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Sonntag, 2. Juni 2013

Der schlechte Ruf Internationaler Adoptionen

Wenn man heute die Berichterstattung über internationale Adoptionen verfolgt, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass die Welt nur aus Skandalen besteht. Die Fälle von Masho, Journee und Betty Lub berichten ausführlich von dem Unrecht, das sie erfahren haben. Ist das die Spitze des Eisbergs oder sind es die Ausnahmen, die zwar bedauerlich sind aber nicht Grund genug von der Praxis der IA Abstand zu nehmen? Was bedeuten drei oder auch zehn persönliche Schicksale in Anbetracht von mehr als jährlich mehreren Tausend Adoptionen aus Äthiopien? Leider kann man die Frage weder in die eine noch in die andere Richtung abschließend beantworten. Das Bild ist komplizierter.

Die eine Seite ist die des Adoptionsunrechts: Dokumente werden gefälscht, die falschen Eltern adoptieren, Kinder werden misshandelt und leibliche Eltern betrogen und belogen. Intakte Familien werden auseinandergerissen und kriminelle Organisationen und Menschen bereichern sich an dem Leid anderer. Wer in diese Welt hineingerät, wird Opfer von Menschenhandel, Missbrauch und mafiösen Strukturen. Viele Adoptierte aber auch Adoptiveltern, die sich im Bereich ethische Adoptionen engagieren, sind entweder Opfer geworden oder zumindest mit der Unterwelt in Berührung gekommen.

Die andere Seite ist die der Adoption im Sinne des Kindeswohls. Dort werden Kinder adoptiert, die in der Tat niemand haben möchte und deren Schicksal ansonsten ein langjähriger Aufenthalt in Kinderheimen oder ein früher Tod wäre. Kinderheime, in denen sie geschlagen und missbraucht werden, nur rudimentäre Schulbildung erhalten und im Anschluss mittellos und ohne Familie in die Gesellschaft entlassen werden. Sie haben keine Eltern, die betrogen worden sind, sondern wurden von ihren Müttern – aus welchen Gründen auch immer - dauerhaft verlassen. Sie sind Vollwaisen ohne Verwandte, die sich um sie kümmern könnten oder wollen. Sie sind krank oder einfach im Weg, wenn Ehen auseinandergehen oder ein Elternteil stirbt. Nach ihnen fragt niemand im Kinderheim. Niemand. Liest man die Antiadoptionsberichterstattung haben alle adoptierten Kinder irgendwo eine Mutter, die ihre Entscheidung lieber heute als morgen revidieren möchte. Das stimmt oft nicht. Es gibt elternlose Kinder in Not. Manche Mütter sind tot; manche Mütter sind krank und manche Mütter sind sehr froh, weil sie ihre Kinder in guten Händen wissen. Diese Mütter kommen in der Welt von ACT oder von poundpublegacy einfach nicht vor, weil sie nicht ins Konzept passen.

Ein weiterer Vorwurf der skandalisierenden Berichterstatter sind die kinderwunschgetriebenen Adoptiveltern, die sich mit offenen Augen an einem korrupten System beteiligen. Ihnen wird Rassismus unterstellt, wenn sie aus Russland adoptieren und farbenblinde Attitüden, wenn sie afrikanische Kinder aufnehmen. Auch das ist weit übertrieben. Ohne Kinderwunsch kann man und sollte man nicht adoptieren. Ein Kinderwunsch bedeutet jedoch nicht, dass alles andere unerheblich wird. Viele Adoptiveltern unternehmen alles menschenmögliche, um mit den Familien in Äthiopien Kontakt aufzunehmen.
Erwachsene Adoptierte kommen dabei viel zu selten zu Wort. Sie melden sich dann, wenn sie gegen ein korruptes System wettern und ihr Leid öffentlich machen wollen. Sie melden sich weniger, wenn es ihnen gut geht. Studien über die Lebenssituation von Adoptierten kommen oft zu positiven Ergebnissen, die auch nicht ins Bild der Skandalberichterstattung passen.

Die Wirklichkeit der internationalen Adoption ist kompliziert. Manchen Kindern geht es besser, wenn sie adoptiert werden, manche werden Opfer von korrupten Machenschaften. Jedes Kind, das zu Unrecht adoptiert wird, ist eins zu viel. Jedes Kind, das eltern- und familienlos ist und es nicht sein müsste, ist ein ebenso tragischer Fall. Man kann die Position haben, dass die Korruption in IA so schädlich ist, dass kein Kind mehr adoptiert werden sollte. Für manche Länder, wie z.B. in Guatemala, ist dies auch der Fall. Man kann auch der Auffassung sein, dass IA auf keinen Fall von amerikanischen Vermittlungsstellen dominiert werden darf, für die dies unter dem Deckmantel christlicher Nächstenliebe ein einträgliches Geschäftsmodell ist. Auch dem kann man sich anschließen. IA sollte von Menschen betrieben werden, deren Einkommen nicht davon abhängt, bzw. deren Einkommen so transparent sind, dass man ein Gewinnstreben ausschließen kann. Das ist derzeit das Problem in Äthiopien, das wir an dieser Stelle schon oft beschrieben haben.

Folgt daraus, dass man IA unter keinen Umständen gut heißen kann? Wir meinen nein und haben dabei die Kinder und adoptierten Erwachsenen im Sinn, die in Deutschland und anderswo ein zuhause gefunden haben und denen es damit gut geht. Vielmehr geht es um einen Reformprozess, um Korruption und Intransparenz zu verhindern. Kontakte zur leiblichen Familie und die strikte Regulierung des Vermittlungsprozesses sind wichtige Bestandteile. Es geht jedoch nicht um eine Kampagne, um IA endgültig abzuschaffen. Es ist oftmals einfacher, etwas komplett zu verbieten als es zu verbessern. Das wäre jedoch die falsche Alternative. Gerade ältere verlassene Kinder können von Adoptionen profitieren, wenn die Verfahren belastbar und die Beteiligten ausreichend vorbereitet sind. 

Mittwoch, 8. Mai 2013

Sonntag, 5. Mai 2013

Die Kinderfänger

Endlich ist das neue Buch von Kathryn Joyce erschienen, auf deren Arbeiten wir in diesem Blog schon mehrfach verwiesen haben. The Child Catchers - Rescue, Trafficking, and the New Gospel of Adoption ist ein gut geschriebenes und gut recherchiertes Buch, das den Leserinnen und Lesern die Augen öffnet und leider auch die Haare zu Berge stehen lässt.

Amerikanische Evangelisten haben das Feld der Adoption für sich entdeckt und organisieren eine ganze Ideologie/Theologie um das Konstrukt der 'Waisen' und der Verantwortung von Christen für diese Waisen. Aus dem Bibelvers: "Pure religion is this, to help widows and orphans in their need" leiten sie ein Handlungsprogramm ab, das immer wieder auf die gleiche Lösung hinausläuft. Adoption ist die Antwort auf viele Probleme: ungewollte Schwangerschaften, Armut, alleinerziehende Mütter, Abtreibungen. Kirchen predigen, praktizieren und bejubeln den neuen Trend, fremde Kinder in ihre Familien aufzunehmen. Da in diesen Kreisen der Zweck die Mittel immer noch heiligt, folgt aus der Adoptionsideologie ein sehr instrumenteller Umgang mit der Frage, wer eigentlich adoptionsbedürftig ist und was aus der Herkunftsfamilie wird. Egal was die Umstände sind, Hauptsache es werden Kinder gerettet.

