Montag, 10. Oktober 2011

Andauernde unethische Praktiken amerikanischer Vermittlungsstellen

Selbst nachdem die äthiopische Regierung die Zahlen der Adoptionsfälle drastisch reduziert hat, gibt es nur wenig Neues über Verbesserungen zu berichten. Das amerikanische Außenministerium hat erneut eine Warnung an Adoptionsbewerber auf seine Webseite gesetzt. Danach warnt das Außenministerium eindringlich davor, unzureichende Dokumente bei der Botschaft einzureichen. Adoptiveltern müssen mittels einer I-600 Petition bei der Einwanderungsbehörde nachweisen, dass das Kind der amerikanischen Definition von 'Waise" entspricht und damit adoptierbar ist. Das Außenministerium führt dazu aus:

"Approximately 80% of I-600 petitions submitted to the U.S. Embassy in Addis Ababa in recent months were incomplete, contained inconsistencies or errors, or did not contain sufficient evidence to document the child as an orphan under U.S. law. In addition, the Embassy continues to see cases which involve abandoned children but do not include sufficient evidence to document the abandonment and/or evidence of appropriate efforts to locate a child’s birth family. The Embassy also has received evidence of unethical recruitment of children from birth relatives and cases involving known birth parents from whom parental rights have not been severed by the Ethiopian courts. In these cases, consular officers in Addis will need to take additional measures to confirm that a child meets the legal definition of orphan, which could delay processing by several months."

("Ungefähr 80% der I-600 Petitionen, die bei der amerikanischen Botschaft in Addis Abeba eingereicht wurden, waren entweder unvollständig, enthielten inkonsistente Informationen oder Fehler, oder unzureichende Information, um ein Kind als Waise nach amerikanischem Recht zu definieren. Zudem gibt es weiterhin Fälle, die Kinder als 'verlassen' klassifizieren, ohne dies nachzuweisen oder die notwendigen Anstrengungen nachweisen, die Eltern des Kindes zu finden. Die Botschaft hat Nachweis über unethische Praktiken des Rekrutierens von Kindern von Verwandten sowie Fälle, bei denen die Eltern ihre Elternrechte nicht aufgegeben haben, bzw. die äthiopischen Gerichte dies nicht festgestellt hat. In diesen Fällen werden die Konsularbeamte in Addis zusätzliche Maßnahmen ergreifen, dass ein Kind die legale Definition eines Waisen entspricht, was den Prozess um mehrere Monate verzögern kann.")

Die Reaktion des Außenministerium auf nachgewiesene unethische Praktiken ist erstaunlich. Anstatt die Anträge mit fehlerhaften, unethischen und nicht legalen Verfahren abzulehnen, ergreifen die Beamten zusätzliche Maßnahmen, um ein fehlerhaftes Verfahren nachträglich zu korrigieren. Das ist vielleicht im Sinne der zukünftigen Adoptiveltern, aber nicht im Sinne eines besseren Verfahrens. Die hohe Zahl von 80% fehlerhafter Anträgen wird nicht reduziert werden, wenn die Botschaft anbietet, durch weitere Maßnahmen das Spiel falscher Dokumentationen weiter mitzuspielen.   

Kommentare:

  1. Ich denke, man kann die Ankündigung der amerikanischen Behörden auch anders lesen: Sie gibt immerhin bekannt, wie viele Fälle nicht in Ordnung sind und sie besteht auf Nachbesserung. Das allein könnte schon den Effekt haben, dass die Agenturen künftig, um sich Schwierigkeiten zu ersparen, sorgfältigere Recherchen anstellen und auch den, dass die Eltern kritischer hinterfragen, welche Agentur sie auswählen.

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  2. Ja, kann man auch. Allerdings beschäftigt sich die amerikanische Botschaft jetzt schon seit mehreren Jahren mit dem Thema und könnte, wenn sie wollte, das fahrlässige Verfahren der Vermittlungsstellen auch komplett unterbinden.

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