Montag, 2. September 2013

Americanah - Ein Buchtipp

Americanah - das neue Buch von Chimanda Ngozi Adichie (der Autorin von Half of a Yellow Sun) hat nichts mit Adoptionen zu tun. Dafür aber viel mit Rassismus. Eine junge Frau aus Nigeria flieht vor dem Stillstand in ihrem Land in die USA. Sie kämpft mit Schwierigkeiten verschiedenster Art und sieht sich immer wieder mit der übermächtigen Rolle von Rassendiskriminierung in Amerika konfrontiert. Sie schreibt einen erfolgreichen Blog über Rassismus aus der Sicht einer Nicht-Amerikanischen Schwarzen, für die Diskriminierung erst dann zum Problem wird, als sie ihr Land verlässt. Parallel dazu wird die Geschichte ihres Jugendfreunds erzählt, der in England Schiffbruch erleidet und dort die Situation afrikanischer Einwanderer hautnah erlebt.

Der Roman spielt mit dem Thema Rassendiskriminierung in der westlichen Welt. Die Heldin Ifemelu erfährt erstmals in den USA, dass Hautfarbe wichtig sein kann. Und sie empfindet die damit verbundene Diskriminierung als absolut. Sie ist nicht vergleichbar mit der Diskriminierung von Juden, Frauen oder Hispanics; denn Schwarze in den USA sind die unterste sozio-ökonomische Schicht. Sie können auf niemanden herabschauen oder ihre finanzielle Stärke nutzen, um Diskriminierungen auszugleichen. Sie haben keine ökonomische Macht. Parallelen passen nicht; die Schubladen sind genau definiert. "Versuch es erst gar nicht die Diskriminierung der Schwarzen nachzuempfinden; du kannst es nicht" empfiehlt sie in ihrem Blog. "Und glaube nicht, der Rassismus in den USA sei überwunden." Vielmehr sei es erst zwei Generation her, dass Schwarze nicht im gleichen Bus fahren oder wählen konnten. Im Kontrast dazu wird die Erfahrung in Großbritannien geschildert und auf den Punkt gebracht: in den USA können Schwarze ökonomisch aufsteigen, gehören aber sozial nie dazu; in Großbritannien ist es umgekehrt. Die Klassengesellschaft hält Schwarze aus der Oberschicht, aber man durchaus miteinander befreundet sein.

Und in Deutschland? Der Rassismus in Deutschland ist wie seine Brüder in den USA und Großbritannien tief verwurzelt in der deutschen Geschichte. Der offiziellen liberalen Rechtsstaatlichkeit im Nachkriegsdeutschland steht eine institutionalisierte Fremden(!)feindlichkeit gegenüber, die nicht nur im NSU Skandal die Behörden dazu einlud, die Täter in den Opferfamilien zu suchen, sondern auch offene Feindseligkeiten gegenüber Asylsuchenden in Berlin toleriert. Wirtschaftsminister Rösler wird täglich mit rassistischer Post konfrontiert. Schwarze Deutsche sind dabei anders als in den USA keine sozio-ökonomische Gruppe, da sie zu heterogen und zu wenige sind. Von der deutschen Mehrheitsgesellschaft wird ihnen in erster Linie ein Status als Exoten zugeschrieben. Aber auch Exoten gehören nicht zur Mehrheitsgesellschaft. Adoptivkinder erleben das auch schon mal in gut gemeinter Form, wenn sie mit offenem und zugleich überheblichen Mitleid bedacht werden.

Die nicht-offizielle aber unter der Hand florierende Diskriminierung in Deutschland erschwert aber auch eine Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Deutschen. Sie hat kein Gegenüber sondern der Stammtisch hüllt sich sofort in Schweigen, wenn das Thema öffentlich wird. In bizarrer Form - wie beim Streit um das N-Wort in deutschen Kinderbüchern - zeigt sich der unreflektierte Umgang mit Rassismus. Heute können Anwohner in Hellersdorf unwidersprochen den Fernsehkameras mitteilen, dass man ja wisse, dass Asylbewerber gefährlich seien. Viel mehr Mut brauchen Journalisten, Mitbewohner und Politiker, um Diskriminierung aufzuzeigen, kenntlich zu machen und unausgesprochene Ressentiments zu bekämpfen.