Kathryn Joyce verfolgt die Spuren der christlichen Adoptionsmissionare insbesondere nach Äthiopien, das in den letzten zehn Jahren zum Zentrum der internationalen Adoption wurde. Dort arbeitet sie die Skandale und Misstände nochmals von Anfang an auf. Das Kapitel Inside the Boom enthält alles, was in den letzten Jahren über Korruption in Adoptionen aus Äthiopien in die USA berichtet wurde. Leider enthält es jedoch wenig, was nicht bereits vorher schon - zum Teil von Kathryn Joyce selbst - an anderer Stelle geschrieben wurde. Ihre Recherchen in Äthiopien konzentrieren sich auf die bekannten Skandale und nur am Rande auf die Stimmen der Herkunftsfamilien und Betroffenen. Sie begleitet einen Searcher auf einer Reise in ein abgelegenes Dorf, wo ein Film über eine Herkunftsfamilie gedreht wird. Dabei stellt sie fest, wie sich die Gelegenheit ein Kind nach Amerika schicken zu können herumspricht und damit erst das Verlassen von Kindern auslöst.

Sie spricht mit Vertretern von UNICEF, die diesen Mechanismus bestätigen: erst die Gründung eines Waisenhauses produziert Waisen. Die Schließung von Kinderheimen ist daher wahrscheinlich das wirksamste Instrument der äthiopischen Regierung, um die Adoptionsindustrie einzudämmen. Ob jedoch die anderen Maßnahmen der äthiopischen Regierung wirksam sind, weiß nicht einzuschätzen. Nach einem Rückgang der Zahlen geht UNICEF davon aus, dass sie wieder auf ein hohes Niveau gestiegen sind.

Die Botschaft wird in dem Kapitel sehr deutlich: Evangelisten auf dem Adoptionspfad schaffen mehr Probleme als sie lösen. Und in der Tat, wenn man Michelle Gardner in dem Film "Fly away children" dabei zusieht, wie sie in äthiopischen Dörfern die Eltern fragt, wer gerne sein Kind nach Amerika schicken möchte, dann wird klar, dass es hier in keiner Weise um "Waisen" in irgendeinem Sinne des Wortes geht. Die explodierende Adoptionsindustrie in Äthiopien hat demnach auch wenig mit christlichen Werten oder Familien zu tun sondern mit einem Versuch dem eigenen Leben mehr Sinn zu geben, wenn vermeintlich Leben gerettet werden können.

Für Adoptionsinteressierte ist dieses Buch eine wichtige Information und zwar auch für solche, die mit der christlichen Adoptionsbewegung nichts am Hut haben. Adoptionsmissionare haben in Äthiopien die Strukturen weitgehend korrumpiert. Daran kommen auch europäische Vermittlungsstellen nicht vorbei. Und zweitens ist jenseits aller Rhetorik die Haltung der Europäer nicht so anders. Bis heute sind Vermittlungsstellen für den Wahrheitsgehalt der Dokumente der vermittelten Kinder nicht verantwortlich. Auch deutsche Vermittlungsstellen weisen eine Verantwortung für das, was im Sozialbericht über die Kinder und deren Familien steht, weit von sich. Vielmehr werden angehende Adoptiveltern mit einem Augenzwinkern zu Komplizen gemacht, da man afrikanischen Dokumenten nicht zu viel Glauben schenken sollte. Erst wenn Vermittlungsstellen diese Verantwortung übernehmen und vielleicht auch rechtlich dazu gezwungen würden, wären sie an der Wahrheit wirklich interessiert. Davon sind wir aber noch weit entfernt.   

Samstag, 8. Dezember 2012

Interview mit Katrine Rijs Kjaer über Mercy, Mercy

Auf youtube findet sich nun auch ein Interview mit der Filmemacherin Katrine Rijs Kjaer über Mercy, Mercy. Herzzerreissend und erschütternd.


 

Freitag, 7. Dezember 2012

Intercountry adoption: reinforcing legislation to ensure that the child’s best interests are upheld


Am 30. November 2012 verabschiedete die parlamentarische Versammlung des Europarates eine Resolution, in der sie die Mitgliedsstaaten auffordert ihre Regulierung von Internationalen Adoptionen zu verstärken.  In einigen Fällen würden die Menschenrechte von Kindern eindeutig verletzt, wenn Kinder durch Entführungen und Menschenhandel, aber auch durch Dokumentenfälschungen und Druck auf die leiblichen Eltern in die Adoption überführt wurden.
Die Resolution beruht auf Vorschlägen der Berichterstatterin Marlene Rupprecht. In ihrem Bericht dringt sie darauf, in allen Ländern eine zentrale Behörde zur Aufsicht von Vermittlungsstellen zu errichten. International adoptierte Kinder sollten vor, während und nach der Adoption einer besonderen Aufsicht unterliegen. Die Mitgliedsländer sollten sicherstellen, dass das Thema auch im Kontext der Strategie zur Sicherung der Rechte der Kinder (2012-2015) berücksichtigt wird.

Der Bericht an sich beinhaltet wenig Neues. Die Problematik wird in groben Zügen korrekt aber eher impressionistisch wiedergegeben. Um das Problem der Rechtmäßigkeit von Privatadoptionen mogelt sich der Bericht eher herum. 

Da es sich um ein grenzüberschreitendes Problem handelt, bei dem viele Mitgliedsländer des Europarates sowohl als Empfänger- wie auch Senderländer beteiligt sind, sollte man überlegen, inwieweit der Europarat selbst nicht ein geeignetes Organ zur Überwachung Internationaler Adoptionen sein kann. Insbesondere könnte eine Ombudsstelle zur Klärung von Beschwerden und der Verifizierung von Tatsachenberichten hilfreich sein. Ein unethisches Adoptionsverfahren ist eine Menschenrechtsverletzung, die klarer definiert und sanktioniert sein müsste, um wirksam bekämpft zu werden.   
 
 
 

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Mercy, mercy on youtube

Ethiopia - Adoption goes wrong: A touching story of two Ethiopians adopted by a family from Denmark



 

Sonntag, 2. Dezember 2012

David Smolin: Externe Verifizierung notwendig

Im Kontext des Dokumentarfilms Mercy, Mercy hat der dänische Radiosender Radio24syv ein aufschlussreiches Interview mit David Smolin ausgestrahlt.

Darin plädiert er für einen systematischen Ansatz bei der Beurteilung internationaler Adoptionen. In einigen Ländern gibt es weitverbreiteten Missbrauch des Adoptionssystem durch finanzielle Anreize für kriminelle Praktiken. Dazu gehören Kambodscha, Nepal und Äthiopien.

