Samstag, 10. November 2012

Verschärfte Maßnahmen des äthiopischen Familienministeriums zur Bekämpfung von Missständen

Seitdem die Missstände in Adoptionsverfahren aus Äthiopien im Sommer 2009 bekannt wurden, gab es eine Reihe von Maßnahmen von Seiten der äthiopischen Regierung, um sie zu bekämpfen. In den letzten Wochen wurden weitere Schritte bekannt. Sie betreffen insbesondere die Sicherstellung des Kindeswohls nach der Vermittlung.

Zum einen verlängerte das äthiopische Familienministerium den Zeitraum, für den Adoptivfamilien jährliche Entwicklungsberichte schreiben müssen. War es bislang bis zum 15. Lebensjahr, wurde der Zeitraum auf das vollenendete 18. Lebensjahr erweitert.

Zeitgleich wurden zwei amerikanischen Vermittlungsstellen, International Adoption Guides und Adoption Advocates International die Lizenz vorläufig entzogen. Beide Vermittlungsstellen hatten Kinder in Familien vermittelt, in denen die Kinder später misshandelt wurden. Es gab im Laufe des letzten und diesen Jahres mehrere Berichte über Kindermisshandlungen in amerikanischen Adoptivfamilien, die in zumindest einem Fall zum Tod des Kindes führten.

Drittens hat das Familienministerium angekündigt, Delegationen in die Empfängerländer zu senden, um die Arbeit der Vermittlungsstellen vor Ort zu überprüfen. In den USA hat dies schon dazu geführt, dass sich 19 Vermittlungsstellen zusammen geschlossen haben, um die Delegation auf ihre Kosten in die USA zu bringen. Sie hatten nach einem Bericht des Wall Street Journals beim Justizministerium angefragt, ob eine Kostenübernahme gegen die amerikanischen Antikorruptionsgesetze verstossen würden, die eine finanzielle Zuwendung an ausländische Behördenmitarbeiter im Kontext von Geschäftsinteressen verbieten. Während die Finanzierung der Reise vom amerikanischen Justizministerium genehmigt wurde, stellt sich die Frage der Korruptionsanfälligkeit dieser Besuche natürlich dennoch. Vermittlungsstellen haben ein großes Interesse daran, es der Delegation während ihrer Dienstreise besonders gut gehen zu lassen, damit sie später bei der Verlängerung ihrer Lizenzen keine Probleme bekommen. Eine Übernahme der Kosten durch die Vermittlungsstellen ist daher keine gute Idee.

In diesem Kontext haben sich auch die Kosten für die Lizenzen von Vermittlungsstellen in diesem Jahr drastisch erhöht. Das äthiopische Familienministerium verlangt im Gegenzug für eine Lizenz eine Finanzierung von Schulprojekten. Die Finanzierung öffentlicher Aufgaben durch Vermittlungsstellen ist natürlich sehr problematisch, da auf beiden Seiten Abhängigkeiten entstehen: der äthiopische Staat macht sich in seiner Sozial- und Schulpolitik von den Zahlungen der Vermittlungsstellen abhängig und die Vermittlungsstellen kommen in die Gefahr für die Vermittlung von Kindern ein "Kopfgeld" bezahlen zu müssen. Auch das ist eine ungute Entwicklung und nicht im Sinne des Kindeswohls.

In jedem Fall werden Delegationen äthiopischer Behörden im nächsten Jahr auch nach Deutschland kommen. Sie werden ganz konkret auch Adoptivfamilien und adoptierte Kinder treffen wollen. Die Vermittlungsstellen müssen diese Treffen organisieren, um den Delegationen entgegen zu kommen. Man kann nur hoffen, dass bei diesen Treffen ein Dialog darüber entsteht, wie sich die Standards verbessern und Korruption eliminieren lässt, und nicht stattdessen die Delegationsreise als solche schon Bestandteil korrupter Praktiken sein wird.    

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