Freitag, 20. Dezember 2013

Am Ende der Sackgasse

Was sich seit langem abgezeichnet hat, ist jetzt Gewissheit geworden: Eine der beiden Vermittlungsstellen in Deutschland, die Kinder aus Äthiopien vermitteln, hat die Vermittlungen gestoppt. Betyie schreibt dazu, dass die Vermittlungsstelle “Eltern für Afrika” im letzten Jahr nur acht Adoptionen aus Äthiopin durchgeführt. Zudem sei die verwaltungstechnische Seite der Adoptionsfreigaben in Äthiopien immer noch nicht hinreichend geklärt und die künftigen Entwicklungen bei internationalen Adoptionen nicht prognostizierbar. Die Lage in den Kinderheimen sei angespannt, die Versorgung der Kinder nicht jederzeit gut gewährleistet und künftig müsse man bei aus Äthiopien adoptierten Kindern mit einem Alter von wenigstens zwei Jahren rechnen.

Während einerseits diese Entscheidung in das Gesamtbild von schließenden Vermittlungsstellen in den USA und einem allgemeinen Rückgang an adoptierten Kinder passt, wirft sie andererseits doch die Frage auf, wie eine zukünftige Entwicklung aussehen kann. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die andere Vermittlungsstelle ihre Arbeit in Äthiopien einstellt? Die Stimmung in Äthiopien ist jedenfalls kritisch.

Wir wissen nicht, wie es weiter gehen wird. Es gibt Anzeichen in den USA aber auch in Deutschland, dass sich Internationale Adoptionen auf andere Länder Afrikas verschieben werden wie z.B. nach Uganda, Kenia und Madagaskar. Die Probleme werden damit natürlich nicht gelöst, sondern im Zweifel werden dort unter den Vorzeichen eines schwachen Staates erst neue Möglichkeiten der Korruption eröffnet. Es ist schade, dass dies in der Welt der Adoptionsvermittlung so wenig reflektiert wird sondern immer wieder dem unmittelbaren Reflex der Hilfe für notleidende Kinder und kinderlose Eltern nachgegeben wird.

Kommentare:

  1. Hallo, welche Vermittlungsstelle wird den Vermittlungen aus Äthiopien zum Jahreswechsel einstellen? Auf den jeweiligen Homepages kann ich dazu nichts entdecken...

    AntwortenLöschen
  2. Die von Ihnen erwähnte "andere Vermittlungsstelle" hat sich wohl nicht nur in Äthiopien ein finanzielles Polster zugelegt. Sie hat sich in Kenia eingerichtet. Die zukünftigen deutschen Eltern sind so gut wie gezwungen, den für die Adoption in Kenia erforderlichen Aufenthalt in der facitity des Vereins zu verbringen. Im sogenannten "EFA Village" liegen die Grenzen zwischen Wohltätigkeit und Wohnanlage für reiche Eltern weder im Konzept noch in der Finanzierung offen. Da werden Spenden für Busse für bedürftige Mütter gesammelt, aber gleichzeitig auch ein postkoloniales touristisches Ambiente für die vorübergehend in Afrika lebenden Europäer geboten. Dieses Konzept entspricht bis in viele Details den Anlagen, die früher die das mittlerweile konkurs gegangene CWA - US- Adoptionsunternehmen in Äthiopien betrieben hat.

    AntwortenLöschen
  3. Adoptionsvermittlung aus Äthiopien durch den Evangelischen Verein für Adoption und Pflegekinderhilfe e.V.

    Leider ist es uns noch nicht gelungen, mit der Verfasserin des Blogs in Kontakt zu kommen, um über den Inhalt zu sprechen.Wir möchten deshalb kurz auf diesem Wege Stellung nehmen, da uns viele Telefonate verunsicherter Paare erreichen.
    Es ist nicht richtig, dass der Ev. Verein ab Januar 2014 die Arbeit mit Äthiopien vorübergehend einstellt. Es gibt jedoch seit einigen Monaten einen Vermittlungsstopp.Die Bewerber des Ev. Vereins sind über die Situation in Äthiopien und die Gründe sowohl schriftlich als auch bei Bedarf telefonisch informiert worden. Die letzten Informationen haben somit nach wie vor Bestand.
    Im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit ist uns Transparenz wichtig und unsere Bewerber können davon ausgehen, dass wir wichtige Informationen auch weiterhin unmittelbar und zeitnah an sie weitergeben werden.
    Wir bedauern, dass der Blog auf dieser Homepage ohne Absprache mit uns veröffentlicht wurde und zu Verunsicherungen geführt hat.

    Silvija Baraganovic-Cukic

    AntwortenLöschen