Weiter führt David Smolin aus: Die Haager Konvention ist ein richtiger Schritt zur Regulierung internationaler Adoptionen. Allerdings gehen gerade europäische Regierungen häufig fahrlässig mit der Implementierung um, weil sie die Dokumente der Senderländer fraglos akzeptieren. Europäische Behörden verstecken sich oft hinter der Haager Konvention und überprüfen nicht den Status der Kinder, die zu ihnen kommen. Wenn es in der Öffentlichkeit bekannt ist, dass es systematische Probleme mit Korruption und Dokumentenfälschungen in einigen Ländern gibt, dann dürfen europäische Behörden sich nicht auf diese Dokmente verlassen sondern müssen selbst die Verantwortung für die Adoptionen aus diesen Ländern übernehmen. Europäische Regierungen müssen sicherstellen, dass die adoptierten Kinder tatsächlich adoptierbar sind. Wenn sie dazu selbst nicht in der Lage sind, müssen sie externe Experten damit beauftragen. Nichts erspart den westlichen Behörden die eigene Überprüfung der Rechtmäßigkeit dieser Adoptionen. Wenn er - David Smolin - als unabhängiger Experte in der Lage ist, die Situation in einzelnen Ländern einzuschätzen, dann ist es gerade zu lächerlich zu sehen, wie Regierungen angeblich immer wieder von Korruptionsvorwürfen und Skandalen überrascht werden.

Man muss zur Ehrenrettung deutscher Gerichte sagen, dass diese im Fall von Adoptionen aus Ländern, die die Haager Konvention nicht ratifiziert haben, die Adoptionen nach deutschen Maßstäben überprüfen. Allerdings erfolgt diese Prüfung viel zu spät, nämlich lange nachdem die Adoption vollzogen wurde, und es erfolgt keine Überprüfung der Tatsachen sondern nur der Papierlage. Ob die Papiere mit den Tatsachen übereinstimmen, prüft dabei niemand, obwohl Urkundenfälschung wohl der häufigste Fall von illegalen Praktiken sein dürfte. Für Deutschland bedeutet dies ein klarer Auftrag an das Bundesjustizamt in Äthiopien selbst tätig zu werden und sicher zu stellen, dass die Adoptionen rechtmäßig sind. Das kann man nicht den Vermittlungsstellen alleine überlassen, insbesondere dann nicht, wenn sie ein finanzielles Interesse an dem Zustandekommen der Adoption haben.
 

Samstag, 1. Dezember 2012

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Adoptionen sind ein tiefer Eingriff in das Leben eines Kindes und der Familien. Dieser Eingriff bedarf einer besonders guten Vorbereitung, einer Begründung und großer Professionalität der Beteiligten. Wer sich länger mit Internationalen Adoptionen beschäftigt, weiß, dass alle diese Faktoren nicht zutreffen. 

Die Geschichte, die dem Dokumentarfilm Mercy, Mercy zugrunde liegt, illustriert das Dilemma und das Fehlverhalten auf verschiedenen Ebenen. Kein Sozialarbeiter in einem entwickelten Land, auch nicht in Dänemark, käme auf die Idee eine Adoption von Kindern in einer intakten Familie anzuregen oder gar zu erlauben, weil die Eltern HIV infiziert sind. Die Kinder würden in der Familie verbleiben, bis es nicht anders geht oder die Eltern wirklich versterben. Wären die Kinder dann im Heim und keine Angehörigen in der Nähe, könnte man über Adoptionen nachdenken. Warum gilt das, was in Europa selbstverständlich ist, in Afrika nicht? Warum kann eine dänische Adoptionsvermittlungsstelle andere Maßstäbe in internationalen Adoptionen anlegen als in dänischen?

Es ist im Übrigen bei Adoptionen aus Äthiopien gang und gäbe, dass die Kinder nicht Waisen sind sondern noch ein Elternteil, meistens Mütter, haben, die einfach zu arm und manchmal auch zu krank sind, um viele Kinder zu versorgen. Dass zwischen den Müttern und den adoptierten Kindern eine Beziehung besteht, die auch durch Gerichtsbeschluss nicht einfach aufgehoben wird, wird sowohl von Vermittlungsstellen als auch von Adoptiveltern oftmals ignoriert und verursacht viel Leid auf beiden Seiten. Manchmal lehnen die Kinder einen Kontakt zur leiblichen Mutter oder Familie lange Zeit ab. Manchmal hilft es ihnen aber auch, um mit der Situation umzugehen, weil sie sich um die Mutter und zurückbleibende Geschwister sorgen. Manchmal gab es Konflikte in der Familie, die nicht aufgearbeitet sind. Die Vermittlungsstellen wie auch viele Adoptiveltern sind auf dieses Problem viel zu wenig eingestellt. (Es gibt dazu unterschiedliche Praktiken der Vermittlungsstellen, die wir auf Anfrage gerne genauer erläutern.)

Darüber hinaus ist die gesamte Diskussion über Adoptionen und deren Erfolgsbedingungen mehr von Mythen und Ideologien bestimmt als von wirklichen Erkenntnissen, was gut für Kinder ist. Die Forschungslage ist erschreckend dünn und die Praxis ist in der Regel handgestrickt. Einige Beispiele: das Alter zum Zeitpunkt ist nicht entscheidend für das Gelingen einer Adoptivfamilie. Entscheidend ist die Traumatisierung des Kindes. Ein älteres Kind kann bereits mehr Leid erlebt haben und damit die neue Adoptivfamilie mehr belasten. Aber auch kleinste Kinder können durch Hungererfahrung schwerstens traumatisiert sein. Ein anderes Beispiel: angehenden Adoptiveltern wird nur wenig Vorbereitung für ihre Aufgabe zugemutet. Insbesondere gilt das Motto: Eltern sollen Eltern sein und keine Therapeuten. Das wird ihrer neuen Rolle nicht gerecht. Adoptiveltern müssen eine Vorbildung im Umgang mit Trauma und Bindungsverlust haben, um auf die Signale der Kinder richtig reagieren zu können. Und zwar nicht erst dann wenn die Krise eingetreten ist. Angehende Pflegeeltern müssen mehrere Seminare absolvieren, um sich für ihre neue Rolle zu qualifizieren. Bei Adoptiveltern reicht ein Tagesseminar.

Adoptionskritiker sprechen gerne von der Adoptionsindustrie und der starken Nachfrage nach Babys, um die Missstände zu beschreiben. Um im Bild zu bleiben: viele Probleme mit internationalen Adoptionen haben in der Tat mit dem Geschäftsmodell zu tun. Eine bessere Kontrolle der Praktiken im Land und eine intensivere Vorbereitung von Adoptiveltern kostet Geld und schreckt vielleicht auch Bewerber ab. Der Mythos, dass in Afrika kleine Kinder in Waisenhäusern auf gutwillige Eltern warten, reduziert die Erwartungen bei Eltern wie Behörden, dass auch bei solchen Adoptionen strenge Kriterien angelegt werden müssen. In vieler Hinsicht handeln wir noch heute so wie Mitte der achtziger Jahre, als die Hungersnot in Äthiopien den Startschuss für Adoptionen aus Afrika gegeben hat und Menschen aus reichen Ländern genuin Kinder retten wollten. Seitdem ist jedoch mehr als ein Vierteljahrhundert vergangen. Es wird Zeit, die Praxis zu überprüfen und heutigen Standards anzupassen.

Samstag, 10. November 2012

Verschärfte Maßnahmen des äthiopischen Familienministeriums zur Bekämpfung von Missständen

Seitdem die Missstände in Adoptionsverfahren aus Äthiopien im Sommer 2009 bekannt wurden, gab es eine Reihe von Maßnahmen von Seiten der äthiopischen Regierung, um sie zu bekämpfen. In den letzten Wochen wurden weitere Schritte bekannt. Sie betreffen insbesondere die Sicherstellung des Kindeswohls nach der Vermittlung.