Americanah ist ein grossartiger Roman, der viele Denkanstöße gibt; zum Thema Rassismus in Afrika, USA und Grossbritannien - und bei uns.



Kommentare:

  1. Hier werden doch einige Faktoren vermischt.
    Schwarze sind in Deutschland oder Grossbritannien genauso nichtweisse Zuwanderer bzw. Ausländer wie eben andere auch z.b. Inder oder Chinesen. Etc.
    Der Zusammenhang zur us buergerrechtsbewegung ist völlig verquer, es ginge eher um eine diskussion zur problematik der exklusion nicht europäisch aussehender europäer und wie es gelingen kann, den Begriff davon zu erweitern, was es heisst Europäer zu sein.
    Allerdings gibt es tatsächlich eine Analogie zur Bürgerrechtsbewegung in den Usa und zwar die Rolle der Roma in Europa, deren Status in etwa analog geartet ist, und wo es tatsächlich einer expliziten buergerrechtsbewegung beduerfte.
    Was das Beispiel des vergleichs gb und Usa anbelangt, so betrifft die exklusion von der Klassengellschaft natürlich nicht nur schwarze sondern alle Zuwanderer aus nicht elitãren Verhältnissen. Umgekehrt werden schwarze aus afrikanischen Eliten aber genauso in die britische upper class wie asiaten, orientalen etc. inkludiert.
    Wenn es schwarze in der Welt schwerer haben, dann hauptsächlich deshalb, weil die groesste westliche Supermacht des letzten Jahrhunderts einen globalen propagandistischen Feldzug
    der Diffamierung schwarzer Menschen unternommen hat.

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  2. Hier werden doch einige Faktoren vermischt.
    Schwarze sind in Deutschland oder Grossbritannien genauso nichtweisse Zuwanderer bzw. Ausländer wie eben andere auch z.b. Inder oder Chinesen. Etc.
    Der Zusammenhang zur us buergerrechtsbewegung ist völlig verquer, es ginge eher um eine diskussion zur problematik der exklusion nicht europäisch aussehender europäer und wie es gelingen kann, den Begriff davon zu erweitern, was es heisst Europäer zu sein.
    Allerdings gibt es tatsächlich eine Analogie zur Bürgerrechtsbewegung in den Usa und zwar die Rolle der Roma in Europa, deren Status in etwa analog geartet ist, und wo es tatsächlich einer expliziten buergerrechtsbewegung beduerfte.
    Was das Beispiel des vergleichs gb und Usa anbelangt, so betrifft die exklusion von der Klassengellschaft natürlich nicht nur schwarze sondern alle Zuwanderer aus nicht elitãren Verhältnissen. Umgekehrt werden schwarze aus afrikanischen Eliten aber genauso in die britische upper class wie asiaten, orientalen etc. inkludiert.
    Wenn es schwarze in der Welt schwerer haben, dann hauptsächlich deshalb, weil die groesste westliche Supermacht des letzten Jahrhunderts einen globalen propagandistischen Feldzug
    der Diffamierung schwarzer Menschen unternommen hat.

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  3. Hier werden doch einige Faktoren vermischt.
    Schwarze sind in Deutschland oder Grossbritannien genauso nichtweisse Zuwanderer bzw. Ausländer wie eben andere auch z.b. Inder oder Chinesen. Etc.
    Der Zusammenhang zur us buergerrechtsbewegung ist völlig verquer, es ginge eher um eine diskussion zur problematik der exklusion nicht europäisch aussehender europäer und wie es gelingen kann, den Begriff davon zu erweitern, was es heisst Europäer zu sein.
    Allerdings gibt es tatsächlich eine Analogie zur Bürgerrechtsbewegung in den Usa und zwar die Rolle der Roma in Europa, deren Status in etwa analog geartet ist, und wo es tatsächlich einer expliziten buergerrechtsbewegung beduerfte.
    Was das Beispiel des vergleichs gb und Usa anbelangt, so betrifft die exklusion von der Klassengellschaft natürlich nicht nur schwarze sondern alle Zuwanderer aus nicht elitãren Verhältnissen. Umgekehrt werden schwarze aus afrikanischen Eliten aber genauso in die britische upper class wie asiaten, orientalen etc. inkludiert.
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    der Diffamierung schwarzer Menschen unternommen hat.

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