsindustrie den Markt wieder vergrößern. Die amerikanische Außen- und Entwicklungspolitik soll ihren Einfluß geltend machen, dass die Empfängerländer sich dem 'Kinderschutz' zuwenden, bei dem Adoptionen eine große Rolle spielen. Der Entwicklungshilfeetat soll um $30 Millionen im Jahr angezapft werden, um diese Maßnahmen zu finanzieren. Man sieht die gut bezahlten Präsidenten diverser Adoptionsagenturen schon bei der Verteilung der Gelder an sich und ihre Freunde. Die Kritik an dem Vorhaben ist laut. Eine Zusammenfassung findet sich hier.
  • Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters haben den privaten Markt für 'Zweitadoptionen' aufgedeckt: Kinder, deren Adoptionen schief gehen, werden über private Internetforen an Familien vermittelt, die sich aus welchen Gründen auch immer auf die Aufnahme schwieriger Pflegekinder spezialisieren. Pädophilie ist der eine Grund; der Bezug von Sozialhilfe mag ein anderer sein. Im Anbetracht der Tatsache, dass amerikanische Adoptivfamilien zuweilen zu groß sind, ihre Kinder misshandeln und Kinder aufnehmen, die stark traumatisiert sind, ist das nicht überraschend. Gleichwohl kommen die Kinder von einem schlechten Ort in einen noch schlechteren, ohne dass das Jugendamt überhaupt davon erfährt. Viele von ihnen landen irgendwann auch in der staatlichen Fürsorge, oftmals ohne amerikanische Staatsangehörigkeit.

Es reicht nicht, sich angewidert davon abzuwenden und froh zu sein, dass in Europa der Diskurs ein anderer ist. Die Haltung der USA als größtes Empfängerland International Adoptierter überschattet alle anderen. Im Windschatten eines schlechten Systems zu segeln und selbst die bessere Alternative anzubieten, kann nicht funktionieren. Man wird den Menschen in Äthiopien nicht den Unterschied zwischen den 'bösen' Amerikanern und den 'guten' Europäern erklären können. Das Instrument der Internationalen Adoption an sich hat Schaden genommen. Spürbar ist das auch in Deutschland, wo die Adoptionen aus Äthiopien so stark zurückgegangen ist, dass zumindest eine der beiden Vermittlungsstellen vor existentiellen Problemen steht.

Den vielen Kindern und Familien, die dadurch aus hoffnungslosen Lagen befreit wurden, würde das zumindest nicht gerecht. (Auch nicht den Tausenden Heimkindern aus Rumänien, mit denen Anfang der neunziger Jahren ein neuer Adoptionsboom begann.) Tatsache bleibt jedoch, dass es nur zwei Wege gibt: entweder raffen sich die Adoptionsexperten in Europa auf, ihre Profession zu reformieren und eine Haltung zu den Entwicklungen in den USA einzunehmen. Oder sie geraten in den Sog des Abwärtsstrudels, der die Adoptionsbewegung erfasst hat. Dann wird irgendwann jedoch der Tag kommen, an dem Internationalen Adoptionen einfach keine inviduelle Lösung für ein familienloses Kind mehr sind.