Zum einen verlängerte das äthiopische Familienministerium den Zeitraum, für den Adoptivfamilien jährliche Entwicklungsberichte schreiben müssen. War es bislang bis zum 15. Lebensjahr, wurde der Zeitraum auf das vollenendete 18. Lebensjahr erweitert.

Zeitgleich wurden zwei amerikanischen Vermittlungsstellen, International Adoption Guides und Adoption Advocates International die Lizenz vorläufig entzogen. Beide Vermittlungsstellen hatten Kinder in Familien vermittelt, in denen die Kinder später misshandelt wurden. Es gab im Laufe des letzten und diesen Jahres mehrere Berichte über Kindermisshandlungen in amerikanischen Adoptivfamilien, die in zumindest einem Fall zum Tod des Kindes führten.

Drittens hat das Familienministerium angekündigt, Delegationen in die Empfängerländer zu senden, um die Arbeit der Vermittlungsstellen vor Ort zu überprüfen. In den USA hat dies schon dazu geführt, dass sich 19 Vermittlungsstellen zusammen geschlossen haben, um die Delegation auf ihre Kosten in die USA zu bringen. Sie hatten nach einem Bericht des Wall Street Journals beim Justizministerium angefragt, ob eine Kostenübernahme gegen die amerikanischen Antikorruptionsgesetze verstossen würden, die eine finanzielle Zuwendung an ausländische Behördenmitarbeiter im Kontext von Geschäftsinteressen verbieten. Während die Finanzierung der Reise vom amerikanischen Justizministerium genehmigt wurde, stellt sich die Frage der Korruptionsanfälligkeit dieser Besuche natürlich dennoch. Vermittlungsstellen haben ein großes Interesse daran, es der Delegation während ihrer Dienstreise besonders gut gehen zu lassen, damit sie später bei der Verlängerung ihrer Lizenzen keine Probleme bekommen. Eine Übernahme der Kosten durch die Vermittlungsstellen ist daher keine gute Idee.

In diesem Kontext haben sich auch die Kosten für die Lizenzen von Vermittlungsstellen in diesem Jahr drastisch erhöht. Das äthiopische Familienministerium verlangt im Gegenzug für eine Lizenz eine Finanzierung von Schulprojekten. Die Finanzierung öffentlicher Aufgaben durch Vermittlungsstellen ist natürlich sehr problematisch, da auf beiden Seiten Abhängigkeiten entstehen: der äthiopische Staat macht sich in seiner Sozial- und Schulpolitik von den Zahlungen der Vermittlungsstellen abhängig und die Vermittlungsstellen kommen in die Gefahr für die Vermittlung von Kindern ein "Kopfgeld" bezahlen zu müssen. Auch das ist eine ungute Entwicklung und nicht im Sinne des Kindeswohls.

In jedem Fall werden Delegationen äthiopischer Behörden im nächsten Jahr auch nach Deutschland kommen. Sie werden ganz konkret auch Adoptivfamilien und adoptierte Kinder treffen wollen. Die Vermittlungsstellen müssen diese Treffen organisieren, um den Delegationen entgegen zu kommen. Man kann nur hoffen, dass bei diesen Treffen ein Dialog darüber entsteht, wie sich die Standards verbessern und Korruption eliminieren lässt, und nicht stattdessen die Delegationsreise als solche schon Bestandteil korrupter Praktiken sein wird.    

Montag, 17. September 2012

Investigating the Grey Zones

The US branch of ISS - International Social Service - has published a detailed report about illegal practices in intercountry adoption. The report titled "Investigating the Grey Zones of Intercountry Adoption" covers a wide spectrum of problems ranging from Baby Farms, Child Laundering to Abduction and Forced Abandonment. It is a comprehensive overview of reported scandals and links those intelligently with international law particularly with the The Hague Convention of 1993 (THC 93). It's starting point is in fact that despite the increasing ratification of the Hague Convention about 60% of all intercountry adoptions take place in countries which are not covered by the Convention. Those countries who are covered tend not to get involved, while those countries, particular sending countries, who are involved are not covered by the convention.

While the report is certainly very useful as a documentation of widespread abuse of the system, it's overall message and approach is not as effective as it could be. A few comments can point to the problem:
  • The report aims to cover "grey zones". In fact the examples given and the themes discussed are not at all grey but clearly illegal. Document falsification, baby farming and stealing, forced abandonment are all criminal acts - even in countries with weak administrative systems where they usually take place. This is not a grey zone but rather a zone in which illegal acts are not prosecuted. Even in countries such as Ethiopia baby stealing, laundering and forced abandonment is not legal. This is a big difference because it points to potential solutions of the problem.
  • The debate about definitions of illegal adoption as child trafficking might hinder international cooperation but the act in itself - the illegal adoption - can be prosecuted even if it is not defined as child trafficking.
  • Problems of enforcement and prosecution of illegal adoption procedures point to the fact that in many sending (and sometimes receiving) countries, public authorities such as the police, courts and immigration authorities are implicated in illegal adoptions. Courts for instance processes cases which do not have sufficient paperwork; police officers report children as abandoned without searching for their families; immigration authorities give entry visa even though the adoption papers are dubious. If these public agencies were more careful in playing their roles and held accountable, much less of illegal adoption would take place.
  • The responsibility of the receiving country is downplayed in this perspective. The receiving country usually has the resources and the administrative capacity to apply the rule of law to intercountry adoptions. They should be hold accountable for the legality of the adoptions they process. Rather than pointing to weak administrations in poor countries, agencies and public authorities of receiving countries need to take on their responsibilities which their governments agreed to under THC93.
  • The money flow in ICA can be regulated by receiving countries. Fees could be monitored and agency behaviour could be controlled. It is a lack of will in receiving countries that allows easily corruptable actors and procedures to flourish.
  • Therefore there is little need to wait for THC93 to be strengthened or even applied in all sending countries. The lever for stopping abuse in the system lies squarely with the regulators in receiving countries. This is where the emphasis and spotlight should be.
Again, a great report but also a missed opportunity to identify the weaknesses of existing regulation in ICA.  

Donnerstag, 21. Juni 2012

Motive

Was treibt euch eigentlich an, werden wir manchmal gefragt. Habt ihr so schlechte Erfahrungen gemacht? Und in einigen Kommentaren werden unsere Positionen und der Blog an sich mit Verbitterung erklärt.

Die Fragen sind interessant, denn sie unterstellen, dass nur "Geschädigte" sich jemals für die Verbesserung von nicht optimalen Verfahren einsetzen würden. Weit gefehlt. Als Beteiligte haben wir das derzeitige Adoptionsverfahren aus erster Hand erlebt. Wir haben dabei Beobachtungen und Erfahrungen gemacht, die uns zu Denken gegeben haben. Dazu gehören zum Beispiel:
  • Amerikanische Adoptivfamilien und Vermittlungsstellen in Äthiopien, die wesentliche Grundsätze der Adoptionsvermittlung verletzen und damit das gesamte System infrage stellen;
  • Ein laxer Umgang mit der Herkunftsfamilie und deren Verständnis von der Bedeutung der Adoption;
  • Die Vermittlung von verlassenen Kindern, deren Eltern leicht hätten gefunden werden können;
  • Das "Zurechtrücken" von Erinnerungen von Kindern an deren Familien;
  • Kinder, die von ihren Herkunftsfamilien in die Adoption 'geschickt' wurden, um Geldzahlungen zu erreichen;
  • Die Vermittlung von Kindern, deren Mütter einfach zu arm waren, um sie zu versorgen.
  • Eine fehlende Öffentlichkeit und Bereitschaft, sich mit Fehlentwicklungen auseinanderzusetzen.
Aus diesen Gründen beschäftigen wir uns mit ethischen Fragen in der Internationalen Adoption. Unsere eigenen Erfahrungen sind dabei fast unerheblich und sehr unterschiedlich. Das Adoptionsspektrum umfasst alles von rundherum glücklichen Kindern und harmonischen Familien bis zu nahezu zerbrochenen Familien und Kindern.

Man kann auch von dem "Ethikgehalt" des Vermittlungsverfahrens nicht auf den "Erfolg" der Adoption schliessen. Dubiose Vermittlungen müssen nicht zum Scheitern der Adoptivfamilie führen und ethische Verfahren garantieren noch nicht, dass die Adoptivfamilie glücklich wird. Vielmehr kann man eine Adoptionsgeschichte als eine Schicksalslotterie ansehen. In einigen Fällen ziehen die Familien und die Kinder das große Los. Ihre Bedürfnisse harmonieren miteinander und die Grundcharaktere der beteiligten Individuen sind miteinander kompatibel. In einer jedoch nicht zu unterschätzenden Minderheit gibt es massive Probleme aufgrund von Traumatisierungen aber auch Inkompatibilitäten. Adoptiveltern sind nicht auf das Maß der Probleme vorbereitet und verzweifeln an den Kindern. Manche Kinder wollen keine neue Familie in einem fernen Land sondern suchen an ihrer Heimat. Und die Mehrheit der Familien befindet sich irgendwo dazwischen. Dazu gehören viele Eltern, die zugeben, dass sie die Auswirkungen einer Adoption unterschätzt haben; die sich jedoch wieder so entscheiden würden. Das ganz normale Leben also.

All das soll jedoch nicht davon ablenken, dass die Verfahren heute ethische Mängel aufweisen. Darum soll es an dieser Stelle weiter gehen. Ungeachtet der persönlichen Betroffenheit.

Sonntag, 20. Mai 2012

Drei Schicksale

Die Schicksale von drei international adoptierten Kinder beherrschen zurzeit die Diskussion über ethische Adoptionen in den USA. Alle drei Geschichten sind sehr unterschiedlich, aber gleichermaßen traurig. Es geht bei diesen Fällen in erster Linie um menschliches Fehlverhalten, aber auch um die Frage, wie es verhindert werden kann.

Artyom Hansen ist ein aus Russland adoptierter Junge, der von seiner Adoptivmutter im Alter von sieben Jahren unbegleitet und mit einem Brief versehen nach Moskau geschickt wurde. In dem Brief stand, dass sie nicht mehr seine Mutter sein wolle. Der Junge wurde danach zum Spielball einer russisch-amerikanischen Auseinandersetzung, bei der zunächst alle Adoptionen ausgesetzt wurden. Er lebt seitdem in einem SOS Kinderdorf in Russland. In den USA wurde nun das gerichtliche Nachspiel entschieden. Adoptivmutter Torry Hansen wurde zur Zahlung von 150.000$ verurteilt. Darin enthalten sind Unterhaltszahlungen sowie eine Schadensersatzforderung der Vermittlungsstelle. Zwar wurde die Adoption in Russland annulliert; in den USA ist sie jedoch weiterhin Grundlage für Unterhaltszahlungen. Der Vermittlungsstelle wurden tatsächlich 40.000$ Schadensersatz zugestanden.

Anyelí Liseth Hernández Rodríguez wurde im Alter von zwei Jahren in Guatemala entführt und zur Adoption in die USA gebracht. Ihre Mutter suchte jahrelang nach ihrer Tochter und konnte sie ausfindig machen.  Ein Gericht in Guatemala verurteilte nicht nur diejenigen, die an dem Kinderhandel beteiligt waren sondern verfügte auch die Rückkehr der Tochter. Nun hat das amerikanische State Department reagiert und beschlossen, dass das Kind seinen Eltern nicht wieder zurückgegeben werden muss. Nach Angaben des State Departments sei zum Zeitpunkt der Entführung die Haager Konvention noch nicht ratifiziert gewesen. Daher finde sie in diesem Fall keine Anwendung.  Die Mutter versucht nun, die Herausgabe gerichtlich in den USA zu erreichen.

Kairi Abha Shepherd ist von Ausweisung nach Indien bedroht. Sie wurde im Alter von drei Monaten im Jahr 1982 in die USA adoptiert. Ihre Adoptivmutter starb 1991, ohne für ihre Tochter die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragt zu haben. Das Kind kam in Pflege und wurde als Erwachsene straffällig. Sie kann nun in ein Land ausgewiesen werden, in das sie keine Verbindungen hat und dessen Sprache sie nicht spricht.

In allen drei Fällen gibt es ein zum Teil dramatisches Fehlverhalten von Adoptiveltern. In den Fällen von Artyom Hansen und Kairi Abha Shepherd waren die Adoptivmütter alleinstehend und mit ihren Kindern überfordert. (Das soll in keiner Weise das Verhalten von Torry Hansen entschuldigen.) Die ablehnende Haltung der Adoptiveltern von Anyelí Liseth Hernández Rodríguez gegenüber der leiblichen Mutter ist zwar verständlich aber falsch.

Alle drei Fälle sind zwar extrem aber keine Einzelfälle. Es gibt Schätzungen, dass bis zu 200 russische Adoptivkinder wieder nach Russland gebracht wurden. Auch Anschuldigungen von Kindesentführungen in Guatemala sind weiter verbreitet als man denkt. Ebenso sind eine ganze Reihe von amerikanischen Adoptivkindern von Ausweisung bedroht.

Montag, 14. Mai 2012

"Emotionale Familienangehörige " - US Botschaft trifft Vermittlungsagenturen

Das amerikanische Außenministerium hat eine Zusammenfassung einer Besprechung der US-Botschaft in Addis Abeba mit Vermittlungsagenturen auf seine Webseite gestellt. Bei der Besprechung um 18. April 2012 ging es unter anderem um Interviews, die die Botschaft mit Angehörigen zur Adoption freigegebener Kinder durchführt. Bei diesen Interviews stellen die Beamten der Botschaft immer wieder fest, dass die Angehörigen glauben, dass die Kinder im Alter von 18 Jahren wieder nach Äthiopien kommen. Wenn sie dann darüber informiert werden, dass Adoptionen die Familienbande für immer auflöst und sie nicht auf eine Rückkehr hoffen sollen, werden Familienangehörige oftmals sehr emotional:

"Our office conducts birth relative interviews for most relinquishment cases, and conducts interviews with local officials and police for most abandonment cases. The purpose of these interviews is to confirm the child’s orphan status and, in relinquishment cases, to ensure that the relinquishing parent or family member fully understands the relinquishment process. During these interviews, we continue to encounter birth relatives who have been told that a child will return to Ethiopia at the age of 18. When informed that intercountry adoption is a permanent severing of a familial relationship and that there should be no expectation of the child’s return, birth relatives often become very emotional."

Als allgemeine Trends und Diskussionspunkte werden angegeben:
  1. Eine Zunahme von verlassenen anstatt abgegebener Kinder.
  2. Ganze Kindergruppen, die von einem Dorf gleichzeitig abgegeben werden.
  3. Adoptionsverträge, die unterschrieben werden, bevor das Kind überhaupt zur Adoption freigegeben wurde. 
 Leider hört sich die Besprechung nicht danach an, als hätten sich die ethischen Probleme der Vermittlungspraxis der letzten Jahre merklich verbessert.

Freitag, 4. Mai 2012

Soll man aus Äthiopien adoptieren?

Ein Beitrag von EJ Graff in The American Prospect argumentiert gegen Adoptionen aus Äthiopien. Ihre Gründe basieren auf der unseligen Dynamik, die einsetzt, wenn große Summen Geld von einem reichen Land in ein armes Land fließen: es entsteht ein neues Geschäftsmodell, in dem skrupellose Mittelmänner durch die ländlichen Gebiete Äthiopiens ziehen und arme Familien überreden, ihre Kinder zur Adoption freizugeben. Ein typisches Muster sind Familien, in denen ein Elternteil stirbt und das Kind Stiefeltern bekommt, die sich nicht um das Kind kümmern können oder wollen.

Diese Familien werden zudem mit Versprechen geködert, von denen die Adoptivfamilien nichts wissen. Die leiblichen Verwandten denken, dass ihr Kind später Geld schicken wird oder zumindest durch das Kind eine Verbindung in ein reiches Land aufgebaut wird, dass sich für die Familie vorteilhaft auswirkt. Diese Vorstellung ist auch nicht unrealistisch. Immer mehr arme Länder leben von den Geldsendungen von Arbeitsmigranten. Ungefähr 2 Millionen Äthiopier leben im Ausland. Die Weltbank schätzt, dass 14 Prozent der Äthiopier regelmäßige Geldsendungen aus dem Ausland erhalten mit einem Durchschnitt von 600 Dollar im Jahr. Warum sollten Adoptionen nicht ein weiterer Weg von Geldsendungen and äthiopische Familien sein?

Das Einsammeln von Kindern im Gegenzug mit Versprechen von finanzieller Unterstützung ist eines der Hauptprobleme von Adoptionen aus Äthiopien. Es ist jedoch nicht das einzige. Die Verflechtung von politischen Interessen im Adoptionsprozess, der Mangel an rechtstaatlichen Standards und Verfahren ist ein weiteres. Sollte man von Adoptionen aus Äthiopien derzeit absehen?

In jedem Fall sollte man in einer Adoption aus Äthiopien kein ethisch einfaches Unterfangen zur Familiengründung sehen. Man sollte, wie an dieser Stelle schon mehrfach betont, Fragen stellen und sich auf die entsprechenden Diskussionen einlassen. Man sollte davon ausgehen, dass es eine erweiterte Familie des Kindes gibt, mit dessen Schicksal man sein eigenes Leben unmittelbar verknüpft. Das kann in einer Verantwortung für weitere Geschwister im Land, in finanzielle Unterstützung, aber auch in der Betreuung anderer Familienmitglieder in Deutschland münden. Derzeit fehlen die Verfahren, um ein gutes Verhältnis zur ersten Familie aufzubauen und zu pflegen. Darauf hinzuarbeiten ist die Aufgabe derjenigen, die auch in Zukunft sich für internationale Adoptionen einsetzen wollen.


Dienstag, 3. April 2012

Ethnozentrismus und ethische Verfahren

Kann man an Äthiopien die gleichen Rechtsgrundsätze anwenden wie an entwickelte Demokratien? Oder ist es 'ethnozentrisch', wenn man dies tut? Das war der Vorwurf eines Kommentars auf das 'Einmaleins der ethischen Adoption'.

Man kann nicht nur sondern man muss. Und zwar aus mehreren Gründen:
  • Aus Gründen der Rechtssicherheit im eigenen Verfahren. Eine äthiopische Adoption muss anerkannt und umgewandelt werden. Dabei wird auch die Kompatibilität der Verfahrensgrundsätze geprüft. Wenn das deutsche Gericht zu dem Schluss kommt, dass wesentliche deutsche Rechtsgrundsätze verletzt wurden, können diese Adoptionen nicht anerkannt werden.
  • Aus Gründen der Rechte des Kindes an der Kenntnis der eigenen Herkunft. Es gibt gute Gründe für Geburtsurkunden und Abstammungsurkunden. Deutsche Behörden sollten auf äthiopische Geburtsurkunden drängen, in denen die Eltern tatsächlich genannt werden. Dies erlaubt dem Kind seine Herkunft zu dokumentieren.
  • Menschenhandel lässt sich nur durch Information, Transparenz und Offenheit bekämpfen. Die allseits herrschende Einstellung, dass man bei der Betrachtung äthiopischer Dokumente besser nicht so genau hinschaut, öffnet Korruption und Dokumentenfälschung Tür und Tor. Nur wenn man es von deutscher Seite ablehnt, dubiose Dokumente in Empfang zu nehmen, wird sich daran etwas ändern.
Kann man darüber hinaus noch in das Herkunftsdorf reisen? Oder überfordert man damit nicht die Adoptivfamilie? Das ist ein ernster Punkt. Es spricht vieles dafür, die erste Begegnung mit dem Kind und die Begegnung mit der Herkunftsfamilie voneinander zu trennen. Beides sollte sorgfältig vorbereitet werden. Insbesondere die Vermittlungsstellen sollten eine Begegnung mit der Herkunftsfamilie zu einem Verfahrenstandard machen. Eine ausführliche Dokumentation der Familie und die Wege, wie das Kind ins Heim gekommen ist, gehört mit dazu.

Diese Standards sind nicht ethnozentrisch sondern grundlegende Prinzipien zum Schutz des Kindes. Eine internationale Adoption ist ein tiefer Eingriff in die Rechte des Kindes und der Herkunftsfamilie. Er sollte wohl überlegt und vorbereitet sein. Zumindest sollte sicher gestellt sein, dass das Kind wirklich adoptionsbedürftig ist und nicht Opfer finanzieller Interessen wird.

Adoptiveltern sollten die ersten sein, die ein Interesse an besseren Standards haben. Denn sie tragen alle Risiken einer unethischen Adoption.

Freitag, 30. März 2012

Fallstricke umgehen: Das Einmaleins der ethischen Adoption

In den letzten Wochen wird dieser Blog von vielen Lesern besucht, die sich über Adoptionen aus Äthiopien informieren wollen. Das sehen wir an den Zugriffen, die über eine google Suche "Adoption Äthiopien" zu uns finden. Für alle diejenigen, die noch am Anfang des Prozesses stehen, möchten wir ein paar Hinweise zusammenstellen, um die ethischen Fallstricke einer Adoption aus Äthiopien möglichst zu umgehen:
  • Informationen sind alles. Eine gut informierte Adoptivfamilie ist viel besser in der Lage mit den Herausforderungen umzugehen. Informieren Sie sich über die Lage in Äthiopien, die herrschenden Gesetze, die politische Situation und die Adoptionsskandale der letzten Jahre. Das hilft Ihnen die richtigen Fragen zu stellen und Gefahrensituationen zu erkennen.
  • Informieren Sie sich auch über die Herausforderungen von Adoptionen von älteren und kleineren Kindern. Lesen Sie die Bücher von unserer Leseliste. Gehen Sie vorbereitet in diese Entscheidung, die wie keine andere ihr Leben verändern wird. Sprechen Sie mit Adoptiveltern über Probleme und Herausforderungen. 
  • Wenn Sie einen Kindervorschlag bekommen: Fragen Sie, wie das Kind ins Heim gekommen ist. Rekonstruieren Sie die Geschichte Ihres Kindes im Detail. Kein Kind hat keine Verwandte. Wenn die Eltern verstorben sind, fragen Sie nach Tanten, Onkel und Großeltern. Diese können Ihnen Auskunft über Eltern, Familienkonstellation und Gründe für die Abgabe ins Heim geben. Treffen Sie die leibliche Mutter, auch wenn es Ihnen schwer fällt.
  • Reisen Sie in das Herkunftsdorf des Kindes. "Waisentourismus" in ländliche Gebiete in Äthiopien sind aus guten Gründen umstritten. Sie sollten dort nicht als reiche Weiße auftreten und Begehrlichkeiten wecken. Andererseits müssen sie das Umfeld kennenlernen, in das ihr Kind geboren wurde. Es gibt Ihnen den Schlüssel zur Identität Ihres Kindes.
  • Verlassene Kinder ohne Verwandte haben eine schwere Last zu tragen. Kinder werden ausgesetzt oder laufen von zu Hause weg. Sie sollten nachverfolgen, ob und wie nach den Eltern gesucht wurde. Es gibt viele Fälle, bei denen später die Eltern leicht gefunden werden konnten, obwohl die Ermittlungen der Polizei nichts ergaben. Sprechen Sie mit der Heimleitung über die Suche nach den Eltern. Sprechen Sie mit der Polizei. Besuchen Sie den Ort, wo ihr Kind gefunden wurde. Machen Sie deutlich, dass sie daran interessiert sind, die Eltern zu finden.
  • Sprechen Sie mit ihrer Vermittlungsstelle auch über unangenehme Themen. Sprechen Sie über Kinderhandel, Korruption und die Verbindung der Vermittlungsstelle zum Heim. Fragen Sie, welcher Geldbetrag an das Heim gezahlt wird und wofür. Es ist Ihr Geld.
Und es ist Ihre Familie, um die es geht.   

Samstag, 21. Januar 2012

The big picture - David K. Smolin im Interview

Auf dem Blog "Land of Gazillion Adoptees" findet sich ein kenntnisreiches und informatives Interview mit David K. Smolin. David Smolin ist Jurist und Adoptivvater, dessen beide Adoptivkinder in Indien von ihrer Mutter gestohlen und zur Adoption freigegeben wurden. Die Erfahrung seiner Töchter sowie die Reaktion der amerikanischen Adoptionsindustrie darauf haben ihn zu einem der einflussreichsten Kritiker der internationalen Adoption in den USA gemacht. In dem Interview spricht David Smolin von der Rolle evangelikaler Christen, der Entwicklung internationaler Adoption allgemein sowie dem wichtigsten Thema, wenn es um kriminelle Praktiken geht: der Rolle des Geldes, das Vermittlungsstellen und Kinderheime an Adoptionen verdienen können. Trotz einer breiteren Diskussion über ethische Themen in Auslandsadoptionen sei es noch immer nicht möglich, Forderungen zur Kontrolle und Begrenzung der Geldflüsse der Vermittlungsstellen offen zu stellen. 

David Smolin schreibt zudem juristische Abhandlungen zu Auslandsadoptionen, der Haager Konvention sowie evangelikaler Christen, die hier zu finden sind.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Der perfekte Sturm

Eine Leserin hat uns auf einen neuen Artikel von Kathryn Joyce hingewiesen, der in der Zeitschrift  The Atlantic erschien und in der Tat lesenswert ist. Er ist überschrieben mit "How Ethiopia's Adoption Industry Dupes Families and Bullies Activists" und beschreibt im Wesentlichen, wie die amerikanische Adoptionsindustrie versucht, durch Einschüchterung von Kritikern und Adoptiveltern die Vermittlungswege weiter offen zu halten.

Für Leserinnen und Leser dieses blogs ist die Geschichte, wie die amerikanischen Vermittlungsstellen Äthiopien eroberten, bereits bekannt. Einige neue Aspekte gibt es jedoch. Der erste ist die eindeutige Aussage, dass für äthiopische Familien die Vorstellung von Adoption eine völlig andere ist als in westlichen Gesellschaften.

"Äthiopier haben nicht die Vorstellung, dass Adoption ein klarer Bruch mit der ersten Familie ist. Manche denken, dass das Kind zwar im Ausland aufwächst, aber sie es danach wieder sehen werden. Eine hoch entwickelte und verrechtlichte Gesellschaft trifft auf eine sehr arme und traditionelle."

Wenn sich in den Dörfern herumspricht, dass die Familien von der Abgabe eines Kindes profitieren, dann wirkt das ansteckend. "Es ist sehr gefährlich; man spielt mit der Armut der Menschen, ihren Gefühlen und Bedürfnissen in einer wirklich profunden Art und Weise."

Der zweite Aspekt betrifft die Umsetzung des Adoptionsstopps. Bis heute wurden 23 Kinderheime geschlossen. Gleichzeitig zeigt eine Analyse von Gerichtsurteilen, die von UNICEF in Äthiopien durchgeführt wurde, dass der Stopp nicht lange angehalten hat, und heute die Adoptionszahlen wieder auf dem vorherigen Niveau sind.

Drittens gibt es nun direkte Hinweise darauf, dass es durchaus gefährlich ist, wenn Adoptivfamilien die Herkunft ihrer Kinder überprüfen wollen. Während es einerseits eine positive Entwicklung ist, dass Adoptiveltern dies tun, stoßen sie gleichzeitig auf Hindernisse, da die Searcher, die sie damit beauftragen, von offiziellen Stellen eingeschüchtert werden, die dazu noch von den Vermittlungsstellen dazu angehalten werden.
 
Ob sich durch den angekündigten Adoptionsstopp in diesem Jahr an den Praktiken tatsächlich etwas geändert hat, ist nicht klar. Einerseits gibt es ein größeres Bewusstsein von ethischen Aspekten in Adoptionsverfahren und die Regierung hat das Thema aufgegriffen. Andererseits ist die Nachfrage weiterhin hoch; und der Druck der Vermittlungsstellen auf die Gerichte und Regierung scheint erfolgreich gewesen zu sein.

Montag, 21. November 2011

Die USA - the elephant in the room

"The elephant in the room" ist im Englischen ein unausgesprochenes aber gleichsam dominantes Thema einer Diskussion, dessen Thematisierung heikel und unangenehm ist. In der Diskussion über Ethik in Auslandsadoptionen sind die USA ein solches Thema: sie definieren aufgrund ihrer zahlenmäßigen Dominanz das Geschehen und setzen damit Standards, an denen andere kaum vorbei kommen. Gleichzeitig sind diese Standards jedoch gleich mehrfach ethisch fragwürdig und problematisch. Die Folge davon ist ein polarisierter Diskurs über Adoptionen in den USA sowie eine umsatzorientierte Adoptionsindustrie, die von einem Herkunftsland zum nächsten zieht.

Die USA sind ein ausgesprochen adoptionsfreudiges Land. Nicht nur Hollywoodgrößen adoptieren regelmäßig Kinder sondern auch in der Bevölkerung sind Adoptionen weit verbreitet. Jährlich werden ca. 100.000 Kinder in den USA adoptiert, davon weniger als 15% aus dem Ausland. Es werden sowohl Kinder aus dem Ausland adoptiert als auch ins Ausland vermittelt. Schwangere können im Vorfeld die Adoption ihrer Kinder arrangieren und sich die potentiellen Adoptiveltern aussuchen. Private Adoptionen über Rechtsanwälte sind möglich, die ihre eigenen Sozialarbeiter für Sozialberichte beschäftigen und damit eine staatliche Kontrolle komplett umgehen. Die Kosten für Adoptionen reflektieren das Angebot und Nachfrage: die Adoption eines afro-amerikanischen Jungen ist signifikant billiger als die Adoption eines hellhäutigen Mädchens. Der Adoptionsdiskurs wird von evangelikalen Kirchen dominiert, die im Geiste der christlichen Familienideologie die Abgabe von Babies zur Adoption als lobenswerte Entscheidung junger Frauen betrachtet. Gleichzeitig gibt es in einzelnen Bundesstaaten nach wie vor die Inkognitoadoption und für diese Adoptierte kein Recht auf die Kenntnis der eigenen Abstammung, obwohl erwachsene Adoptierte vehement für dieses Recht eintreten.

Die Mischung aus religiösem Eifer, schwachen individuellen Rechten Adoptierter und einer vorbehaltlosen Freude daran Familien neu zusammenzusetzen, führt auch in den USA zu heftiger Kritik. Zahllose Blogs erwachsener Adoptierter und abgebener Mütter ereifern sich tagtäglich über das Unrecht, das ihnen widerfuhr und ziehen gegen die Adoptionsindustrie und deren Interessen mit recht geringem Erfolg zu Felde.

Warum ist dieser Umgang für die Diskussion über Ethik in Auslandsadoptionen relevant? Auch in den USA übersteigt die Nachfrage nach Kindern das Angebot. Insbesondere ist es für viele Amerikaner attraktiver, afrikanische, lateinamerikanische und chinesische Kinder zu adoptieren als afro-amerikanische. Kombiniert mit dem ideologischen Gerüst, durch Adoptionen Kinder in der Dritten Welt vor dem sicheren Tod oder zumindest einem Leben auf der Straße zu retten, ziehen Adoptionsagenturen in arme Länder und bauen dort ihre Vermittlungsstrukturen auf. Einmal dort angekommen belassen sie es jedoch nicht bei der Vermittlung tatsächlich elternloser Kinder sondern übertragen ihren Ansatz der bereits vorstrukturierten Übergabe von Babies von jungen unverheirateten Müttern an amerikanische Familien in diese Länder, ohne es mit den tatsächlichen Verhältnissen zu genau zu nehmen. Die amerikanischen Botschaften sind zumindest implizit in diese Praktiken verwickelt, da sie bereit sind, selbst grob fehlerhafte Dokumente durch weitere Nachforschungen zu korrigieren.

Eine solche Welle ist in den letzten zehn Jahren auch über Äthiopien hinweg gerollt. Dort sind die Adoptionen in die USA von 42 im Jahr 1999 auf über 2500 im Jahr 2010 explodiert. Ähnliche Prozesse vollzogen sich zuvor schon in Russland, China und Guatemala. Diese drei Länder haben jedoch mittlerweile auf die amerikanische Adoptionsindustrie reagiert. Insgesamt führte dies zu einem Rückgang internationaler Adoptionen um 60% in den letzten fünf Jahren, da zunehmend die Senderländer die Möglichkeit zur Adoption einschränkten. Äthiopien hat in diesem Jahr genau den gleichen Weg beschritten, als es die Zahl der Adoptionen beschnitt. Im Jahr 2011 gibt es daher lediglich 1727 Adoptionen aus Äthiopien in die USA.

Die Reduktion der Adoptionszahlen in Äthiopien war ein richtiger und wichtiger Schritt, um Verwaltungsstrukturen nicht weiter zu überlasten und ein rechtmäßiges Adoptionsverfahren zumindest theoretisch zu ermöglichen. Langfristig wichtiger ist es jedoch, den in den USA herrschenden Adoptionsdiskurs in neue Bahnen zu lenken. Internationale Adoptionen ohne Rücksicht auf die Rechte von Eltern und Kindern sind kein Menschenrecht in einer neuen Weltgesellschaft, auch wenn es hochangesehene Wissenschaftler in Harvard so proklamieren. Nur im Kontext ethischer Verfahren, die auf den Prinzipien der Notwendigkeit, Wahrhaftigkeit und Legalität beruhen, machen internationale Adoptionen überhaupt Sinn. Diese Argumente und Normen müssen allen internationalen Verträgen zur Adoption und Adoptionspraktiken unterliegen.

Aus deutscher Perspektive ist es natürlich fast unmöglich, den Diskurs in Amerika zu beeinflussen. Auch läuft hier nicht alles optimal. Allerdings gibt es weder den religiösen Eifer noch eine offene Beschaffungsmentalität. Dafür geht man in den USA transparenter mit den Problemen um. Letztlich kann Europa/Deutschland nur mit gutem Beispiel vorangehen, seine eigenen Fehler korrigieren und sich von den amerikanischen Praktiken deutlich distanzieren.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Enabling Violation - Das Dilemma Internationaler Adoptionen

In der New York Times erschien ein nachdenklicher Beitrag über das Dilemma Internationaler Adoption zwischen Kindeswohl und Verlust. Die Autorin benutzt den im Deutschen sperrigen Begriff der "ermöglichenden Verletzung" (enabling violation), um die zwei Seiten der Adoption zu charakterisieren. Die Ermöglichung in ihrem Fall war die Adoption eines schwer kranken Mädchens aus Paraguay. Die dem voran gegangene Verletzung bezieht sich nicht nur auf den Verlust der ersten Familie, seiner kulturellen und ethnischen Wurzeln sondern auch auf die politischen Rahmenbedingungen in Paraguay, das zu dem Zeitpunkt autoritär und korrupt regiert wurde.

”I enabled my daughter’s life by adopting her, but in another sense it was a violation for my daughter, who was uprooted from her home, her language and her country of birth. I may have violated the people of Paraguay by participating in an adoption process that the vast majority of Paraguayans deeply disapproved of and ultimately sought to end. I have of course tried to make sure that my daughter always knew the story, not only of her adoption, but of what I could gather of her birth mother’s decision. But I will never feel at ease until my daughter and I visit her birth mother and hear it directly from her.

There is no easy way in which the adopted child’s imaginary domain can be facilitated, although dual citizenship seems to be a minimum guarantee to adopted children, so that they can return to their country of birth if they so desire. Ultimately, international adoption is profoundly implicated in relations of inequality that cannot be addressed on the basis of one family alone. Perhaps, then, if we at least recognize international adoption as an enabling violation, we can avoid the worst kinds of self-righteous humanitarianism, and find ourselves pointed towards a struggle for a more just world."